Bömitz
Bömitz liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Anklam und Wolgast. Erstmals namhaft gemacht wird der Ort im Jahre 1460 anlässlich der von Marten und Drews Kedinge (dortige Grundherrn) veranlassten Verschreibung einer jährlichen Rente an den Greifswalder Domherrn Heinrich Nake.[1] Zu den weiteren Inhabern des Ortes gehörten später unter anderem:
- die Klemptzen (wenigsten bis 1599),
- die Stedinge (nach 1599),
- der Vizepräsident des Wismarer Tribunals, Joachim Rüdiger von Owstin (um 1660),
- der Rittmeister Heinrich Christian von Horn (wird 1697 genannt),
- ein Pächter (erscheint 1729 in den Annalen, es wird angenommen, dass die Feldflur des Ortes zwischenzeitlich in Gänze oder zum Teil unbewirtschaftet geblieben war),
- der Besitzer von Groß Bünzow (etwa von 1739 bis 1750),[2]
- der Hauptmann Hermann Christoph von Hertell (ab 1750, wurde 1751 in die schwedische Ritterschaftsmatrikel aufgenommen),
- ein Herr von Blankerhahn (bis 1802),
- ein Herr von Zansen (bis 1818),
- Johann Jacob Finelius (von 1818 bis wenigstens 1867, Pächter war zu der Zeit der Sohn des Vorgenannten, Friedrich Finelius),[3]
- Erich Siegel (ab 1907, Kaufpreis 360.000 Mark), der Besitzer einer Lederfabrik in Frankfurt am Main,
- ein Dr. Grunert (bis 1924)
- und die Pommersche Landgesellschaft (ab 1924, sie zeichnete für die Aufsiedlung des 438 Hektar großen Gutes Bömitz verantwortlich).[4]
Der aus der Aufsiedlung hervorgegangene Resthof (Stelle 6b, 103 Hektar) gehörte 1939 dem Hauptabteilungsleiter der Landesbauernschaft Pommern, Heinrich Pehle,[5] wogegen das Herrenhaus und der Park ab 1929 dem Landkreis Greifswald unterstanden. Dieser „beauftragte Herrn Julius Bröckel damit, im Gebäude ein Altenheim einzurichten, welches 1930 als Teil der Diakonie Bethel (mit Muttersitz in Magdeburg) eröffnet wurde“.[6] Infolge des Zweiten Weltkrieges musste das Heim ab 1945 auch einige Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches aufnehmen. [7] 1952 verließ die Familie Bröckel bei Nacht und Nebel ihre Bömitzer Wirkungsstätte in Richtung Westen, um nicht in die „Aktion Rose“ verwickelt zu werden. Aus der Bröckelschen Anstalt wurde nachfolgend ein Alten- und Pflegeheim, das seine Tore jedoch 1987 für immer schließen musste.[8] Noch im selben Jahr gelangte das sogenannte "Schloss" in den Besitz des VEB Elektrotechnik Berlin. Die ins Auge gefasste Absicht der Berliner, das marode gewordene Gebäude nach einer vorgesehenen Grunderneuerung in ein Ferienheim umzugestalten, wurde nie umgesetzt, sodass sich der schleichende Verfall am Mauer- und Balkenwerk fortsetzte. 1994 fiel die Immobilie durch Kauf an Adelheid Neumann und Sean Backmann (letzterer hatte vorher, wie übrigens der Erwerber von Klevenow auch, mehrere Jahre in Kanada verbracht, er starb 2001).[9] Unter der Ägide der Neu-Bömitzer wurde der alte Adelssitz umfassend saniert und zu einem Landhotel ausgebaut.
Im Jahre 2006 übernahmen Nicola und Lorenz Flierl von Adelheid Neumann das Anwesen.[10] Dank ihres großen Engagements erstrahlen sowohl das Herrenhaus (unter dem Logo „Romantikhotel Rittergut Bömitz") als auch der Park heute (2012) wieder in neuem Glanz.
Das U-förmig gespreizte Herrenhaus besteht aus drei Trakten.
