Breitenfeld (Dobropole)
An der von Freienwalde nach Daber führenden Landstraße 145 liegt auf halber Strecke der Ort Breitenfeld (Dobropole). Das dortige Gemeinwesen war ein altes Lehen der Familie von Dewitz, das vormals die Klempzen als Afterlehnsleute in Besitz gehabt hatten. Im Jahre 1648 trat Heinrich von Dewitz den Ort an seinen Sohn, den Hessen-Kassel'schen Hauptmann Curt von Dewitz, ab. Zu dessen Besitznachfolgern gehörten:
- die Witwe des Hauptmanns und einige Gläubiger (ab 1699),
- Frau von Pleß und Frau von Waldow (zu gleichen Teilen, vermählte Töchter der Witwe),
- Curt Christoph von Pleß (Sohn der Frau von Pleß, hatte auch den Anteil seiner Tante erworben, nach seinem Ableben geriet das Gut in Konkurs),
- der Geheimrat von Baer (brachte alle Rechte der Gläubiger an sich),
- die Witwe Baer geb. von Werder (bis 1755), der Kanonikus Lupold von Wedel auf Braunsfoth (von 1755 bis 1762),
- der neumärkische Regierungsrat Franz von Brünnow (ab 1762),
- die Kinder des Regierungsrats (bis 1802),
- der Hauptmann Gottfried Johann Christian von Kathen (von 1802 bis 1842),
- Ferdinand Friedrich von Schmalensee (von 1842 bis 1845),
- Johann Friedrich Engelbrecht (von 1845 bis 1855),
- die Witwe Ottonie von Veltheim geb. Gräfin von Veltheim auf Veltheimsburg im Kreise Neuhaldensleben (von 1855 bis nach 1872, wurde auf den Naugarder Kreistagen durch Gustav von Dewitz auf Farbezin vertreten),[1]
- Werner von Dewitz-Krebs (1911 erwähnt) und Paula von Wendorff (wird 1939 genannt).[2]
1939 verfügte das 976 Hektar große Rittergut über folgende Nutzflächen: 631 Hektar Acker und Gärten, 109 Hektar Wiesen, 26 Hektar Weiden und 180 Hektar Holzungen. Außerdem gebot der landwirtschaftliche Großbetrieb über nachstehenden Viehbesatz: 49 Pferde, 297 Stück Rindvieh und 533 Schafe.[3] 1945 wurden auch die Breitenfelder aus ihrer hinterpommerschen Heimat ausgewiesen.
Das 1913 errichtete Breitenfelder Herrenhaus (Streichrichtung Südost–Nordwest) ist ein zweigeschossiger Putzbau von sieben Achsen. Zwischen den flankierenden Eckrisaliten an der Nordostfront befinden sich ein säulengestützter Altan, der auf einer Terrasse mit Freitreppe und Balustraden ruht und drei Gauben auf dem Walmdach. An der Gegenseite steht ein mittig gelegener, unterkellerter Anbau, der teilweise sogar zweieinhalbgeschossig ist. Durch die Unterkellerung entsteht die Situation eines Hochparterres. Im Hausinnern befindet sich ein über zwei Geschosse reichender Festsaal mit balkensichtiger Decke. Verstärkt wird die festliche Wirkung des Raumes durch einen offenen Arkadengang mit darüberliegender Galerie.[4] Während das Haus im Jahre 1997 noch relativ gut erhalten war, ist das ehemals herrschaftlicher Gebäude bereits 2010 nichts weiter als eine ausgeschlachtete Ruine gewesen. Die Pläne eines aus den alten Bundesländern stammenden Herrn, aus dem noblen Haus, dass er erwarb, einen Hotelbetrieb zu schaffen, blieben unerfüllt.[5] Anstelle von Hotelgästen hält der Wildwuchs im Breitenfelder Herrenhaus Einzug. [6]
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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. V, Abth. 1, enthaltend die Eigenthumsortschaften der Stadt Stargard und vom Naugarder Kreise die erste Hälfte, Berli,n Wriezen an der Oder und Stargard an der Ihna 1872, S. 320f.
[2] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939
[4] Google Earth: Breitenfeld (Dobropole): Luftbild von 2011, Fotos von 2010, eingesehen im November 2012; vgl. auch die Angaben eines polnischen Bürgers aus Breitenfeld zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses vom 2. Mai 1997
[5] Angaben eines polnischen Bürgers aus Breitenfeld zur jüngeren Historie des dortigen Herrenhauses, 2.5.1997
[6] Google Earth: Breitenfeld (Dobropole): Luftbild von 2011, Fotos von 2010, eingesehen im November 2012
- Breitenfeld (Dobropole), Herrenhaus, Nordostseite, Mai 1997; Foto: D. Schnell
