Blesewitz

Blesewitz liegt fünf Kilometer südwestlich von Anklam an der nach Spantekow führenden Landstraße. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 1365 als Blezewisse, das zu der Zeit der Familie von Lüskow gehörte. Diese war besitz- und lehnsrechtlich bis kurz vor 1800 mit Blesewitz verbunden. Genannt werden folgende Familienmitglieder:

  • Jakob von Lüskow und Hans Adolf von Lüskow (bis 1700),
  • Jakob Friedrich, Georg Christoph und Baltzer Erdmann von Lüskow sowie Christoph Dettlow und Paul Heinrich von Lüskow (von 1700 bis 1737, Söhne der beiden Vorbesitzer)
  • und der Hauptmann Jacob Albrecht von Lüskow (von 1737 bis 1751).

Zu dessen Besitznachfolgern zählten:

  • Johann Christian Müller (ab 1751, war Pfandbesitzer),
  • Franz Ludwig Müller (zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, war Pfandbesitzer und nachmaliger Pastor in Hohenmocker),
  • der Regierungsrat Andreas Kretschmer (von 1791 bis 1821, hatte die Lehnsrechte von den Töchtern des letzten von Lüskow, Jacob Albrecht, erworben, kam 1799 in den erblichen Besitz des schon vorher allodifizierten Gutes),
  • Albert Ferdinand Leopold Kolbe (von 1821 bis wenigstens 1865)[1],
  • ein Herr Kolbe (nach 1865),
  • der Major Ludwig Kolbe (bis 1933)
  • und Paul Kolbe (von 1933 bis 1945, wurde bei Kriegsende von Einwohnern versteckt, doch bald danach von Soldaten der Roten Armee aufgespürt und über das Lager Fünfeichen bei Neubrandenburg ins russische Kriegsgefangenenlager Walk im Süden Estlands deportiert, verstarb dort im Oktober 1947, Verwalter war Hans Jürgen Schnur).[2]

1939 verfügte das 865 Hektar umfassende Rittergut über folgende Nutzflächen: 532 Hektar Acker und Gärten, 100 Hektar Wiesen, 76 Hektar Weiden, 127 Hektar Holzungen und zwei Hektar Gewässer. Außerdem gebot der landwirtschaftliche Großbetrieb über nachstehenden Viehbesatz: 45 Pferde, 220 Stück Rindvieh, 750 Schafe und 200 Schweine.[3]

Das Herrenhaus ist von U-förmiger Gestalt mit einem nach Nordosten weisenden Zusatzflügel. Es besteht aus dem Hauptgebäude (Streichrichtung Südost–Nordwest, ca. 38 × 14 Meter, Nordosthälfte eingeschossig, diese angeblich noch aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts stammend, Südwesthälfte zweigeschossig, selbige nach 1835 durch Aufstockung entstanden) und zwei in Verlängerung der Schmalseiten des Hauptgebäudes in Richtung Südwest streichenden Flügeln (je Exemplar: 13 × 9 Meter, zweigeschossig, Schmalseite dreiecksübergiebelt) sowie dem oben genannte Zusatzflügel (ca. 21 × 12 Meter, eingeschossig, Satteldach mit Wellasbesteindeckung, an Südwestseite kleiner Anbau).[4]

Mit Ausnahme der Portaltür an der Hofseite wurden fast alle übrigen Türen und Fenster durch moderne stilwidrige Neuanfertigungen ersetzt. Überdies musste die historische Putzfassade zur LPG-Zeit einem glatten Mörtelbelag weichen, der jegliche Zierformen wie Sohlbänke und Verdachungen vermissen lässt. Heute (März 2014) steht das wohl der Gemeinde gehörende Herrenhaus leer, in dem die Gaststätte „Karin’s Landkrug“, ein nach 1990 eingerichteter Schankbetrieb, den Kampf ums Überleben verloren hat.

Der hinter dem alten Herrensitz gelegene Park von nur einem Hektar Umfang zeichnet sich wider Erwarten durch einen guten Pflegezustand aus.

Diese Feststellung gilt auch für den vorkriegszeitlichen Viehstall (elf Achsen, untere Hälfte des aufsteigenden Mauerwerks aus gespaltenen Feldsteinen, Fenster funktionsbedingt vermauert, Satteldach mit Wellasbesteindeckung) an der südöstlichen Hofseite. Im Unterschied dazu weist das weiter nordöstlich positionierte Wohn-Stall-Gebäude (13 × 2 Achsen, eingeschossig, Mauerwerk aus gespaltenen Feldsteinen, Satteldach, nicht mehr in Funktion) aus dem 19. Jahrhundert schon erste Verfallserscheinungen auf. Wesentlich arger sieht es dagegen mit der zur Ruine verkommenen Schnitterkaserne (13 Achsen, zwei- und dreigeschossig, backsteinsichtig) hinter der nördlichen Friedhofsgrenze aus. Das ist insofern sehr bedauerlich, als es sich bei dem Gebäude um das wohl größte Exemplar dieser Art in ganz Pommern handelt.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthumms Pommern, II. Th., Bd. I, enthaltend: die Kreise Demmin, Anklam, Usedom-Wollin und Ueckermünde, Anklam und Berlin 1865, S. 289f.; siehe auch Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 69

[2] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 69; siehe auch Grabplatte von Paul Kolbe auf dem Blesewitzer Friedhof und Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[4] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 69

  1. Blesewitz, Herrenhaus, Hof- bzw. Südwestseite, März 2014; Foto: D. Schnell
  2. Blesewitz, Herrenhaus von Westen, März 2014; Foto: D. Schnell
  3. Blesewitz, alter rekonstruierter Viehstall, März 2014; Foto: D. Schnell
  4. Blesewitz, altes Stall- und Wohngebäude, Nordwestseite, März 2014; Foto: D. Schnell
  5. Blesewitz, ruinöse Schnitterkaserne, März 2014; Foto: D. Schnell
  6. Blesewitz, Grabplatte der letzen Blesewitzer Gutsbesitzerfamilie, März 2014; Foto: D. Schnell