Böck (Buk)

Böck (Buk) liegt etwa auf halbem Wege zwischen Cammin und Naugard. Zur deutschen Zeit verband eine Kleinbahnstrecke den Ort mit den umliegenden Gemeinden, sodass seine etwas abseitige Lage, bedingt durch den ins Hintertreffen geratenen Straßenanschluss, wieder etwas relativiert wurde.

Neben dem noch heute vorhandenen Herrenhaus existieren an der Peripherie des Ortes zwei alte Burgplätze der im 16. Jahrhundert von der Bildfläche verschwundenen Burgen A und B. Die Veste A und ihr Besitzer, der Ritter Nicolaus, werden erstmals 1225 namhaft gemacht. [1] Ob es sich bei dieser Wehranlage bereits um ein massives Mauergeviert handelte, bleibt jedoch fraglich, vielmehr ist anzunehmen, dass die Burg aus einem umwallten Holz-Erde-Bauwerk bestand, an dessen Stelle nur wenig später ein massiver Steinbau trat. Der oben genannte Ritter Nicolaus war laut Hubertus Neuschäffer der erste Vertreter der schlossgesessenen Familie Flemming in Hinterpommern, zumal Böck A zu den Flemming'schen Hauptburgen gehörte, auf die die Familie ihre Schlossgesessenheit östlich der Oder zurückführt.[2]

Um 1500 wurden die unterschiedlichen Flemming'schen Besitzverhältnisse auf Böck mittels Erbvergleich neu geregelt. Der Vergleich enthält nach Günther Harder unter anderem folgende Beschreibung der Burg A: "Tor mit Torhaus u. Torturm, das dem Tor gegenüber an der Rückseite des Hofes gelegene ,Slat’, ferner Mauern, Zäune, Brücken und Gräben, die sämtlich zur Wiederherstellung des wehrhaften Zustandes der Burg wieder instandgesetzt werden sollen.“[3]

Um 1550 verlor die Burg an Bedeutung. Ihre letzte Erwähnung als das „alte Schloss und gemeine Haus von Böcken […]“ erfolgte 1587.[4] Der heute mit Bäumen bewachsene Burgstandort liegt am südöstlichen Dorfrand in einer verbuschten Wiesenniederung. Man erreicht ihn vom Böcker Herrenhaus aus nach etwa 300 Metern Fußmarsch. Die zwar lange, aber nicht sehr breite Anlage besteht aus dem etwa sechs Meter hohen Burgberg (Nord-Süd-Ausdehnung des bebaut gewesenen Plateaus 35 Meter, Ost-West-Ausdehnung 25 Meter, Reste von Feld- und Ziegelsteinmauern noch sichtbar), dem sich südlich anschließenden Vorburgterrain (ca. einen Meter hoch, Ost-West-Ausdehnung 36 Meter, Nord-Süd-Ausdehnung 25 Meter, spärliche Feldsteinmauerreste an den Plateaurändern erhalten geblieben, von der Hauptburg durch Graben geschieden) und zwei hintereinander liegenden Abschnittswällen an der Nordflanke der Hauptburg. Beide Wälle sowie die übrigen Befestigungsabschnitte wurden ehemals von einem etwa acht Meter breiten Wasserlauf umgeben, von dem gegenwärtig (August 2005) nur noch geringe Restebestände auf uns überkommen sind.

Der Standort der Burg B liegt nördlich der alten Dorfstraße neben dem ehemaligen deutschen Friedhof. Auf ihm lassen lediglich einige unscheinbare Grabsteinfragmente darauf schließen, dass es sich bei der heutigen Wald- und Gebüschfläche um den einstigen Gottesacker des Dorfes handelt. Das alte Burgareal ist von quadratischer Gestalt (Seitenlänge etwa 40 Meter). Sein nur 1,5 Meter hohes Plateau wird an der Südflanke durch einen separaten Graben und Abschnittswall geschützt. Danach folgt der äußere Ringgraben, dessen trockengefallener Lauf den gesamten Standort der untergegangenen Veste umschließt. Auf der oben genannten Hochfläche haben mehrere Fundamentreste und Ziegelschutt eines ehemals wohl Festen Hauses von L-förmiger Gestalt (längste Außenseiten 25 beziehungsweise 20 Meter) die Zeiten überdauert. 1308 befand sich die Burg B in der Hand der Familie Plötz, doch schon ein Jahrhundert später gelangte sie mit dem dazugehörigen Anteilsbesitz an einen Vertreter der Familie von Flemming.[5]

