Canitz bei Lupow (†) (K)

Etwa auf halbem Wege wischen Stolp und Lauenburg liegt am Flüsschen Lupow der Ort Lupow (Łupawa). Das dortige Gemeinwesen gehörte um 1300 und danach einem Zweig der im östlichen Hinterpommern weit verbreiteten Familie von Zitzewitz. Am südöstlichen Ortsrand stand zwischen der heutigen Chaussee und dem Flusstal die Wasserburg Canitz. Nach deren Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg errichtete der preußische Generalkriegskommissar Joachim Ernst von Grumbkow 1683 auf dem alten Burggelände ein zweiteiliges „Schloss“, das ebenfalls den Namen Canitz führte.[1] Die L-förmige Herrenhausanlage bestand aus dem Hauptgebäude (sieben Achsen, zweigeschossig, dreiecksübergiebelter Mittelrisalit, ca. 34 × 15 Meter) und dem von der südöstlichen Schmalseite abzweigenden Südwestflügel (13 Achsen, eingeschossig, Mittelrisalt mit Oberetage, Dachreiter, ca. 50 × 14 Meter). Vor dem Hauptportal des mehrgeschossigen Traktes standen zwei aus Kanonenkugeln gefertigte Pyramiden. Wahrscheinlich erinnerten sie an den oben genannte Generalkriegskommissar und weitere Persönlichkeiten der preußischen Monarchie, die in dieser oder jener Weise mit Canitz bei Lupow in Verbindung standen. Nachfolgende Angaben mögen diese Vermutung untermauern: Der Sohn des Bauherren, Philipp Otto von Grumbkow, war Königlich-Preußischer Staatsminister und Präsident aller pommerschen Kollegien, der Besitznachfolger und Schwiegersohn des Staatsministers, Friedrich Otto von Bonin (verstorben 1822), brachte es bis zum preußischen Generalleutnant und dessen Sohn Eduard Wilhelm von Bonin stand dem preußischen Kriegsministerium vor (Eigentümer von Lupow war zu der Zeit der Bruder des Kriegsministers, Friedrich Wilhelm Bogislaw von Bonin).[2]

Kurz nach 1900 gelangte das Fideikommiss an die von Puttkamer. Deren letzter Vertreter auf dem Besitz war Hans Jesco von Puttkamer[3]

Im Frühjahr 1945 wurde das große Gemeinwesen von der Roten Armee besetzt, um nachfolgend – anfangs noch mit Ausnahme des Gutes – in polnischen Besitz überzugehen. Die Ausweisung der letzten deutschen Ortsbewohner in Richtung Bundesrepublik Deutschland bzw. DDR erfolgte erst Mitte der 1950er-Jahre.

Sowohl 1992 als auch 1996 konnte man auf der ausgedehnten Ruinenfläche von „Schloss Canitz“ zwei halb zerstörte Kellergewölbe der nach 1945 abgängigen Haustrakte in Augenschein nehmen. Seit der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert erhebt sich an fast derselben Stätte ein villenartiges Wohngebäude, das – nun allerdings in bescheideneren Ausmaßen aufgeführt – die Nachfolge des untergegangenen Herrensitzes angetreten hat.

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[1] Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 142

[2] Ebd., S. 143 u. 253

[3] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 159

 

Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung

  1. Canitz bei Lupow (Łupawa), Rest des Kellergewölbes vom Hauptgebäude des abgängigen Herrenhauses vom Südwesten; Foto: D. Schnell, Juni 1992
  2. Canitz bei Lupow (Łupawa), Rest des Kellergewölbes vom Südwestflügel des abgängigen Herrenhauses von Nordwesten; Foto: D. Schnell, Juli 1996
  3. Canitz bei Lupow (Łupawa), Herrenhaus von Südwesten, aus: Sieber, H.: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 1978, S. 233 (derzeit nicht dargestellt)

 

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