Breechen
Der Ort Breechen – im Pomoranischen Bereg (das Ufer) genannt – liegt am nördlichen Peeneufer zwischen Gützkow und Jarmen. 1629 wird das Dorf als mit „4 Ganz- und 4 Halbhufen zum fürstlichen Domanio“ gehörig erwähnt. In jenem Jahr übertrug Herzog Bogislaw XIV. das Dorf seinem „Kammerjunker Viktor Horn zum Eigentum wegen der ihm geleisteten treuen Dienste“.[1] Zu dessen Besitznachfolgern gehörten:
- Arend Bonards Ehefrau und deren zwei Söhne (etwa ab 1632),
- die Familie Bonards (wohl bis Ende des 17. Jahrhunderts),
- einer oder mehrere nicht bekannte Eigner (bis 1708),
- der Rittmeister Normann (ab 1708),
- einer oder mehrere nicht bekannte Eigner (bis 1782),
- die Familie von der Hardt (wird 1782 genannt),
- ein Herr von Homeyer (von 1802 bis 1822),
- ein Herr Eggebrecht (von 1822 bis 1834),
- der Fabrikant Schmidt aus Wolgast (von 1834 bis 1856),
- die Witwe des verstorbenen Fabrikanten (von 1856 bis 1860),
- C. I. Schmidt (von 1860 bis wenigstens 1868, Sohn der Vorgenannten),[2]
- Ernst von Heyden (wird 1911 erwähnt)
- und Paul Denckmann (tritt 1939 in Erscheinung, war nach der Aufsiedlung der Besitzung Inhaber des 103 Hektar großen Resthofes).[3]
1911 verfügte das 266 Hektar umfassende Rittergut über folgende Nutzflächen: 194 Hektar Acker und Gärten, 68 Hektar Wiesen und vier Hektar Weiden. Außerdem gebot der landwirtschaftliche Großbetrieb über nachstehenden Viehbesatz: 30 Pferde, 100 Stück Rindvieh, 600 Schafe und 60 Schweine.[4]
Das dortige Herrenhaus (Putzbau, 7 × 3 Achsen, eingeschossig, an Hof- beziehungsweise Südostseite zweigeschossiger Dreiecksgiebel aus Fachwerk, desgleichen an Garten- beziehungsweise Gegenseite, hohes Satteldach, wohl kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtet) besitzt an der Nordecke einen kleinen in Richtung Nordwest streichenden Wohntrakt. An diesen schließt sich bei gleicher Ausrichtung ein zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude mit Flachdach an. Das heute (März 2014) leer stehende Herrenhaus und seine Anbauten werden schon seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt, obwohl sich ihr Erhaltungszustand noch auf einem annehmbaren Level befindet.
Der westlich des Hauses stockende Park war ursprünglich knapp vier Hektar groß. Allerdings ist sein gegenwärtig nicht sonderlich gepflegtes Areal durch den Bau der Bundestraßenumgehung und der Autobahn A 20 sowie eines Neusiedlergehöfts um gut die Hälfte verkleinert worden.
Auf dem westlich der Parkanlage anstehenden Grünland, also ganz in der Nähe der heutigen Autobahntrasse, hatten deren Gegner vor 1997 ein aus Hütten und Wohnwagen bestehendes Camp errichtet, um gegen die ihrer Meinung nach unnütze Baumaßnahme zu protestieren. Letztendlich aber waren alle Proteste vergebens und die Behelfsunterkünfte mussten der Planierraupe weichen.
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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch von Neu-Vorpommern und der Insel Rügen, IV. Th., Bd. II, Anklam und Stralsund 1868, S. 217
[2] Ebd., S. 217f.
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
[4] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
- Breechen, Herrenhaus, Hof- bzw. Südostseite, März 2014; Foto: D. Schnell
- Breechen, Herrenhaus, nordöstliche Schmalseite, März 2014; Foto: D. Schnell
- Breechen, Wohnhütten im Camp der Autobahngegner in Nähe des westlichen Parkrands, Juli 1997; Foto: D. Schnell