Neben den beiden Burgplätzen gab es im Ort bis 1945 noch das Herrenhaus von Böck C (zweigeschossiger Fachwerkbau auf hohem Sockelgeschoss, L-förmiger Grundriß, 1696 errichtet), in dem zwischen den beiden Weltkriegen die Gutsverwaltung ihren Sitz hatte. Der architektonisch interessante Bau wurde nach dem Einmarsch der Roten Armee in Brand gesteckt und nachfolgend nicht wieder aufgebaut.[6]

Um 1600 begann Richard von Flemming östlich des Friedhofes mit dem Bau des auf uns überkommenen Herrenhauses, das in den folgenden Jahrzehnten vom Sohn des Bauherrn vollendet und erweitert wurde. Das an Stelle eines vormaligen Brandhauses errichtete "Schlösschen" ist ein unterkellertes zweigeschossiges Gebäude (Streichrichtung Südwest–Nordost, 7 × 4 Achsen, Hausecken und Portalbereich gequadert). Im Jahre 1758 verfügte es neben dem nordöstlichen Küchentrakt (bis heute vorhanden, mit dem Herrenhaus ehemals durch einen tonnengewölbten Gang verbunden, 4 × 3 Achsen, zweigeschossig, unterkellert, Mansarddach) noch über einen weiteren Anbau. Dieser südwestliche Flügel (Fachwerkverband über hohem Unterbau) wurde Mitte des 19. Jahrhunderts, weil dieser schon sehr desolat war, abgebrochen. Außerdem befanden sich in Gebäudenähe vormals ein Torhaus und einige Ställe, die mit dem sog. „Schlösschen“ den Schutz eines Ringgrabens genossen. Sowohl das Keller- als auch das Erdgeschoss des Hauses zeichnen sich durch mehrere Tonnen- und Spiegelgewölbe aus. Darüber hinaus ist der Treppenaufgang in der Vorhalle mit einem Kreuzgratgewölbe und einigen Rundfenstern versehen. Über dem auf Konsolen ruhenden Traufgesims erhebt sich ein hohes Mansarddach (seine jetzige Form ist ein Produkt des 18. Jahrhunderts), dessen ehemalige Schiefereindeckung vor geraumer Zeit durch einen neuen Zinkblechbelag ersetzt wurde. In Höhe des ersten Obergeschosses befindet sich in einem Blindfensterrahmen über dem Portal ein achteckiger Wappenstein der Familien von Flemming und von Mellin mit folgender Inschrift:

„ANNO 1683 IST DIESES HAUS GEBAUWET VON ERNST FRIEDRICH FLEMING
CHURFÜRSTLICHEN BRANDENBURGISCHEN CAMMERRAT IN HINTERPOMMERN
UND HAUPTMANN ZU BELGARDT AUF BÖKE MARTENTIN UND BENZ ERBHERR
ELSABE KATHARINA MELLIN SEINE EHELIEBSTE“[7]

Der hier in Rede stehende Stein, der bis Mitte des 19. Jahrhundert das alte Benzer Herrenhaus (ebenfalls in Flemmingschem Lehnsbesitz) zierte, wurde erst 1923 vom damaligen Böcker Besitzer am „Schlösschen“ angebracht, sodass sich seine Angaben zur Bauhistorie ausschließlich auf Benz beziehen.[8]

An der Nordostecke des Hauses erblicken wir in etwa drei Meter Abstand den bereits anfangs erwähnten Küchentrakt, der mit dem Hauptgebäude durch einen neuzeitlichen Flachbau verbunden ist. In den 1980er Jahren wurden beide Häuser mit finanzieller Unterstützung einer deutsch-polnischen Stiftung in vorbildlicher Weise wieder instandgesetzt. Diese durchaus löbliche Baumaßnahme liegt ursächlich an der heutigen Nutzung der Gebäude durch die Pommersche Bücherei in Stettin, die dort wichtige Bestände ihrer umfangreichen Sammlungen deponiert hat.[9]

