Brünnow (Bronowo)

Der Ort Brünnow (Bronowo), im Kreis Rummelsburg gelegen, tangiert auf halbem Wege die Landstraße Schlawe–Bütow.

1490 tauschte die Familie Brünnow die ihr gehörenden Hufen in der Gemarkung des Dorfes mit Ausnahme der Heide Popiel gegen das halbe Dorf Quatzow (südlich von Schlawe gelegen). Damit gelangte Brünnow in den Besitz der Massows, deren erster im Ort namentlich belegter Vertreter den Vornamen Mickes führte. Nachfolgend fiel das Lehen an Mickes Sohn und späte an seinen Enkel. Durch den Bankrott des Bankhauses der Loitze in Stettin (1572) geriet der Letztgenannte in arge finanzielle Schwierigkeiten. Wahrscheinlich waren dessen Verbindlichkeiten dafür verantwortlich, dass Woitischlaff von Wobeser zu Schurow 1590 von den insgesamt 13 Brünnower Bauernstellen sechs erwerben konnte (genannt werden die Hofstellen von: „1. Bartosch Justack, 2. Martin Köne, 3. Lorenz Quetz, 4. Jakob Nibbur, 5. Lukas Hoyhacke, 6. Hans Silla“). Der Schurower Lehnsmann tauschte die erstandenen Höfe jedoch an seine Brüder in Wobeser, von denen sie nach 1592 an Rüdiger von Massow fielen, sodass Brünnow nunmehr zweigeteilt war.[1] 1628 wird Christoph von Puttkamer als auf “Gronenwalde und Brünnow erbsessen“ erwähnt. 1655 vereinigte Ernst Dietrich von Massow ganz Brünnow in einer Hand.

Zu seinen Besitznachfolgern zählten später:

  • der Hauptmann Johann Franz Gottlob von Massow (bis 1793),
  • Karl Friedrich Ernst von Wedel (wird 1793 genannt),
  • Karl Georg Graf von Hoym (von 1793 bis 1799, zuvor seit 1770 dirigierender Minister für Schlesien),
  • Kaspar Friedrich von Massow (von 1799 bis 1801, Gut für 12100 Reichstages erworben, dieses wurde 1800 zum Allod),
  • Friedrich Gustav Adolf von Massow (von 1801 bis 1802, Sohn des Vorgenannten), Karl Gustav von Below (von 1802 bis 1839),
  • Karl Gustavs Sohn (von 1839 bis 1840),
  • der dänische Konsul und Kaufmann Karl August Hemtenmacher in Rügenwalde (von 1840 bis 1889),
  • der Konsul Eduard John und dessen Ehegattin Marie geb. Hemtenmacher (ab 1889)[2]
  • sowie die Witwe Maria John in Rügenwalde (wird 1911 erwähnt).[3]

Am 22. Januar 1933 wurde das Gut an die „gemeinnützige Siedlungsgesellschaft des Kreises Rummelsburg“ verkauft.[4] und nachfolgend parzelliert. Die dabei entstandenen Eigentumsshöfe waren etwa 25 Hektar groß.[5]

1911 verfügte der landwirtschaftliche Großbetrieb mit der Försterei Rosenhof und den Vorwerken Eichhof, Brückenhof, Grenzhof, Dammkaten, Seehof, Hägehof, Ziegelei, Brunnow und Kotelow sowie der Försterei Eisenhammer über einen Flächenumfang von insgesamt 2493 Hektar. Davon waren 347 Hektar Äcker und Gärten, 84 Hektar Wiesen und Weiden und 2062 Hektar Holzungen. Außerdem gebot das Gut über nachstehenden Viehbesatz: 36 Pferde, 139 Stück Rindvieh, 99 Schafe und 300 Schweine.[6]

Von 1940 bis 1945 befand sich im Ort ein Lager für weibliche Angehörige des Reichsarbeitsdienstes.[7]

Über das Jahr 1945 lesen wir im Heimatbuch „Der Kreis Rummelsburg“: „Der Treck der Brünnower brach – vermutlich am 5. März 1945 – in Richtung Norden auf, um einen Hafen in der Danziger Bucht zu erreichen. Durch den schnellen Vorstoß der Sowjets zur Ostsee war der Fluchtweg nach Westen schon seit Tagen abgeschnitten. Hinweisen zufolge, beschossen bei Wobeser sowjetische Schlachtflieger den Treck, wodurch er in Unordnung geriet. Zumindest Teile des Brünnower Trecks sind bis nach Pottangow im Kreis Stolp gekommen. Dort wurden sie am 9. März von den Sowjettruppen überrollt. Die Flucht war zu Ende, ausgeplündert ging es in den Heimatort zurück. Die in Brünnow beheimatete Bevölkerung wurde, insbesondere 1947, von den Polen ausgewiesen.“ Zu den Kriegs- und Vertreibungsopfern des Ortes gehörten 14 Gefallene und sechs Zivilpersonen. Von den Letztgenannten „erlitten zwei einen gewaltsamen Tod, starb einer elendig in der Verschleppung und starben drei an den Folgen der Vertreibung.“[8]

