Broock
Der Ort Broock liegt etwa 15 Kilometer südöstlich von Demmin im reizvollen Tollensetal. Auf dem einst ritterschaftlichen Besitz befand sich vor Zeiten eine für Pommern bemerkenswerte dreiteilige Burganlage, von der sich nur noch einige kaum erkennbare Wallreste neben dem alten „Krug" erhalten haben. Die Veste sicherte den dortigen Flussübergang gegen etwaige Angriffe aus Mecklenburg ab. Insofern stand sie bei der Landesverteidigung mit den ebenfalls an der Tollense liegenden Burgen Haus Demmin, Burg Osten, Weißen-Klempenow und Kummerow in einer Reihe.
Besitzer von Broock waren bis 1653 mehrere Vertreter der ritterschaftlichen Familie von Buggenhagen, als letzter seines Geschlechts der Landmarschall Andreas Buggenhagen.[1] 1705 erwarb der Stettiner Getreidehändler Christian Linden (später von Linden) von Karl XII. das Lehen Broock sowie die Lehen Hohenbüssow, Buchholz, Siedenbüssow und Tellin. Besitznachfolger wurde Christians Sohn Karl, der eine geb. von Schwerin aus Schwerinsburg zur Gattin hatte. Deren Spross Christian Bogislaw war preußischer General. Er stellte seine soldatischen Fähigkeiten vor allem während des Siebenjährigen Krieges unter Beweis. Außerdem ließ er sich in Broock ein aufwändiges Herrenhaus errichten, das, im Barockstil aufgeführt, zu den größten Adelssitzen im damaligen Altvorpommern gehörte. 1785 starb die Familie von Linden aus (siehe hierzu auch die Beiträge „Tützpatz“ und „Wietzow“). Damit fiel deren Besitz an die Familie von Heyden, die sich fortan von Heyden-Linden nannte und ihren Stammsitz bis 1945 in Tützpatz hatte.
Nach seiner Eheschließung mit Emilie von Gentzkow, deren Familie seit 1808 das Gut besaß, gelangte Broock 1840 im Erbgang in die Hand von Carl Franz Alexander Reichsfreiherr von Seckendorff. Dieser ließ das von Linden'sche Haus später durch den Baumeister Friedrich August Stüler (1800–1865) im damals zeitgemäßen Tudorstil umgestalten. Dabei wurde das barocke Mansarddach zu Gunsten eines aufgestockten Halbgeschosses aufgegeben und durch ein Walmdach ersetzt.[2] Das auf uns überkommene Gebäude (bei 17 × 6 Achsen ca. 54 × 19 Meter, eingewölbtes Souterrain, zweieinhalbgeschossig, Halbgeschoss funktional mit dem Dachboden verbunden, in Traufhöhe umlaufender Zinnenkranz, Gebäude- und Risalitecken mit fialartigen Türmchen versehen) verfügt an den Längsseiten über je einen Mittelrisalit. Das hof- beziehungsweise ostseitige Exemplar der beiden (drei Achsen, dreigeschossig, Rundbogenfenster mit gotischem Maßwerk, Portal etwas nach hinten versetzt, zwei fialartige Ecktürmchen, oberer Abschluss durch Zinnenattika, tangierende Auffahrtsrampe) entspricht in etwa dem parkseitigen Gegenstück, nur dass dieses vor dem Portal mit einer überdachten Terrasse (ist mit zwei einläufigen Freitreppen versehen) aufwarten kann. Erwähnenswert ist darüber hinaus der halb zertrümmerte Wintergarten, in seiner ursprünglichen Form ein typischer Modebau aus dem 19. Jahrhundert, an der südlichen Schmalseite. Das hochaufragende Walmdach und die meisten übrigen Gebäudebereiche wiesen bereits 1995 erhebliche Schäden auf. Nicht viel besser war es zu der Zeit um die Stallgebäude und die angrenzende Parkanlage bestellt, von der berichtet wird, dass sie auf einen von Peter Joseph Lenné erstellten Projektplan zurückgeht, der bei seiner Umsetzung in die Landschaft allerdings einige Abstriche in Kauf nehmen musste.[3]
Die Herren von Seckendorff, denen das Gut bis nach dem Ersten Weltkrieg gehörte, waren bedeutende Pferdezüchter, zumal ihr Broocker Gestüt im 19. Jahrhundert zu den führenden Zuchtstationen Pommerns zählte (siehe hierzu Beitrag „Labes-Landgestüt“), in dem die Aufzucht von Arabern einen hohen Stellenwert innehatte.[4] Der sogenannte Hans Baron von Seckendorff ließ zwischen den beiden Weltkriegen fast sein gesamtes Gutsareal einzäunen, um als passionierter Weidmann das Wild im Revier zu halten. Dieser volkstümliche Gutsherr war ein unverheirateter Lebemann, der sich vor allem in Berlin schadlos hielt. Zu seinen Herzensdamen gehörte unter anderem die damals sehr populäre Kunstfliegerin Elly Beinhorn (1907–2007). Vor dem Zweiten Weltkrieg schied der Baron freiwillig aus dem Leben. Seine Ruhestätte befindet sich jedoch nicht auf dem Broocker Friedhof, oder auf dem in Hohenbüssow, sondern sie liegt an einer seiner Pirschrouten unter schattigen Waldbäumen.[5]