Der zentrale Haupttrakt (Streichrichtung Ost–West, zwölf Achsen, eingeschossig) ist ein stattlicher Bau mit hohem Walmdach. Die Hof- bzw. Südseite ist geprägt von einem dreiachsigen Zwerchhaus, dass die Eingangssituation bildet. Hier ist das Dach sogar zu einem Fachwerk-Vollgeschoss ausgebaut worden. Das Zwerchhaus, gegliedert in Veranda, Dachgarten und Giebelfeld, verfügt über ein eindrucksvolles Portal, dass von gekuppelten Säulen flankiert und einem repräsentativen Gebälk bekrönt wird. Im Sturz oberhalb des Eingangs findet sich die Jahreszahl „1750“. Auf dem Fries des Gebälks die Jahreszahl „1994“. Im Dreiecksgiebel befindet sich ein Lünettenfenster. Die eingeschossige Nordseite des Haupttraktes wird von der gewaltigen Dachfläche und den dazugehörigen Fledermausgauben dominiert. Über eine hölzerne Veranda ist die Gartenseite zu betreten. Der Trakt ist in Form eines T-förmigen Ganges unterkellert, wobei dessen Westende mit Halbtonne und der übrige Bereich mit Flachdecke ausgestattet ist. Der östliche Gangabschnitt unter dem Festsaal wurde nach 1994 zugeschüttet. Im Inneren befindet sich bis in die obere Etage ein reich gestaltetes Vestibül und darin ein Treppenaufgang mit Galerie und separatem Kellerzugang.
Richtung Süden schließen sich die beiden flankierenden Flügel an (je Vertreter: ca. 20 × 9,5 Meter, zweigeschossig, in Fachwerk). Die das Hauptgebäude kontaktierenden Flügel (über Eck) sind an ihren nördlichen Schmalseiten auch räumlich durch je einen kurzen L-förmigen Zwischenbau (zweigeschossig, Obergeschoss in Fachwerk) mit dem Mitteltrakt verbunden. Die drei Erdgeschossachsen der nordwestlichen Verbindung werden feldseitig von vier toskanischen Säulen flankiert, die große Ähnlichkeit mit den Exemplaren an der Hofseite haben.
Das 1750 errichtete Hauptgebäude (ursprünglich nur acht Achsen) wurde gemäß Vorortbefund um 1850 auf seine heutige Länge gebracht, sodass es hofseitig bis an die Fachwerkflügel (ehemals Wirtschaftsgebäude oder Ställe aus dem 18. Jahrhundert) reicht. Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dürfte überdies das Zwerchhaus des Hauptgebäudes mit seinem Lünettenfenster im Frontispiz stammen. Ob dieser zweiten Bauphase auch alle Säulen und die unmittelbar angrenzenden Mauerbereiche angehören, bleibt hier allerdings dahingestellt, da es noch eine dritte Bauphase gab, während der bis 1930 die räumliche Verbindung zwischen dem Hauptgebäude und den Flügeln hergestellt wurde.[11] Außerdem scheint in der Zwischenkriegszeit auch der feldseitige Anbau (mit Dachgarten) des Ostflügels aufgeführt worden zu sein.
