Brönkow

Der Ort Brönkow liegt elf Kilometer westlich von Grimmen an einer neu ausgebauten Durchgangsstraße, sodass seine vormals abseitige Lage heute (2012) der Vergangenheit angehört.

Im 15. Jahrhundert geboten die Bonows über mehrere Orte zwischen Grimmen und Tribsees, darunter waren auch Turow und Brönkow.[1] Zu den Besitznachfolgern der Bonows auf dem hier in Rede stehenden Gemeinwesen zählten unter anderem die Lehnsleute des Andreas Buggenhagen (werden 1631 genannt),[2] ein Herr von Behr (tritt 1802 in Erscheinung, besaß neben Brönkow und Wendisch Baggendorf noch weitere Ortschaften im Umfeld),[3] Carl Holsten (wird 1862 erwähnt),[4] ein Herr Holsten (erscheint 1910 in den Quellen)[5] und die Familie Holsten (wird 1923 genannt).[6]

1910 verfügte das 625 Hektar große Gut über folgende Nutzflächen: 514 Hektar Acker, 46 Hektar Wiesen, 2 Hektar Hutungen und 63 Hektar Wald.[7]

Das Brönkower Herrenhaus besteht aus dem Hauptgebäude und dem an die Westecke angefügten Flügelgebäude. Das um 1850 errichtete Hauptgebäude (Streichrichtung Nordwest-Südost, ca. 31 x 17 Meter, Keller durchgehend eingewölbt) ist ein eingeschossiger, neunachsiger (ursprünglich elfachsiger) Bau mit Mittelrisalit auf seiner Hof- bzw. Südwestseite. Das hohe Mansarddach mit Schopf ist zu DDR-Zeiten aus- und umgebaut worden, etwa durch die zeittypische Wellasbestdeckung, die Entfernung der ursprünglichen Gauben und womöglich auch durch das Anbauen der beiden den zweigeschossigen Mittelrisalit flankierenden Schleppgauben. Obwohl die bauzeitliche Fassade im Original nicht mehr vorhanden ist und nur in vereinfachter Form neugestaltet wurde, werden vor allem der Mittelrisalit, aber auch die äußeren Achsen durch Pilaster gegliedert. Weiterhin werden die vier Gebäudeecken durch Säulen betont. Der Mittelrisalit des Hauptgebäudes verfügt über eine stärker betonte Mittelachse, flankiert von zwei schlankeren Achsen, die insgesamt einen Dreiecksgiebel mit Lünettenfenster tragen. Erschlossen wird der Haupttrakt durch eine Art Loggia. Das um 1900 errichtete Flügelgebäude (Streichrichtung Nordost-Südwest) war das Domizil des Gutsinspektors und ist gleichfalls ein eingeschossiger, unterkellerter Bau mit Mansarddach und betonendem Mittelrisalit an der Südostseite. Letzterer ist auch dreiachsig und verfügt über ein Lünettenfenster im Dreiecksgiebel, jedoch hat er weiterhin einen konkaven Standerker mit Dachterrasse. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich ähnlich gestaltetes Pendant dieses Risalits, allerdings nur einachsig. Auf der nordöstlichen Seite des Anbaus ist ein Portikus mit Freitreppe, welcher von einem Dreiecksgiebel überfangen wird.[8] In den ersten Jahren nach 1945 diente der alte Herrensitz vielen ehemals ostdeutschen Flüchtlingsfamilien als Wohnquartier. Später reduzierte sich deren Anzahl, sodass das Haus zwischenzeitlich auch als Standort eines Kindergartens und einer Schule genutzt werden konnte.[9]

In der 1990er Jahren fiel das Gebäude (ohne Flügel) durch Kauf an einen Eigentümer aus den alten Bundesländern. Dieser ließ nicht nur einen Teil des Dielenfußbodens herausreißen, sondern er nahm auch einige bescheidene Umbauarbeiten im Hausinneren vor. Den dabei anfallenden Bauschutt deponierte er im Gewölbekeller, ohne sich im Nachhinein um die Entsorgung seiner brüchigen Hinterlassenschaft zu kümmern. Seit 2010 gehört das im Kern noch leidlich erhaltene Gebäudeensemble (das Inspektorhaus war bis dahin noch bewohnt gewesen) einem neuen Investor.[10] Bis heute (2012) lässt die Sanierung des Doppelhauses auf sich warten.

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[1] Klempin, Robert; Kratz, Gustav: Matrikel und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV. bis in das XIX. Jahrhundert, Berlin 1863, S. 48

[2] Ebd., S. 315

[3] Ebd., S. 549

[4] Ebd., S. 603; siehe auch Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, Leyerhof 2008, S. 73

[5] o. A.: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Provinz Pommern, Berlin 1910

[6] Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, Leyerhof 2008, S. 73

[7] o. A.: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Provinz Pommern, Berlin 1910

[8] Angaben eines Brönkower Bürgers zur jüngeren Hiostorie des dortigen Herrenhauses vom 3. Oktober 2012

[9] Ebd.

[10] Ebd.

  1. Brönkow, Herrenhaus, Hof- bzw. Südseite, September 2012; Foto: D. Schnell
  2. Brönkow, Herrenhaus von Südosten, Oktober 2012; Foto: D. Schnell
  3. Brönkow, Stallgebäude von Osten, September 2012; Foto: D. Schnell