Geilenfelde (Gilów) (†) (K)

 

Auf der fiktiven Geraden von Woldenberg nach Bernstein nimmt Geilenfelde (Gilów) fast eine Mittellage ein. Da dem Ort in den einschlägigen Quellen kaum Raum gegeben wird, kann hier über seine Historie nur unzureichend berichtet werden.

Im Jahre 1907 befand sich das Rittergut Geilenfelde in der Hand von Max Klettner. Der insgesamt 590 Hektar umfassende Agrarbetrieb verfügte im letztgenannten Jahr über folgende Nutzflächen: 493 Hektar Acker und Gärten, sechs Hektar Wiesen und 79 Hektar Holzungen. Außerdem gebot er über nachstehenden Viehbesatz: 38 Pferde, 125 Stück Rindvieh, 750 Schafe und 99 Schweine.[1]

Infolge des Zweiten Weltkrieges wurden die Einwohner Anfang Herbst 1945 aus Geilenfelde vertrieben. Die meisten der heimatlos gewordenen Dorfbewohner fanden später in einer der alliierten Besatzungszonen westlich der Oder ein neues Dach über dem Kopf.

Das schon seit Jahrzehnten von der Bildfläche verschwundene Herrenhaus (Streichrichtung Südwest–Nordost, 11 × 3 Achsen, zweigeschossig, hohes Souterrain, unter Traufe Konsolreihe, Walmdach, an Park- beziehungsweise Südostseite risalitartiger Anbau mit Dachgarten, hinter Letzterem dreiachsiges Zwerchhaus, an Nordostseite Veranda) wurde dem äußeren Anschein nach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.[2]

Im Gegensatz zum abgängigen Adelssitz ist das ehemalige Inspektor- oder Verwalterhaus (6 × 3 Achsen, zweigeschossig, unterkellert, Satteldach, an Nordostseite vor Doppelportal Terrasse mit Freitreppe), das gegenwärtig in Privathand liegt, noch gut erhalten.

Der hinter dem renovierten Zweigeschosser liegende Park weist eine Circafläche von sechs Hektar auf. In der zum Teil verwilderten Anlage setzen ein Teich und ein sich anschließendes Rasenparterre, auf dem einst das Herrenhaus die Senkrechte hielt, gestalterische Akzente. An der straßennahen Ostecke des Parks hat ein oktogonaler Aussichtturm aus dem 19. Jahrhundert (dreigeschossig, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss aus gespaltenen Findlingen, zweites Obergeschoss in Fachwerk, Helm ziegelgedeckt) die Zeiten überdauert. Das in pommerschen und neumärkischen Gefilden fast einmalige Bauwerk erinnert ein wenig an die aus dem Märchen bekannte Burgwarte Rapunzels, aus der ein herabhängender Zopf in die Freiheit führte.

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[1] Niekammers’s Landwirtchaftliches Güter-Adressbuch, Bd. 7: Brandenburg, Stettin 1907

[2] Heimatkalender für den Kreis Friedeberg Nm., hrsg. v. Kreis-Ausschuß d. Kreises, 11. Jg. (1926), Bl. Dezember

 

Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung

  1. Geilenfelde (Gilów), Verwalterhaus von Süden, März 2013; Foto: D. Schnell
  2. Geilenfelde (Gilów), Aussichtsturm, Feldseite, März 2013; Foto: D. Schnell
  3. Geilenfelde (Gilów), Herrenaus von Süden, Bild aus Heimatkalender „Der Kreis Friedeberg Nm.“, 11. Jg., Bl. Dezember 1926

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