Während der Napoleonischen Zeit führte Julian von Flemming (1751–1838) auf Böck das Zepter. Als der alte Blücher nach seinen siegreichen Schlachten und verordneten Kuren in Karlsbad und Bad Doberan die Stätten seiner Jugend und Militärzeit besuchte, war er im Jahre 1816 auch Gast im „Schlösschen“. Nach Günther Harder gestaltete sich sein dortiger Aufenthalt folgendermaßen: „Über diesen Besuch erzählt man sich, dass man dort eifrig dem Spiel gehuldigt habe und als in einer Nacht, als sich die Hausfrau (Charlotte) schon zur Ruhe begeben hatte und dem Personal die Möglichkeit genommen war, die heruntergebrannten Lichter durch neue zu ersetzen, wohl auch keine aufzufinden waren, Blücher nach Gülzow geritten sei (sieben Kilometer) und neue Lichter gekauft habe. Danach habe man das Spiel mit den geduldig wartenden Mitspielern fortgesetzt.“[10]

Im Jahre 1939 bestand das Gut Böck aus den Teilen A, B und C, die insgesamt eine Fläche von 742 Hektar umfassten. Eigentümer des landwirtschaftlichen Großbetriebes war Graf Flemming-Schnatow.[11] Dieser verlor seinen Besitz im Frühjahr 1945 an die Rote Armee und später an den polnischen Staat. Auf Grund der polnischen Inbesitznahme aller Häuser und Höfe mussten die noch im Ort verbliebenen Böcker ihre Heimat verlassen.

Am 6. September 1994 machte das ehemalige Gutsdorf mit seinem dezimierten Gebäudebestand den Eindruck, als hätte man ihm das sprichwörtlich gewordene Wasser abgegraben. Davon ausgenommen blieb lediglich das neu renovierte Herrenhaus. Im Sommer des Jahres 2005 hatte sich das äußere Erscheinungsbild des Dorfes nur unwesentlich geändert. Aus den wenigen verstreut liegenden Häusern stach nach wie vor das Flemmingsche „Schlösschen“ hervor. Allerdings ist der alte Adelssitz ohne Ortskenntnis nur schwer zu erreichen, denn damals wie heute führen nach Böck nur ausgefahrene Feld- und Waldwege, die man ohne ausreichende Fahrpraxis lieber meiden sollte.

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[1] Hinz, Johannes: Pommern-Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Mannheim 1988, S. 61

[2] Bronisch, Gerhard; Ohle, Walter (Bearb.): Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Kammin Land, hrsg. v. Provinzialverband v. Pom. i. Auftr. d. Provinzialkonservators, Stettin 1939, S. 116 sowie Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 60

[3] Harder, Günter: Wo einst die Burgen standen, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 14/01, 7. April 2001, S. 11

[4] Bronisch, Gerhard; Ohle, Walter (Bearb.): Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Kammin Land, hrsg. v. Provinzialverband v. Pom. i. Auftr. d. Provinzialkonservators, Stettin 1939, S. 117

[5] Ebd., S. 116

[6] Hinz, Johannes: Pommern-Lexikon für alle, die Pommern lieben, Würzburg 1994, S. 61f. sowie Flemming-Benz, Hasso von: Der Kreis Cammin, ein pommersches Heimatbuch, Würzburg 1970, S. 365

[7] Bronisch, Gerhard; Ohle, Walter (Bearb.): Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Kammin Land, hrsg. v. Provinzialverband v. Pom. i. Auftr. d. Provinzialkonservators, Stettin 1939, S. 117

[8] Flemming-Benz, Hasso von: Der Kreis Cammin, ein pommersches Heimatbuch, Würzburg 1970, S. 363

[9] Angaben von Haik Thomas Porada in Stettin zur jüngeren Historie des Herrenhauses Böck vom August 2002

[10] Harder, Günter: Marschall Vorwärts, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 33/01, 18.8.2001, S. 16

[11] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 61

  1. Böck (Buk), Herrenhaus von Südosten, September 1994; Foto: D. Schnell
  2. Böck (Buk), Herrenhaus von Osten, September 1994; Foto: D. Schnell
  3. Böck (Buk), Herrenhaus, Hauptgebäude bzw. Schlösschen, Wappenstein der Familie von Flemming an der Südostseite, September 1994; Foto: D. Schnell