Lassehne (Łasin) (†) (K)

Der Ort Lassehne (Łasin) grenzt mit seiner Feldflur zwischen Kolberg und Groß Möllen (Strandbad bei Köslin) an die hinterpommersche Ostseeküste. Der Ortsbezeichnung liegt das westslawische Wort las für Wald zugrunde.

Der erste namentlich bekannte Besitzer des Gemeinwesens war der Rat des pommerschen Herzogs Bogislaw XIII., Peter von Kameke (1541–1615). 1630 wird abermals ein Peter von Kameke als Inhaber von Lassehne genannt, von dem das Lehen später an den Generalmajor Bogislaw Freiherr von Schwerin überging. Besitznachfolger (wahrscheinlich nur eines Anteils) wurde dessen Bruder Otto von Schwerin, der als Erzieher des brandenburgischen Kronprinzen Friedrich (1657–1713, von 1688 bis 1701 Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, von 1701 bis 1713 als Friedrich I. „König in Preußen“) in die Annalen einging. Otto von Schwerin erwarb im Jahre 1679 zwei weitere Lassehner Bauernhufen. Beide Erwerbungen fielen zusammen mit dem übrigen Besitz an seinen Sohn Friedrich Wilhelm. Zu der Zeit trat außerdem der „Brandenburgische wirkliche Geheime Rat und Kanzler der Hinterpommersch-Kaminschen Lande“ sowie Dompropst zu Kolberg (1680), Lorenz Georg von Krockow, als „Erbgesessener auf Lassehne und Timmenhagen“ – sicher nur anteilmäßig – in Erscheinung. Der oben genannte Friedrich Wilhelm von Schwerin veräußerte das ihm gehörende Lehen an die Witwe seines 1706 verstorben Oheims Moritz Friedrich von Schwerin, Sophia Hedwig geb. von Mardefeld (wieder vermählt mit dem Generalleutnant Johann Georg von Tettau). Zu den weiteren Inhabern der nun in einer Hand liegenden Feldmark gehörten später: der Feldmarschall Adrian Bernhard Graf von Borcke (ab 1738 Herr auf Lassehne, Lappenhagen und Timmenhagen sowie Besitzer von Stargordt und Erbauer des dortigen Schlosses, Schwiegersohn des Ehepaars Tettau), der Generalmajor und Oberhofmeister Heinrich Adrian Graf von Borcke (ab 1752, auch Herr auf Stargordt, Sohn des Vorgenannten), Frau von Arnim, geb. Gräfin von Borcke (bis 1818, Tochter des Vorbesitzers, war mit dem Justiz- und Kammergerichtsrat Friedrich von Arnim vermählt), Heinrich Wilhelm von Arnim (um 1865, Sohn der Vorgenannten, Kammerherr, Oberstleutnant a. D. und stellvertretender Abgeordneter zum Pommerschen Provinziallandtag, besaß Lassehne mit Wend-, Henken- und Lappenhagen),[1] Elisabeth von Wedel, geb. von Arnim (wird 1911 genannt), und ein Herr von Wedel (wird 1939 als Eigentümer erwähnt, Pächter des damals 641 Hektar großen Gutes war ein Herr von der Osten).[2]

Im Frühjahr 1945 fiel Lassehne in die Hand der Roten Armee. Bis zum Herbst erfolgte die Ausweisung der Hofbesitzer, deren Eigentum in polnischen Besitz überging. Die restlichen pommerschen Einwohner mussten ihr Dorf in den folgenden Monaten verlassen.

Das Lassehner „Rote Schloss“ zählte zu den größeren barocken Herrenhäusern Hinterpommerns. Der in Küstennähe aufgeführte Adelssitz (insgesamt bei 13 Achsen ca. 44 Meter lang, Klosterformatsteine, ursprüngliche Fassung in Rot, Streichrichtung Südwest–Nordost) bestand aus dem Hauptgebäude (sieben Achsen, zweigeschossig, Walmdach, an Hof- beziehungsweise Südostseite einachsiger Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel) und zwei das Hauptgebäude verlängernden Flügeln (pro Exemplar: drei Achsen, zweigeschossig, Walmdach, etwas schmaler als das Hauptgebäude, um ca. zwei Meter in Richtung Hof versetzt),[3] die sich aufgrund ihrer vorgeschobenen Lage im Gefüge der Gesamtanlage als Eckrisalite positionierten. Während einer im Sommer 1996 durchgeführten Vorortbegehung konnte vom Verfasser anhand der am Hausstandort vorgefundenen Fundamentreste ein weiterer Flügel (ca. 46 × 13 Meter, vom nordöstlichen Gebäudeende in Richtung Ostsee abzweigend, wahrscheinlich nur eingeschossig) ermittelt werden. Der kaum bekannte Anbau scheint in Auswertung der vom Maler Franz Krüger stammenden „Schloßansicht“[4] erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert errichtet worden zu sein. Das äußerlich nicht sonderlich hervorgetretene „Barockschloss“ wurde um 1708 von Sophia Hedwig von Tettau in die Lotrechte gebracht.[5]