Der hinter dem Haus gelegene Park ist etwa 1,5 Hektar groß. In der vorbildlich gepflegten Anlage haben im terrassenförmig gestalteten Nordwestteil drei nennenswerte Baulichkeiten ihren Platz:
- Ein offener hölzerner Glockenstuhl (wurde von den Bömitzer Neubauern und dem Heim finanziert, drei Stuhlfelder, darin je eine große Glocke aus der Apoldaer Eisengießerei; das 1936 erworbene Geläut blieb nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor dem Einschmelzen verschont; die hölzernen Fundamentbalken 1961/62 von der LPG-Schlosserei aus Stabilisierungsgründen durch Eisenträger ersetzt), der 1987 beinahe "aus Eigennutz" von seinem Parkstandort entfernt worden wäre.[12] Darüber berichtet uns die am Glockenstuhl angebrachte Hinweistafel: „Im gleichen Jahr rückte bereits der damalige Kreisverantwortliche Dr. Sack mit Handwerkern an, um still und heimlich den Bömitzer Glockenstuhl abzubauen und an anderer Stelle des Kreises Anklam wieder zu errichten. Durch den mutigen persönlichen Einsatz dreier Bömitzer, Frau Ursula Pagel, Frau Hannelore Klagge (†) und Herrn Franz Rieck (†), konnte dieses Vorhaben verhindert werden, und es wurde amtlich geklärt, dass das Dorf Bömitz einen Anspruch auf die Glocken hat.“[13] Zum Glück, kann man da nur sagen, denn einen Glockenstuhl im Gutspark gibt mit Ausnahme des Loissiner Exemplar (zwischen Ludwigsburg und Lubmin gelegen) kaum noch einmal in unserem Landstrich.
- Ein Eiskeller, der sich in Teehausnähe unter einem unscheinbaren grasbewachsenen Hügel verbirgt.
- Ein Teehaus (oktogonaler Fachwerkbau mit durchbrochener Dachhaube, vier Stabgitterfenstern und einer Doppelflügeltür – weist einen guten Erhaltungszustand auf), von dem zu berichten ist, dass es zu den wenigen noch erhaltenen Vorkriegsvertretern dieser Art in Vor- und Hinterpommern gehört.
Beachtenswert sind im Park überdies eine Freilichtbühne sowie mehrere starke Stieleichen und Linden von über fünf Metern Umfang. Außerdem fallen an der Straßenseite des Anwesens zwei bemalte eiserne Torpfosten und ein kunstvoll geformter Stabgitterzaun (steht auf einer Findlingsmauer) ins Auge.
–––
[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch von Neu-Vorpommern und der Insel Rügen, IV. Th., Bd. II, Anklam und Stralsund 1868, S. 1082
[2] Ebd., S. 1081f.; siehe auch Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 110 u. Erbauungsdatum des Herrenhauses über dem Hauptportal
[3] Berghaus, Heinrich: Landbuch von Neu-Vorpommern und der Insel Rügen, IV. Th., Bd. II, Anklam und Stralsund 1868, S. 181f.; siehe auch Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 110 u. Prospekt „Romantik-Hotel Rittergut Bömitz“, o. J. (eingesehen im September 2012)
[4] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 111; siehe auch o. A.: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Provinz Pommern, Berlin 1910
[5] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939
[6] Hinweistafel am Glockenstuhl im Bömitzer Gutspark, in Augenschein genommen im September 2012
[7] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 111
[8] Hinweistafel am Glockenstuhl im Bömitzer Gutspark, in Augenschein genommen im September 2012
[9] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 111; siehe auch o. A.: Chronik des Rittergutes Bömitz, Faltblatt von November 2009, eingesehen am 12. September 2012
[10] o. A.: Chronik des Rittergutes Bömitz, Faltblatt von November 2009, eingesehen am 12. September 2012; siehe auch Prospekt „Romantik-Hotel Rittergut Bömitz“, o. J. (eingesehen im September 2012)
[11] Angaben von Lorenz Flierl zur jüngeren Historie des Bömitzer Herrenhauses vom 12. September 2012
[12] Hinweistafel am Glockenstuhl im Bömitzer Gutspark, in Augenschein genommen im September 2012
[13] Ebd.
- Bömitz, Herrenhaus, Hof- bzw. Südseite, September 2012; Foto: D. Schnell
- Bömitz, Herrenhaus von Nordosten, September 2012; Foto: D. Schnell
- Bömitz, Herrenhaus von Nordwesten, September 2012; Foto: D. Schnell
- Bömitz, Glockenstuhl im Park von Südosten, September 2012; Foto: D. Schnell
- Bömitz, Teehaus im Park von Westen, September 2012; Foto: D. Schnell
- Bömitz, Herrenhaus, Vestibül, September 2012; Foto: D. Schnell
