Zuchen (Sucha Koszalińska) (†) (K)

Das Zuchen (urspünglich Czuchenn, poln. Sucha Koszalińska), von dem hier berichtet wird, liegt im Gegensatz zum gleichnamigen Gemeinwesen bei Belgard nördlich von Zanow. Im Jahre 1565 besaßen die Gebrüder und Vettern Berndt, Thomas, Joachim und Jacob von Heydebreck dort je einen Lehnsanteil. In der Folgezeit wurden Zuchen und das Nachbarlehen Schübben an den Kurfürstlich-Brandenburgischen Generalwachtmeister und Gouverneur der Festung Kolberg, Bogislaw von Schwerin, verpfändet. Von diesem, möglicherweise aber auch von einem Nachfolger, löste der Landrat Jacob Adrian von Heydebreck die verpfändeten Hufen wieder ein, um sie anschließend seinem Bruder, dem nachmaligen Landrat Konrad Tessen von Heydebreck, zu überlassen. Konrad veräußerte beide Lehen 1741 wiederkäuflich auf 20 Jahre an den preußischen Minister Philipp Otto von Grumbkow. Zu dessen Besitznachfolgern gehörten: der Generalmajor Philipp Wilhelm von Grumbkow (ab 1752, ältester Sohn des Vorgenannten), der Kriegs- und Domänenrat Christian Albrecht von Hirsch (ab 1763), Charlotte Eleonore von Hirsch geb. von Heydebreck (wird 1784 erwähnt, Witwe des Vorbesitzers), der 83-jährige Major Gneomar von Kleist (um 1804), ein Herr Kiesler (von vor 1840 bis 1857) und Wilhelm Hermann Munkel (von 1857 bis wenigstens 1867).[1] Über die nachfolgenden Eigentümer des Gutes Zuchen schweigen sich die verwendeten Quellen bis zum Jahre 1939 leider aus. Wie es scheint, wurde das herrschaftliche Anwesen (ca. 600 Hektar) zwischen den beiden Weltkriegen, möglicherweise aber auch schon davor, aufgesiedelt, da es 1939 nur noch als Restgut (121 Hektar, Eigentümer Fritz Buchholz) in Erscheinung trat.[2]

Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde Zuchen wie ganz Hinterpommern nach 1945 von polnischen Familien besiedelt. Damit mussten die pommerschen Einwohner des Ortes Haus und Hof verlassen und sich westlich der Oder eine neue Bleibe suchen.

Zu den interessantesten „Wasserschlössern“ Pommerns gehörte der kurz vor 1687 errichtete Herrensitz Zuchen. Bauherr des dreigeschossigen Hauses (ohne Erweiterung ca. 33 Meter lang, Mansarddach, an westlicher Schmalseite treppenhausartiger Anbau [1 × 1 Achsen], daran anschließend kurzer, nach Norden ausgerichteter Seitenflügel [1 × 3 Achsen], Sockelgeschoss aus Findlingen, Gewölbekeller)[3] war der Kurfürstlich-Brandenburgische Generalwachtmeister Bogislaw von Schwerin.[4] Das sogenannte Schloss stand auf einer grabenumschlossenen Insel, deren Konfiguration der eines griffbewehrten Küchenbretts gleicht (Streichrichtung Nord–Süd, Abmaße „Brett“: ca. 75 × 75 Meter, Abmaße „Griff“: ca. 45 × 36 Meter). Nur wenige Meter vor der Nordseite des „Griffs“ stand das Herrenhaus. Seine östliche Schmalseite reichte bis an den Wasserschlag des Ringgrabens, an der Gegenseite waren es Anbau und Flügel, die mit ihren Sockelgeschossen in den Graben, der an der Stelle eine teichartige Erweiterung aufweist, eintauchten. Auf dem Standort des abgängigen Gebäudes befindet sich heute (2006) ein mit Gesträuch überwucherter Schuttberg, unter dem sich nach wie vor ein Teil des historischen Gewölbekellers (Tonne) erhalten hat. Das nach 1945 zerstörte Haus besitzt auf dem Vorhof beziehungsweise „Brett“ einen bescheidenen Nachfolger. Dieser mit einem Flachdach versehene Bau dient einer polnischen Familie gegenwärtig als Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, III. Th., Bd. I, enthaltend die Kreise Fürstenthum Kamin und Belgard, Anklam und Berlin 1867, S. 476

[2] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[3] o. A.: Der Landkreis Köslin, in: o. A.: Bilder aus Ostpommern, Berlin 1931, S. 196

[4] Schwenkler, Franz: Köslin. Die siebenhundertjährige Geschichte einer pommerschen Stadt und ihres Kreises, hrsg. i. Auftr. d. Heimatkreisausschusses Stadtkreis Köslin und Landkreis Köslin-Bublitz u. mit Unterstützung d. Patenschaftsträger Stadt Minden u. Kreis Eckernförde, 2. Aufl., Eckernförde 1988, S. 499

 

Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung

  1. Zuchen (Sucha Koszalinska), „Altes Wasserschloß“ von Westen, aus: o. A.: Der Landkreis Köslin, in: o. A.: Bilder aus Ostpommern, Berlin 1931, S. 196

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