Über das Haus und seine Ausstattung lesen wir bei Gottfried Loeck Folgendes: „Der linke Flügel enthielt die Stallungen für die Kutsch- und Reitpferde sowie einen großen Kornboden, der rechte die Küchen und die Wohn- und Wirtschaftsräume für den Gärtner. Nur der mittlere Hausteil beherbergte die eher schlicht gehaltenen Wohnräume der Gutsherrschaft. Über eine geschwungene Barocktreppe gelangte man ins obere Stockwerk. Zwei große Säle dienten der Essenseinnahme beziehungsweise für Repräsentationszwecke, Familienfeste oder sonstige Festlichkeiten. In der Küche stand ein offener Herd mit Rauchfang […] Eine gewisse Wohlhabenheit verrieten die vier Gemälde von Antoine Pesne (1683–1757), dem Hofmaler von drei preußischen Königen, im Speisesaal des Herrenhauses. Die Porträts zeigten den Generalfeldmarschall von Borcke und seine Gemahlin Helene, geborene von Brand […] Weitere Porträts unter anderem des preußischen Hofmalers Franz Krüger (1797–1857) und mehrere Stillleben, deren Verbleib bis heute ungeklärt ist, hingen im Saal des oberen Stockwerks.“ [6] Außerdem befand sich in einem der Räume das Bild einer russischen Prinzessin aus dem Hause Holstein-Gottorf (angeblich als Strandgut nach Lassehne gelangt), von dem ebenfalls jedwede Spur fehlt.[7]

In dem über das Jahr 1945 hinweggekommenen Herrenhaus sollte um 1950 ein Kinderheim untergebracht werden. Da sich dieser Wunsch aber zerschlug, wurden sowohl das Haus als auch die mittelalterliche Dorfkirche 1951 abgebrochen.[8] Von der umfangreichen Gutsanlage sind bis heute (2002) lediglich ein oder zwei Wohngebäude, der verwilderte Park mit einer in Richtung Wendhagen führenden Lindenallee hohen Alters sowie der verbuschte Schuttberg des untergegangenen „Roten Schlosses“ übrig geblieben.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, III. Th., Bd. I, enthaltend die Kreise Fürstenthum Kamin und Belgard, Anklam/Berlin 1867, S. 366ff.

[2] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 und Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939; siehe auch Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 149

[3] Loeck, Gottfried: Lassehne – im Rückspiegel bleibender Erinnerung, in: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, 47. Jg. (2009), Heft 1, S. 18f. Abb. 4 u. 5

[4] Ebd., S. 18 Abb. 4

[5] Böttger, Ludwig (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Köslin, hrsg. i. Auftr. d. Ges. f. Pom. Gesch. u. Altertumskunde, Heft I: Die Kreise Köslin und Colberg-Körlin, Stettin 1889, S. 89; nach Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 14, erfolgte der Schlossbau bereits im 17. Jahrhundert, was allerdings nicht mit den oben genannte Lebensdaten der Bauherrin in Übereinstimmung zu bringen ist

[6] Loeck, Gottfried: Lassehne – im Rückspiegel bleibender Erinnerung, in: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, 47. Jg. (2009), Heft 1, S. 18

[7] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 148

[8] Hinz, Johannes: Pommern – Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Mannheim 1988, S. 208; nach Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 149, erfolgte der Abbruch 1955

 

 

Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung

  1. Lassehne (Łasin Koszalinski), Herrenhaus, Hof- bzw. Südostseite, Foto aus: Lassehne – im Rückspiegel bleibender Erinnerung von Gottfried Loeck, in: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 1/2009, 47. Jg., S. 19, Abb. 5

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