Bornzin (Borzęcino)

Bornzin (Borzęcino) liegt 16 Kilometer südöstlich von Stolp an der Gabelung zweier Landstraßen, sodass man den Ort relativ gut erreichen kann.

Bereits im Jahre 1527 war das Gemeinwesen ein Puttkamersches Lehen. 1618 wird Michael von Puttkamer als Lehensträger für dieses Gut erwähnt. Knapp ein Jahrhundert später werden laut Hufenklassifikation für Bornzin genannt: „Besitzer: Michael von Puttkamer. Bauern à 1 Lh.: 1. Lorenz Gill, 2. Michael Noffsce, 3. Michael Gill, 4. Marten Gill, 5. Peter Albrecht. Cossäthen: 1. Daniel Cartzke, 2. Christian Gill.“[1]

Zu den weiteren Besitznachfolgern gehörten unter anderem:

  • Lorenz von Puttkamer (bis kurz vor 1739),
  • Kasimir von Baer (ab 1739, war mit der Witwe des Lorenz von Puttkamer vermählt),
  • nacheinander mehrere Vertreter derer von Baer (um 1800),
  • Ursin von Baer (bis 1834),
  • Ernst Ludwig von Schramm (von 1834 bis 1836),
  • die verwitwete Frau von Lewinski (ab 1836),
  • Franz Friedrich von Lewinski (bis 1841, Sohn der Witwe),
  • der Kreisdeputierte Wilhelm von Zitzewitz (von 1841 bis 1888, ehemals auf Krien gesessen, machte seinen Heimatort zum geistigen Mittelpunkt des Stolper Landes, betrieb astronomische und mineralogische Studien, holte den berühmten Zoologen Alfred Brehm mehrmals als Gast nach Bornzin),
  • eine Erbengemeinschaft aus der Familie von Zitzewitz (von 1888 bis 1892),
  • Günther von Zitzewitz (von 1892 bis 1898, Sohn des Kreisdeputierten, war vor seiner Inbesitznahme Bornzins Oberleutnant und erster Offizier der kleinen Königsjacht Grille),
  • Wilhelm von Zitzewitz (von 1900 bis 1927, Sohn des Vorgenannten, kaufte 1908 die Güter Klein Dübsow und Berghof hinzu)
  • und eine Wilhelm von Zitzewitz’sche Erbengemeinschaft (wird 1939 genannt, die Verwaltung des Gutes oblag der Witwe Henriette – auch Etta genannt – von Zitzewitz geb. van der Wyck).[2]

Im Jahre 1939 verfügte das Rittergut über einen Flächenumfang von 915 Hektar, davon waren 547 Hektar Acker und Gärten und 260 Hektar Holzungen. Außerdem wies der gutseigene Viehbestand folgende Stückzahlen auf: 55 Pferde, 174 Milchkühe und Stärken, 274 Schafe und 117 Schweine.[3] Als Anfang 1945 die ersten Trecks aus Ostpreußen in Pommern eintrafen und auf den Gütern Zuflucht suchten, zeigte Etta von Zitzewitz, aus welchem Holz sie geschnitzt war. Darüber lesen wir bei Karl-Heinz Pagel: „[…] war sie zugleich Hebamme, und sie leistete Erste Hilfe bei allen möglichen Unfällen. Im Schein einer Kerze verteilte sie Tag und Nacht warme Suppe und kümmerte sich um die Unterbringung von Hunderten obdachloser Menschen.“[4]

Am 7. März 1945 wurde Bornzin in aller Frühe vor der sich nähernden Front geräumt, doch schon am Abend desselben Tages fiel der Treck bei Panzerbeschuss in Besitznahme der Roten Armee.

Über die weiteren Geschehnisse in und um Bornzin lassen wir hier erneut Karl-Heinz Pagel zu Wort kommen: „Drei Personen aus dem Treck wurden an Ort und Stelle erschossen. Die Gemeinde Bornzin besetzten die Russen am 8. März. Sie verschleppten mehrere Dorfbewohner, von denen einige nach Tagen und Wochen zurückkehrten. Gutsbesitzerin Etta starb währen einer Diphtherie-Epidemie am 12. Dezember 1945. Man begrub sie in Bornziner Erde an der Seite ihres Mannes. Am 6. Juni 1946 bemächtigten sich die Polen des Dorfes und unterstellten es polnischer Verwaltung […] Mißhandlungen waren an der Tagesordnung […] Immerhin lebten in Bornzin 1957 noch 131 Personen deutscher Volkszugehörigkeit […] Kriegs- und Vertreibungsverluste: 34 Gefallene, 25 Ziviltote und 50 Vermißte.“[5]

Das auf uns überkommene Herrenhaus besteht aus dem Hauptgebäude und dem an die südöstliche Schmalseite angefügten Erweiterungstrakt. Das Hauptgebäude (13 × 3 Achsen, zweigeschossig, Souterrain, Walmdach, an Hof- beziehungsweise Südseite geschlossener Altan mit Freitreppe, ehemals Schiefereindeckung, gegenwärtiger Dachbelag aus Zinkblech) wurde1832 von Ursin von Baer in klassizistischen Formen errichtet und um 1841 durch Wilhelm von Zitzwitz weiter ausgebaut.

Der Erweiterungstrakt (3 × 3 Achsen, zweigeschossig, Souterrain, Flachdach, an Hofseite risalitartiger Eckturm, liegt mit dem Hauptgebäude auf einer Linie) wurde 1893 von Günther von Zitzewitz in die Lotrechte gebracht.[6] Zur PGR-Zeit wurde die klassizistische Putzfassade entfernt und durch einen grauen Kratzputz ersetzt. Außerdem erhielt das Dach, wie hier bereits anfangs genannt, einen neuen Zinkblechbelag. Nachdem das verwohnte Haus Ende der 1990er-Jahre von den letzten Einliegern verlassen worden war, gelangte es nur wenig später mit dem angrenzenden Park (ca. fünf Hektar) in private Hände. Seither erstrahlen das langgestreckte Gebäude und sein Umfeld wieder in neuem Glanz. Allerdings blieben bei der Rekonstruktion des Hauses die ursprünglichen Fensterbedachungen und Gesimse unberücksichtigt. Außerdem wurde der PGR-zeitliche Dachbelag beibehalten.

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[1] Pagel, Karl-Heinz: Der Landkreis Stolp in Pommern, Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit, hrsg. im Auftrag der Heimatkreise Stadt Stolp und Landkreis Stolp e. V., Lübeck 1989, S. 403

[2] Ebd., S. 404f. sowie Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[4] Pagel, Karl-Heinz: Der Landkreis Stolp in Pommern, Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit, hrsg. im Auftrag der Heimatkreise Stadt Stolp und Landkreis Stolp e. V., Lübeck 1989, S. 406

[5] Ebd., S. 406f.

[6] Ebd., S. 404f. sowie Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 63

Bornzin (Borzęcino), Herrenhaus, Hof- bzw. Südseite, April 2009; Foto: D. Schnell