Pansevitz (†) (K)

Der erstmals 1314 erwähnte Ort Pansevitz auf Rügen[1] liegt 3,5 Kilometer östlich von Gingst. Jahrhundertelang war das Gemeinwesen im Besitz der Familie von Krassow, die bereits 1294 in der Matrikel des Roskilder Bischofsroggens namentlich in Erscheinung tritt. Der erste Krassow auf Pansevitz, mit Vornamen Hans, wird allerdings erst 1425 erwähnt. „Von seinen Urenkeln hinterließ Heinrich zu Varsenevitz drei Söhne, Daniel, Anton und Hans. Von dem ersten stammt die Linie zu Veigkevitz, welche bereits im Anfang des 18. Jahrhunderts erlosch und zuletzt das Gut Wollin auf Wittow besaß. Der zweite Sohn Anton starb ohne Erben, und ist Hans K. [also Hans II.; D. S.] der Stammvater der heutigen Pansevitzer Linie.“[2] Zu den späteren Nachkommen des Letztgenannten zählte der schwedische General Ernst Detlof von Krassow, der von Karl XII. (1682–1718) aufgrund seiner militärischen Verdienste „in den Freiherrnstand erhoben“ wurde. Da der einzige Sohn des Generals als Gesandter in Wien schon früh verstorben war, gehen alle nachgeborenen Familienmitglieder auf den Bruder Ernst Detlofs, Adam Philipp von Krassow (Herr auf Falkenhagen), zurück. Um 1850 gehörten zur freiherrlichen Linie derer von Krassow (zudem gab es noch die südlich von Barth angesiedelte gräfliche Linie) folgende Güter: Pansevitz, Hedwigshof, Justin, Wüstenei, Malckvitz, Erdmannshagen, Bagnitz, Varsenvitz, Veickvitz und Gagern.[3] Durch Einheirat gelangte Pansevitz (930 Hektar) im 19. Jahrhundert (wohl Anfang der zweiten Hälfte) in die Hand der fürstlichen Familie zu Inn- und Knyphausen,[4] die dort im Jahre 1911 durch die Fürstin Luise[5] vertreten war. 1945 wurde die Familie im Zuge der Bodenreform in der SBZ enteignet.[6]

Das ehemalige Pansevitzer Herrenhaus bestand aus drei Flügeln, die einen nach Osten hin offenen Ehrenhof umschlossen. Das im Kern aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts stammende Alte Haus (ca. 43 × 9 Meter, nur noch die Fundamentstreifen sowie die westliche Schmalseite und die nordwestliche Eckwarte, diese allerdings als Torso, erhalten) verfügte über ein Erd- und Obergeschoss und eventuell über einen Keller, der allerdings nicht die gesamte Grundrissfläche auszufüllen schien. Der Mittel- oder Westflügel (ca. 24 × 13 Meter, ehemals: Souterrain, zweigeschossig, an den Schmalseiten und dem hofseitigen Mittelrisalit stattliche Volutengiebel, mittig gelegene Durchfahrt, in den 1860er-Jahren errichtet, Erd- und Obergeschoss abgängig, Mauerwerk des Souterrains noch zum Teil erhalten) grenzte mit seiner Südweststrecke an die schon erwähnte Eckwarte des Altbaus. An der nördlichen Ehrenhofseite liegen die Fundamentreste des vormaligen Nordflügels (ca. 25 × 19 Meter, ursprünglich: Souterrain, zweigeschossig, an westlicher Schmalseite zwei oktogonale Ecktürme, an Park- beziehungsweise Nordfront zwei Seitenrisalite, dazwischen Terrasse mit Freitreppe, an Hofseite dreiachsiger Mittelrisalit mit Volutengiebel, Balkon und Freitreppe, im Giebelfeld Wappenrelief der Herren zu Inn- und Knyphausen, links daneben Zwerchhaus, Flügel ebenfalls in den 1860er-Jahren aufgeführt). So wie der Altbau war auch der letztgenannte Trakt über Eck (dortiger Turm noch zum Teil vorhanden) mit dem Mittelflügel verbunden. Der umfangreiche Gebäudekomplex zeichnete sich vor allem durch seine historistische Formgebung aus.[7]

