Blumberg

Ungefähr auf halber Strecke zwischen Penkun und Schwedt reckt sich der barocke Kirchturm des Dorfes Blumberg in den Himmel. Aus diesem Gemeinwesen an der uckermärkischen Grenze soll die ritterschaftliche Familie von Randow stammen.[1] Der Name des Kreises Randow, der das westliche und südliche Umland von Stettin bis zur Oder umfasste, bezieht sich auf das gleichnamige Flüsschen, das Pommern an seiner Südwestgrenze von der Uckermark trennt.

Zur Zeit König Friedrichs II. von Preußen war Blumberg ein Lehngut der Familie von Sydow. 1763 veräußerte der Landesdirektor Carl Friedrich von Sydow den Besitz an seinen Schwiegersohn Heinrich Carl von der Osten aus dem Hause Plüggentin-Penkun. Unter dessen Herrschaft wurde das Gut 1781 ein Allod. Zu den weiteren Besitznachfolgern auf Blumberg und den Vorwerken Carlsburg und Hammelstall gehörten

  • Heinrich Carl von der Osten (von 1792 bis 1849, Sohn des Vorgenannten),
  • Heinrich Ludwig Bernhard Florentin von der Osten (ab 1849, Sohn des Vorbesitzers),
  • Alexander von der Osten (bis 1898, Heinrich Ludwigs Sohn),
  • Friedrich Wilhelm von der Osten auf Schloss Penkun (von 1898 bis 1918, jüngerer Bruder des Vorgenannten)
  • und Dr. Henning von der Osten (von 1918 bis 1945, Friedrich Wilhelms Sohn).[2]

Das 2500 Hektar große Gut wurde 1945 enteignet. Sein letzter Besitzer, der oben genannte Dr. Henning von der Osten, verstarb 1954 in der Bundesrepublik Deutschland. Blumberg gehörte – gemessen am Grundsteuerreinertrag und Einheitswert – zu den drei ertragreichsten Gütern Pommerns. Nach 1945 gab man das dortige „Junkerland“ aber nicht in Bauernhand, sondern man überführte es in ein Volkseigenes Gut (VEG), das bis zur deutschen Einheit der größte Arbeitgeber im Ort war.[3]

Das Blumberger Herrenhaus wurde um 1800 von Heinrich Carl von der Osten errichtet.[4] Der U-förmige Hauskomplex besteht aus dem Hauptgebäude (Streichrichtung Nord–Süd, zweigeschossig, neun Achsen, unterkellert, Krüppelwalmdach), zwei das Hauptgebäude in symmetrischer Anordnung verlängernde Seitentrakte (je Exemplar: acht Achsen, eingeschossig, unterkellert, Walmdach, liegt mit dem Corps de Logis auf einer Linie) und zwei Flügeln, die einen nach Westen hin offenen Ehrenhof umschließen. Die oben genannten Flügel streichen in Westverlängerung der Seitentraktschmalseiten. Sie bestehen aus zwei gleichartigen Galerietrakten (pro Stück: zwölf Achsen, eingeschossig, Satteldach) und zwei identischen Pavillongebäuden (je Vertreter: 4 × 3 Achsen, zweigeschossig, Zeltdach mit zentralem Schornsteinkopf). Sowohl beim Hauptgebäude als auch bei den Trakten und Flügeln besteht das Sockelgeschoss, das beim Nordflügel nordseitig als Vollgeschoss in Erscheinung tritt, aus gespaltenen Feldsteinen.

Im südlichen Galerietrakt nimmt ein langer Festsaal (sieben Achsen) die gesamte Flügelbreite ein (ca. zehn Meter). Außerdem weist der Saal eine halbtonnenförmige Putzdecke auf, die um wenigstens anderthalb Meter in den Dachstuhl hineinragt.

Zu DDR-Zeiten waren im Haus unter anderem die Leitung des VEG und eine Gaststätte untergebracht. Im Jahre 2004 hatten sich alle Einlieger aus dem großen Gebäudekomplex verabschiedet, jedenfalls konnte der Verfasser dort keine Anzeichen derselben mehr ausmachen. In Nutzung stand hingegen noch der große Festsaal als Kultur- und Versammlungsraum des Ortes Blumberg. Angeblich soll das Haus wenig später von den Enkeln des enteigneten Alteigentümers erworben worden sein.[5] Spätestens seit 1996/1997 befand sich das Gut wieder im Familienbesitz der Brüder v. der Osten.[6]

Auf dem ehemaligen Gutshof waren nach der Jahrtausendwende noch mehrere funktionslos gewordene Ställe aus dem 19. Jahrhundert präsent, deren Mauerwerk in Gänze aus gespaltenen Feldsteinen besteht. Erhalten hatten sich überdies ein altes Brennereigebäude und sein baumhoher Schlot. Auch dieser gutstypische Indurtriebau ist in der anfangs genannten Findlingsbauweise aufgeführt worden. Leider wiesen sowohl die Außenwände als auch das Dach der Brennerei schon erhebliche Schäden auf, sodass die Halbruine wohl bald für immer von der Bildfläche verschwunden sein wird.

Der südlich des Hauses stockende Park mit seinen gepflegten Rasenflächen und Gehölzbeständen wurde in den 1990er Jahren wiederhergestellt. Die nicht allzu große Anlage erstreckt sich über eine kleine Anhöhe, von der der Blick bis zu den Schornsteinspitzen der Schwedter Raffinerie reicht.

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[1] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 34

[2] Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 80f.

[3] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 35

[4] Ebd., S. 35

[5] Angaben eines Grünzer Bürgers zur jüngeren Historie des Schlosses Penkun und der Herrensitze Radewitz und Blumberg vom 25. September 2006

[6] http://www.gutshof-blumberg.de/3.html

  1. Blumberg, Herrenhaus, Hof- bzw. Ostseite, März 2005; Foto: D. Schnell
  2. Blumberg, Herrenhaus, von Südosten, April 2001; Foto: D. Schnell
  3. Blumberg, altes Brennereigebäude von Nordwesten, Oktober 2004; Foto: D. Schnell