Über die nachfolgenden Inhaber des Gutes und die letzten Jahre während der Zeit des Nationalsozialismus im Ort berichtet Hubertus Neuschäffer: „Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 befand sich der ungefähr 700 Hektar umfassende Besitz in der Hand der Erbengemeinschaft von Seckendorff. Das Herrenhaus wurde im Jahre 1944 durch den zuständigen Landrat beschlagnahmt. Das Botanische Institut und das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Greifswald sollten das Herrenhaus als ,Ausweichstelle’ erhalten.“[6]
Zur avisierten Inbesitznahme durch die Greifswalder Institute kam es freilich nicht mehr. Dafür zogen im Frühjahr 1945 und in den Folgemonaten über ein Dutzend Flüchtlingsfamilien aus den Vertreibungsgebieten im Osten des Deutschen Reiches in das Haus, das 1974 in den Besitz des VEB Kranbau Eberswalde überging. Neben den neuen Einliegern aus dem Osten beherbergten die ehemals herrschaftlichen Gemächer, Zimmer und Säle noch eine Schule, eine Arztpraxis und eine Konsumverkaufsstelle. Leider tat der Eberswalder Kranbaubetrieb nur wenig für den Erhalt seines in die Jahre gekommenen „Schlosses“, sodass in ihm noch vor dem Berliner Mauerfall sämtliche Lichter ausgingen und es ins ruinöse Abseits geriet.[7]
Nach 1990 gelangte der ehemals volkseigene Kranbaubetrieb mit seinem Broocker Herrenhaus über die Treuhand an die Bremer Vulkan AG. Als diese nun ihrerseits 1996 Konkurs anmeldete, wurde das Haus versteigert. Den Zuschlag erhielt Dr.-Ing. Hans Rittinghausen, der eine erste Teilsanierung in die Wege leitete.[8] Die 1998 begonnenen Sanierungsarbeiten gerieten jedoch nach zwei Jahren ins Stocken, da sich der äußerst desolate Bau trotz aller Bemühungen und Anstrengungen als ein „Fass ohne Boden“ erwies. Im Juni 2009 klaffte im Dach ein großes Loch (an zentraler Stelle) und einige Zwischendecken waren eingestürzt, sodass man vom Parterre aus über dem First den freien Himmel sah. Bei einem Besuch im August 2014 waren die Schäden an der Ruine unübersehbar.[9] 2016 erfolgte der Verkauf von Schloss, Gutshof und Park an die Schloss Broock GmbH & Co. KG, vertreten durch Monika und Stefan Klinkenberg, die hier ein Kultur- und Veranstaltungszentrum errichten wollen, das bis 2024 fertiggestellt werden sollte, jedoch nach jetzigem Stand (2026) trotz gewaltiger Baufortschritte weiterhin auf sich warten lässt.[10]
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[1] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 44f.
[2] Ebd., S. 45 sowie Angaben Dr. Sabine Bock und Herrn Heinz-Gerhard Quadt zur Baugeschichte der Schlösser Broock und Kartlow vom 27. Juni 2009 (vor Ort)
[3] Krauß, Neidhardt; Fischer, Egon: Unterwegs zu Burgen, Schlössern und Parkanlagen in Vorpommern, Rostock 1991, S. 106
[4] Angaben eines Broocker Bürgers zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses, 1.8.2014
[5] Angaben von Prof. Dr. Sabine Bock und Heinz-Gerhard Quadt zur Baugeschichte der Schlösser Broock und Kartlow vom 27. Juni 2009 (vor Ort) u. Angaben eines Broocker Bürgers zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses vom 1. August 2014
[6] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 45
[7] Ebd., S. 45 sowie Angaben eines Broocker Bürgers zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhausesvom 1. August 2014
[8] Heymann, Karin; Schleinert, Dirk: Schlösser und Herrenhäuser zwischen Peene, Tollense und Landgraben, in: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, XLII. Jg. (2004), Heft 1, S. 29 sowie Angaben eines Broocker Bürgers zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses, 1.8.2014
[9] Angaben eines Broocker Bürgers zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses vom 1. August 2014
[10] Schloss Broock – Die Geschichte, zuletzt abgerufen am 18. März 2026 unter URL: https://www.schlossgut-broock.de/geschichte/
- Broock, Schloss, Hof- bzw. Ostseite, August 2014; Foto: D. Schnell
- Broock, Schloss, Detail der Hofseite, Mai 2002; Foto: D. Schnell
- Broock, Schloss, Park bzw. Westseite, Juni 2009; Foto: D. Schnell
- Broock, Marstall, westliche Schmalseite, Juni 2009; Foto: D. Schnell
- Broock, Stallgebäude, Hof- bzw. Südseite, August 2014; Foto: D. Schnell