Von 1945 bis um 1965 diente der alte Adelssitz vielen ostdeutschen Flüchtlingsfamilien als Unterkunft. Nach deren Auszug nahm das Haus zunehmend ruinöse Formen an, sodass man es um 1980 wegen Baufälligkeit aufgab und als Steinbruch nutzte.[8]

Der fast bis zur Landstraße Bergen–Gingst reichende Park ist etwa 20 Hektar groß (ohne angrenzende Waldbereiche). „Im 19. Jahrhundert wurde der frühbarocke Teil nördlich und östlich des Herrenhauses [bereits auf der schwedischen Matrikelkarte von 1694 vorhanden; D. S.] zugunsten einer freien Gestaltung im Stil des Landschaftsparks umgestaltet.“[9] Die gegenwärtig (2009) sehr gepflegte Anlage beeindruckt nicht nur durch ihre umfangreichen Rasenflächen und Gehölzpartien, sondern sie kann auch mit einigen alten Bäumen, wenigstens vier Alleen, mehreren exotischen Nadel- und Laubbäumen und einigen Teichen aufwarten. Zu den kleinen Weihern gehören unter anderem: der „Schwanenteich“, der „Wundersee mit Liebesinsel“ und der „Herz- und Nierenteich“. Noch in den 1990er-Jahren war der Park verbuscht und verwildert. Sein weiterer Werdegang gestaltete sich später folgendermaßen:

„Die Parkfläche wurde von der Familie Graf Knyphausen zurückgekauft und an den Verein Insula Rugia mit der Auflage übergeben, den Park zu sanieren. Mit erheblichen Fördermitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Allianz Umweltstiftung wurde das Grundgerüst wieder hergestellt. Nachdem diese Grundinstandsetzung erfolgreich gelang, musste ein Weg für die nachhaltige Unterhaltung und Entwicklung des doch recht großen Parks gefunden werden. Es wurde beschlossen, den Park in eine gemeinnützige Stiftung zu überführen und einen FriedWald im Schlosspark zu eröffnen.“[10]

Im Zuge dieser Arbeiten wurde die Schlossruine beräumt und gesichert und das an der südlichen Ehrenhofseite stehende Kavaliershaus (unbewohnter Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, vormals sehr desolat) erneuert, sodass seine barocken Formen heute wieder uneingeschränkt zur Geltung kommen.

Im Hinblick auf den öffentlich zugänglichen Park und seine Nutzung als „FriedWald“ kommt die oben genannte Stiftung zu folgendem Schluss: „Er ist ein Ort der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit geworden. Damit wurde mit dem Schlosspark Pansevitz ein neues Kapitel der Parkkultur auf Rügen aufgeschlagen.“[11]

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[1] Bock, Sabine und Helms, Thomas: Schlösser und Herrenhäuser auf Rügen, Bremen 1993, S. 86

[2] Bagemihl, I. T.: Pommersches Wappenbuch, Bd. 4, Stettin 1854, S. 183f.

[3] Ebd., S. 184ff.

[4] Bock, Sabine und Helms, Thomas: Schlösser und Herrenhäuser auf Rügen, Bremen 1993, S. 86

[5] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[6] Prospekt „Stiftung Schlosspark Pansevitz“, Pansevitz 2009

[7] Ebd.

[8] Bock, Sabine und Helms, Thomas: Schlösser und Herrenhäuser auf Rügen, Bremen 1993, S. 86f.

[9] Prospekt „Stiftung Schlosspark Pansevitz“, Pansevitz 2009

[10] Ebd.

[11] Ebd.

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Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung
SBZ – Sowjetische Besatzungszone

  1. Pansevitz, Schlossruine, Westgiebel mit Eckturm des teilabgängigen Südflügels von Südwesten; Foto: D. Schnell, April 1995
  2. Pansevitz, Schlossruine, Westgiebel mit Eckturm des teilabgängigen Südflügels von Südwesten; Foto: D. Schnell, März 2009
  3. Pansevitz, Schlossruine, teilabgängiger Südflügel mit nordwestlichem Eckturm von Nordosten; Foto: D. Schnell, März 2009
  4. Pansevitz, Schlossruine, nordöstlicher Eckturm des abgängigen Westflügels von Nordwesten; Foto: D. Schnell, März 2009
  5. Pansevitz, Kavaliershaus, Ehrenhof- bzw. Westseite; Foto: D. Schnell, März 2009
  6. Pansevitz, Detail der Parkanlage von Süden; Foto: D. Schnell, März 2009

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