In Brünnow gibt es bis heute (2010) zwei Herrenhäuser, ein Altes und ein Neues. Der um 1850 errichtete jüngere Bau ist von L-förmiger Gestalt. Er besteht aus dem Hauptgebäude und einem in Nordwestverlängerung der rechten Schmalseite streichenden Flügel. Der neunachsige, anderthalbgeschossige Haupttrakt ruht auf einem Sockelmauerwerk aus Quadersteinen und verfügt über einen dreiachsigen, zweigeschossigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und Lünettenfenster. Die originäre Fassadengestaltung hat sich vor allem am Mittelrisalit erhalten. Geprägt ist der Putzbau durch großflächige Plattenrustika und Dachbekrönungen, die als Dreiecksgiebel oder Kragplatten mit Konsolsteinen ausgeführt sind. Über den hochrechteckigen Fenstern des Erdgeschosses befinden sich in den flankierenden Achsen des Halbgeschosses kleine Fensterpaare. Die hölzernen Türflügel des Haupteingangs scheinen bauzeitlich zu sein. Ein flaches Satteldach ruht auf dem Bau. Die oben benannte Nordwestverlängerung besteht aus acht Achsen. Ansonsten gleicht der Trakt in Geschossigkeit und Dachform dem Hauptgebäude.

Die gegenwärtig nur teilbewohnten Trakte sind schon seit Jahren sehr erneuerungsbedürftig.

Noch aus dem 18. Jahrhundert stammt der nachbarliche Altbau, über den Walter Borchers wie folgt berichtet: „Aus der Reihe der bisher betrachteten Gebäude fällt das Haus in Brünnow heraus. Ein neues architektonisches Prinzip offenbart sich hier. Dieser Bau, der auf einem Hügel gelegen ist, gefällt durch die Klarheit, Vornehmheit und Großzügigkeit seiner Architektur. […] Ohne die klassizistische Stilrichtung ist dieses Wohnhaus mit seiner vorgelegten römisch-dorische Säulenhalle und dem gewalmten Dach nicht denkbar. Es steht in Ostpommern einzig dar, ohne Parallelen.“[9]

In der Tat besitzt der fünfachsige, zweigeschossige Bau mit seiner auf der ganzen Länge der Nordostseite durchgezogenen Säulenvorhalle, den schlanken Stützen selbst und dem hölzernen Gebälk einige architektonische Auffälligkeiten. Die Fensteröffnungen sind nahezu quadratisch, mit Ausnahme des über dem Portal befindlichen Lünettenfenster. Das Krüppelwalmdach ist mit roten Ziegeln gedeckt und verfügt über einen Schornstein in zentraler Position. Auch im übrigen Pommern lassen sich mit Ausnahme des weit imposanteren Friedrich-Wilhelm-Bades am Rande der Goor auf Rügen und des benachbarten Putbuser Theaters keine vergleichbaren Bauten ausmachen.

Noch im Jahre 1979 war das Haus „in einem verwahrlosten Zustand“ und „unbehütet“.[10] Insofern ist es nur zu begrüßen, dass das auf uns überkommene Gebäude (liegt nun in privaten Händen) gegenwärtig wieder von sich reden macht, und zwar im positiven Sinne.

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[1] Gohrbandt, Emil: Ortsgeschichte, in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch, hrsg. v. Kreisausschuß d. Kreises Rummelsburg im Jahre 1938, neu hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg m. Förder. d. d. Landkreis Soltau-Fallingbostel, Hamburg 1979, S. 144f

[2] Ebd., S. 144ff.

[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[4] Gohrbandt, Emil: Ortsgeschichte, in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch, hrsg. v. Kreisausschuß d. Kreises Rummelsburg im Jahre 1938, neu hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg m. Förder. d. d. Landkreis Soltau-Fallingbostel, Hamburg 1979, S. 146

[5] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 66

[6] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[7] Kuchenbäcker, Hans-Ulrich (Bearb.): Der Kreis Rummelsburg. Ein Schicksalsbuch, hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg, Lübeck 1985, S. 147

[8] Ebd., S. 147f.

[9] Borchers, Walter: Gutshäuser, in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch, hrsg. v. Kreisausschuß d. Kreises Rummelsburg im Jahre 1938, neu hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg, Hamburg und Lübeck 1979, S. , 511f.

[10] Ebd., S. 513

  1. Brünnow (Bronowo), altes Herrenhaus, Nordostseite, Oktober 2010; Foto: D. Schnell
  2. Brünnow (Bronowo), altes Herrenhaus von Osten, Oktober 2010; Foto: D. Schnell
  3. Brünnow (Bronowo), neues Herrenhaus, Hof- bzw. Südostseite, Oktober 2010; Foto: D. Schnell