Blankensee (Płotno)

Blankensee (Płotno) liegt zehn Kilometer nördlich von Bernstein in Nähe der neumärkischen Grenze. Der Ort ist alter Besitz der Herren von Billerbeck, deren erster aktenkundig gemachter Lehnsbrief auf das Jahr 1540 datiert. Zu der Zeit und danach waren dort mehrere Mitglieder des oben genannten Geschlechts besitzrechtlich vertreten. Im Jahre 1750 unterstanden zwei Anteile der Witwe Floriane Elisabeth von Benkendorf geb. von Kerkow und ein Anteil lag in den Händen des Stettiner Kaufmanns Carl Ludwig Martine. Alle drei Stücke wurden noch im selben Jahr von Hans Ludwig von Billerbeck auf 25 Jahre erworben. Zudem erhielt er 1758 von seiner Gattin den Teil Billerbeck A. Zu den Besitznachfolgern des Hans Ludwig gehörten nach einem Konkursverfahren auf Billerbeck A:

  • die Majorin von Vormann (ab 1780)

und auf Blankensee:

  • der Major Bogislaw Ehrenreich Wilhelm von Stranz (von 1780 bis 1786),
  • Hans Carl Ludolf von Stranz (von 1786 bis 1789),
  • Carl Sigmund Andreas von Bornstedt (von 1789 bis 1794),
  • der Hauptmann Johann Abraham Gottlob von Knobelsdorff (ab 1794),
  • die Erben des Hauptmanns (bis 1795),
  • der Hauptmann Ernst David Ludwig von Wedel (von 1795 bis 1831),
  • die Witwe des Hauptmanns, eine geb. von Burghagen (von 1831 bis 1836),
  • Achaz Georg Heinrich von Wedel (von 1836 bis 1852, ältester Sohn der Witwe),
  • der Leutnant Ernst August von Wedel (von 1852 bis 1896),[1]
  • der Rittmeister a. D. Ewald von Wedel (1911 genannt)
  • und Bernd von Wedel (wenigstens von 1939 bis 1945).[2]


Über den anfangs erwähnten Leutnant berichtete Bernd von Wedel-Fürstensee nach Hubertus Neuschäffer Folgendes:

„Die Offiziere der Garnison waren damals den Berlinern meist bekannt, den langen Wedel (soll eine Körpergröße von zwei Metern gehabt haben, der Verf.) kannte in den 1840er Jahren jeder. Als Kavallerist ging er gern in den Zirkus. Als einmal ein Riese auftrat, wurde das Publikum unruhig: Das sei gar kein Riese; der lange Wedel sei viel größer, die beiden sollten sich einmal nebeneinander stellen. Aufgeregt kam der Zirkusdirektor zu meines Großvaters Loge, bot ihm Rückzahlung des Eintrittsgeldes an und bat ihn flehentlich, doch den Zirkus zu verlassen, damit nicht sein ganzes Geschäft verdorben werde. Unter lautem Hallo ist dann der lange Wedel aus dem Zirkus gegangen.“[3]

Auch über das Kriegsende im Ort lässt uns Bernd von Wedel-Fürstensee nicht im Unklaren:

„Der damalige Kreisleiter verbot 1945 das Trecken, sodass die Einwohner von Blankensee im Februar 1945 von den Russen überrollt wurden […]. Erst Ende 1945 gelangte meine Mutter unter unendlichen Mühen nach Berlin und von dort mit Hilfe des holländischen Roten Kreuzes nach Aumühle bei Hamburg. Den Lebensunterhalt für sich und die mit ihr geflüchtete Jungfer erwarb sie mit Schnitzen und Modellieren. Hilfe lehnte sie ab, sie brauchte nichts“.[4]

In Blankensee existieren ein Herrenhaus auf L-förmigem Grundriss und ein Verwalterhaus.

Das Herrenhaus besteht aus dem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichteten Alten Haus (Streichrichtung Nord–Süd, 13 × 3 Achsen, eingeschossig, Krüppelwalmdach mit PGR-zeitlicher Eindeckung) und einem um 1900 an den Altbau in Ostverlängerung der südlichen Schmalseite angefügten Flügel (6 × 2 Achsen, zweigeschossig, Keller mit Flachdecke, Sockel aus behauenen Feldsteinen, hohes Satteldach mit Gaubenbesatz). An der Hof- beziehungsweise Westseite des Alten Hauses ist ein kleiner dreiecksübergiebelter Altan von geringer Tiefe. An der nordöstlichen Schmalseite des Erweiterungsbaus ist ein zweistufiger Schweifgiebel, wobei auf jeder der beiden Giebelecken ein kleiner Obelisk steht. An der Südfront des Gebäudetraktes befindet sich ein Seitenrisalit, dessen Giebel ein Pendant des Vorgenannten ist. Im Eckbereich von Risalit und Längsseite ist eine Terrasse mit Freitreppe anzutreffen.

Das Verwalterhaus (Streichrichtung wie der Altbau, backsteinsichtig, 9 × 5 Achsen, anderthalbgeschossig, unterkellert, Kellersockel aus behauenen Findlingen, Satteldach, an der Hof- beziehungsweise Westseite zweigeschossiger Mittelrisalit, dieser dreiecksübergiebelt, noch relativ gut erhalten) wurde nach allem Dafürhalten im letzten Drittel des 19. Jahrhundert in die Lotrechte gebracht. Sowohl das Verwalterhaus als auch der vorgenannte Altbau und sein neuer Flügel sind heute (2012) ohne Funktion und stehen leer.

Die auf uns überkommenen Ökonomiegebäude aus deutscher Zeit (fünf Stück an der Zahl, in der Regel um 1870 errichtet) weisen dank ihrer äußert massiven Baustruktur (Mauerwerk überwiegend aus gespaltenen Feldsteinen) einen verhältnismäßig guten Erhaltungszustand auf. Die meisten von ihnen werden gegenwärtig von einem PGR-Nachfolgebetrieb genutzt.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. III, enthaltend die Kreise Greifenhagen und Pyritz, Anklam und Berlin 1868, S. 638f.; vgl. auch Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 57, nach diesem hieß der Leutnant nicht Ernst August, sondern Ernst Achaz von Wedel.

[2] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939; siehe auch Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 58

[3] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 57

[4] Ebd., S. 58

  1. Blankensee (Płotno), Altbau des Herrenhauses, Hof- bzw. Westseite, Oktober 2012; Foto: D. Schnell
  2. Blankensee (Płotno), neuer Flügel des Herrenhauses, Südseite, Oktober 2012; Foto: D. Schnell
  3. Blankensee (Płotno), neuer Flügel des Herrenhauses von Südosten, Oktober 2012; Foto: D. Schnell
  4. Blankensee (Płotno), Verwalterhaus, Westseite, Oktober 2012; Foto: D. Schnell
  5. Blankensee (Płotno), Stallgebäude von 1861 von Südosten, Oktober 2012; Foto: D. Schnell