Biziker (Biesiekierz)

Nähert man sich der heutigen Großstadt Köslin - auf der alten Reichsstraße 2 von Körlin her kommend – , so taucht einige Kilometer vor der Stadtgrenze zur rechten Hand eine aufgestelzte Kartoffel aus Metall und Kunststoff von enormer Größe auf. Dieses landwirtschaftliche Symbol nimmt Bezug auf den im Ort Biziker (Biesiekierz) praktizierten Kartoffelanbau, der dort zwischen den beiden Weltkriegen und danach in hoher Blüte stand.

Im 14. Jahrhundert gehörte ein Lehnsanteil an Biziker dem angesehenen Patriziergeschlecht der Holken aus Kolberg. Einen weiteren Anteil besaß die Adelsfamilie Kranksparn oder Kranksporn, die dem Wappen nach der Familie von Kleist zugeordnet werden kann, und das übrige Drittel soll sich im Besitz der Familie Kameke befunden haben. 1364 traten der Bürgermeister Vincent Holk und dessen Sohn Henning ihre Hufen in Biziker an die Stadt Kolberg ab. In ähnlicher Weise verfuhr 1373 auch Henning Kranksporn, der seinen Anteil dem Camminer Bischof Philipp von Rehberg übereignete. Die hier genannten drei Teilbesitzungen wurden später unter den Bezeichnungen Biziker A (gehörte den Heydebrecks der Parsow'schen Linie) sowie Biziker B und C (gehörten den Kamekes) geführt. Der Landrat Conrad Tessen von Heydebreck verpfändete Biziker A 1743 auf 21 Jahre wiederkäuflich an den Leutnant Adam Henning von Kameke. Da die Erben des Landrats den verpfändeten Teil nicht wieder einlösten, fiel dieser 1766 endgültig an den Militär, sodass Adam Henning nun über ganz Biziker verfügte. Zu den weiteren Besitzern des Rittergutes gehörten der Hauptmann Friedrich Wilhelm von Kameke (ab 1804), Otto Friedrich von Kameke (bis 1861), Otto Bonaventura von Kameke (ab 1861),[1] der Oberleutnant der Reserve Henning von Kameke (wird 1911 genannt, Größe des Rittergutes 675 Hektar) und Ewald Friedrich Graf von Herzberg (wird 1939 erwähnt).[2]

Im Frühjahr 1945 erreichte die Roten Armee Biziker. Danach stand das dortige Gut eine Zeit lang unter direkter Verwaltung des sowjetischen Militärs, um später in polnische Verwaltung überzugehen. Die Einwohner von Biziker mussten Haus und Hof verlassen, um westlich der Oder eine neue Heimat zu suchen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Kartoffelanbau- und -zuchtbetrieb in Biziker zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor im Kösliner Raum. Davon zeugen noch heute (Mitte 2010) die im Ort vorhandenen Lagerhallen und Wirtschaftsgebäude aus der Guts- und PGR-Zeit. Allerdings sind die meisten von ihnen nach 1990 funktionslos geworden und rotten vor sich hin.

Der auf uns überkommene Herrenhauskomplex ist von L-förmiger Gestalt. Sein in Richtung Nordwest–Südost streichendes Hauptgebäudes besteht aus dem Mitteltrakt (zweigeschossig, acht Achsen, Walmdach, je ein dreigeschossiger Mittelrisalit an der Hof- und an der Gartenseite), dem nordwestlichen Seitentrakt (quergestellt, 2 × 3 Achsen, Walmdach) und dem südöstlichen Turmanbau (zweites Obergeschoss in polygonaler Form, ebenso drittes Obergeschoss, dieses aber verjüngt und mit einem Helm geziert). Vom Turm aus zweigt in Hofrichtung, und zwar rechtwinklig zur Vorderfront des Hauptgebäudes, der Südwestflügel ab (eingeschossig, 7 × 3 Achsen, Krüppelwalmdach, Dachgauben). Durch ihn erhält das Haus die oben genannte L-förmige Grundrissform. Vor dem hofseitigen Mittelrisalit erweckt ein verandaartiger Massivbau mit Dachgarten unsere Aufmerksamkeit. Außerdem fallen an der Seite zur linken Hand des Risalits (vom Hof aus gesehen) zwei imposante Rundbogenfenster des Seitentrakts ins Auge. Nach allem Dafürhalten verbirgt sich hinter ihren Scheiben der zum obligatorischen Raumprogramm eines Herrenhauses gehörende Festsaal. Ob sich im zentralen Teil des Corps de Logis noch ein alter Baukern aus dem 18. Jahrhundert befindet, kann nur vermutet werden. Ansonsten scheint der Mitteltrakt zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet worden zu sein und seine An- und Erweiterungsbauten Ende des 19. Jahrhunderts aufgeführt worden sein. Die an das Haus grenzende Parkanlage ist ca. zwei Hektar groß. Ihr vormaliger Baumbestand hat sich im Wesentlichen bis nach der Jahrtausendwende erhalten.

Zur sozialistischen PGR-Zeit diente das einst herrschaftliche Gebäude dem dortigen Staatsgut als Verwaltungssitz. Nachdem der sozialistische Agrarbetrieb um 1990 seine Segel streichen musste, hatte das Haus als lokaler Verwaltungsstandort ausgedient. Der mit dem nachfolgenden Leerstand einhergehende Substanzverlust an den Trakten machte sich allerdings erst später in einer nicht mehr zu übersehenden Weise bemerkbar.

Gegenwärtig kann das sogenannte Schloss mit einem neuen Putz- und Dachbelag aufwarten, die vermuten lassen, dass sich der umfangreiche Gebäudekomplex nunmehr in privaten Händen befindet.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, III. Th., Bd. I, enthaltend die Kreise Fürstenthum Kamin und Belgard, Anklam und Berlin 1867, S. 304f.

[2] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939

  1. Biziker (Biesiekierz), Herrenhaus, Hof- bzw. Westseite, März 2006; Foto: D. Schnell
  2. Biziker (Biesiekierz), Stallgebäude von Süden, März 2006; Foto: D. Schnell
  3. Biziker (Biesiekierz), Kartoffeldenkmal, März 1995; Foto: D. Schnell