Bruchhof (Wąsosz)

Dass der nur aus vier Höfen bestehende Ort Bruchhof (Wąsosz) hier Gegenstand der nachfolgenden Betrachtungen ist, liegt, und wie sollte es in dieser Beitragsreihe auch anders sein, an seinem Herrenhaus, das alle übrigen Gebäude dieser Art in der Nachbarschaft größenmäßig übertrifft.

Der interessierte Tourist erreicht das kleine Gemeinwesen auf der von Falkenburg nach Tempelburg führenden Landstraße, wenn er nach fünf Kilometern Fahrstrecke zur rechten Hand abbiegt und über das bekanntere Dietersdorf in Richtung Süden bis ans Ende der befestigten Stichstraße fährt.

Bruchhof war laut Niekammers Güter-Adressbücher von 1911 kein Rittergut (ursprünglich ein mit besonderen Privilegien ausgestattetes Lehen, dessen Inhaber Ritterdienste zu leisten hatte), sondern ein mit weniger Vorrechten ausgestattetes Gut (303 Hektar Acker und Grünland sowie 1000 Hektar Holzungen). Im oben genannten Jahr lag der Besitz in der Hand von Eberhard von Grünberg.[1] Dieser hatte das waldreiche Anwesen um 1900 nach einem vor Ort aufgestellten Gedenkstein von seinem Vater Hans von Grünberg übernommen.
Im Frühjahr 1945 geriet Bruchhof unter die Kontrolle der Roten Armee. Wie lange die Rotarmisten das sogenannte Schloss in Anspruch nahmen, ist ungewiss, doch sprechen vergleichbare „Tatbestände“ dafür, dass es spätestens Ende der 1940er Jahre in polnische Verwaltung übergeben worden sein dürfte. Die neuen Besitzer richteten in dem alten Adelssitz ein Kinderheim ein, das seine Tore jedoch nach 1990 schließen musste. Besitznachfolger wurde ein Herr aus Stolp. Der neue Eigner ließ das Haus nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in ein Landhotel umgestalten.[2]

Das Haus wurde angeblich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.[3] Es besteht aus dem Haupttrakt, dem sich nordwestlich anschließenden Querflügel und dem oktogonalen Turm zwischen den beiden erstgenannten Teilen. Der neunachsige, dreigeschossige Haupttrakt verfügt über einen nordostseitigen Mittelrisalit, der über eine vorgelagerte Freitreppe erschlossen wird. Der Querflügel ist, ebenso wie der Haupttrakt, ein mit Flachdach und Gewölbekeller ausgestatteter Putzbau. Betont wird dieser zweigeschossige Teil durch eine hochgelegene Terrasse an der Nordwestseite. Das viergeschossige, backsteinsichtige Turmmassiv mit flachem Haubenaufsatz und Fahnenstange wirkt durch seine spitzbogigen Fenster und Blendflächen markant für das gesamte Herrenhaus, welches ebenso die neogotischen Formen aufnimmt.

Etwas aus der Art geschlagen sind dagegen die großen Kastenfenster des Flügelobergeschosses, die nach allem Dafürhalten dem Bauhausstil der 1920er Jahre verpflichtet sind. Daher ist anzunehmen, dass der Flügel nach dem Ersten Weltkrieg um ein Geschoss aufgestockt wurde.

Im Hausinneren haben sich durch den Hotelausbau einige Raumveränderungen ergeben. Nicht davon betroffen sind das Vestibül (mit apsidialer Wandnische), die Flure und die beiden übereinander liegenden Festsäle im Flügel (Saal im Erdgeschoss dient als Speiseraum, dort insgesamt neun Spitzbogenfenster; Saal darüber wird als Kulturraum genutzt, dort insgesamt sieben große Kastenfenster).

Der sich um das Haus ausbreitende Park mit seinem überwiegend einheimischen Baumbestand machte am 14. März 2007 einen gepflegten Eindruck. In der nicht allzu großen Anlage, die in Richtung Westen allmählich in den angrenzenden Hochwald übergeht, treffen wir auf mehrere fest installierte Sport- und Spielgeräte aus der Zeit vor 1990.

Nur wenige Schritte vor dem Parktor gedeiht eine stattliche Eiche von 6,2 Metern Umfang. In ihrem Schatten hat sich ein Gedenkstein (behauener Granitfindling) für Hans von Grünberg aus   dem Jahr 1900 erhalten. Auf seiner Vorderseite steht in vergoldeten Lettern folgende Inschrift:

„Zur Erinnerung
an das 50 jähr. Schaffen und Wirken
in Segen und Rüstigkeit
unseres lieben Gatten und Vaters
Hans von Grünberg
An Gottes Segen ist alles gelegen
L. v. G
F. v. G. H. v. P.
E. v. G. K. v. G.
Den 1. April 1900“

Schräg gegenüber ragt an der anderen Straßenseite eine weitere nennenswerte Eiche in den Himmel. Zwar finden wir dort keinen Gedenkstein vor, doch kann dieser baumgewordene Recke (von 6,3 Metern Umfang) dafür mit einer besonders mächtigen Blätterkrone aufwarten.

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[1] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[2] Angaben eines Bruchhofer Bürgers zu den jüngsten Besitzverhältnissen des dortigen Herrenhauses vom 14. März 2007 (vor Ort)

[3] Prospekt „Pałac w Wąsoszy“, Bruchhof-Wąsosz 2007

  1. Bruchhof (Wąsosz), Herrenhaus, Nordostseite, März 2007; Foto: D. Schnell
  2. Bruchhof (Wąsosz), Gedenkstein für Hans von Grünberg aus dem Jahre 1900 vor starker Eiche in der Nähe des Parkeingangs, März 2007; Foto: D. Schnell