Billerbeck (Nadarzyn)

Billerbeck (Nadarzyn) liegt acht Kilometer südwestlich von Arnswalde. Der Name des Gemeinwesens geht auf die gleichlautende Besitzerfamilie zurück, die, ursprünglich in Niedersachsen ansässig gewesen, im 14. Jahrhundert, möglicherweise aber auch schon davor, nach Pommern kam. Über sie berichtet Hubertus Neuschäffer Folgendes: „Die Familie Billerbeck begegnet uns auch in der Geschichte des Ostseeraumes als Lübecker Patrizier. Auffallend waren die durchaus engen Beziehungen von Stadt und Land im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit.“[1]

Im 18. Jahrhundert bestand das Gut aus drei Anteilen. Davon gehörten die Teile A und B Ernst Bernd von Billerbeck. Nach dessen Tod fielen beide Besitzstücke an den noch minderjährigen Sohn des Verstorbenen, Wilhelm von Billerbeck. Wilhelms Vormünder verkauften die genannten Anteile jedoch 1738 auf 35 Jahre an Balthasar Sigmund von Billerbeck. Der Teil B gelangte 1739 an Rudolf Ehrenreich von Kahlenberg, 1745 wieder an Balthasar Sigmund von Billerbeck, 1747 an Christoph Friedrich von Brederlow, 1765 an den Hauptmann Bernhard Gottlieb von Billerbeck und 1766 an August Friedrich von Flatow. Anteil A, es könnte aber auch das Drittelstück C gewesen sein, gehörte kurz vor 1775 Auguste Louise Friederike von Manteuffel geb. von Billerbeck (Ehefrau des Hauptmanns von Manteuffel) und den Teil B besaßen zu der Zeit die hinterbliebenen Töchter des oben genannte August Friedrich von Flatow, Eva Friederike Gronow und Charlotte Louise Agnes Hofmeister. 1775 erwarb die Witwe von Vormann, Dorothea Amalie Adelheid geb. von Lüskow, zwei der hier in Rede stehenden Anteile. Außerdem fügte sie ihrem Neuerwerb 1780 noch das dritte Teilstück hinzu, sodass sie nun die gesamte Billerbecker Feldflur in einer Hand vereint hatte. In ihrer Zeit wurde 1780 das Vorwerk Wilhelminenhof angelegt. Zu den Besitznachfolgern der Witwe gehörten der Hauptmann Casimir Albrecht Friedrich von Vormann (von 1784 bis wenigstens 1823, der einzige Sohn der Witwe, 1791 Anerkennung des Gutes als Erb-Allodium), ein Mitglied der Familie von Vormann (bis 1842), der Regierungsassessor Rudolf Schultze (wird 1842 genannt),[2] die Familie Schultze (wird 1878 erwähnt), Georg Hoene (1911 erwähnt) und der Major der Reserve Karl Hoene (tritt 1939 in Erscheinung, er verlor seinen Besitz jedoch Anfang 1945 beim Einmarsch der Roten Armee).[3]

Das Gut Billerbeck war 1868 etwa 898 Hektar groß. Zu seinen einzelnen Nutzflächen zählten: 704 Hektar Ackerland, fünf Hektar Gärten, 168 Hektar Wiesen und Weiden, elf Hektar Holzungen und zehn Hektar Wasserstücke.[4] 1939 hatte sich die zum Gut gehörende Feldflur auf insgesamt 654 Hektar verringert. Dementsprechend veränderte sich auch der Umfang ihrer Nutzfächen, und zwar wie folgt: 454 Hektar Acker und Gärten, 112 Hektar Wiesen und Weiden, zehn Hektar Holzungen und 78 Hektar andere Flächen. Außerdem verfügte der landwirtschaftliche Großbetrieb über folgenden Viehbesatz: 60 Pferde, 200 Stück Rindvieh und 600 Schafe.[5]

Nach der Einnahme Billerbecks durch die Rote Armee im Februar 1945 gelangte der Ort nach einigen Monaten in die polnischen Verwaltungsstruktur. Die Billerbecker mussten sich westlich der Oder eine neue Heimat suchen.

Das Herrenhaus weist am hofseitigen Altan die Datumsangabe „Anno 1902“ auf. Nach allem Dafürhalten bezieht sich diese Angabe aber nur auf den Abschluss umfangreicher Baumaßnahmen, durch die ein bereits vorhandenes Gebäude zeitgemäß erweitert und umgestaltet wurde, zumal der auf uns überkommene Hauskomplex die hier in Erwägung gezogene Umbauvariante durchaus rechtfertigt. Der alte Herrensitz besteht aus zwei in T-Form aneinandergefügten Trakten.

Das hofseitige Exemplar beziehungsweise das Hauptgebäude (11 × 2 Achsen, zweieinhalbgeschossig, hohes Souterrain, Streichrichtung Südwest–Nordost) besitzt an der Vorderfront eine mehrstufige Zinnenattika und darauf einige Türmchen. Der risalitartige Mittelteil mit Zinnenattika und Rundbogenfries verfügt über einen von dorischen Säulen und Pfeilern getragenen Altan, wiederum mit Zinnenbekrönung. Der schmale, flügelartige Südwestteil des Hauptgebäudes ist polygonal geschlossen und besitzt einen Balkon. Dieser Hauptbau symbolisiert in der anfangs erwähnten T-Form den oberen Querstrich.

Der von der Hinterfront des Hauptgebäudes abzweigende Flügel streicht in Richtung Südost. Diese recht stattliche Hauserweiterung (bei ca. 17 Meter Länge 7 × 4 Achsen, hohes Souterrain, zweigeschossig, unter Traufe Konsolreihe, über Fensterachsen des Obergeschosses Dreiecksgiebelverdachungen) verfügt an der Südwestseite über einen kleinen mehreckigen Vorbau mit Terrasse und Freitreppe. Darüber hinaus hat an der südöstlichen Schmalseite des Flügels eine aufgeständerte Veranda ihren Platz. Hinter der oben genannten Terrasse fallen im Bereich des Erdgeschosses drei überdimensionale Rundbogenfenster ins Auge. Bei ihrer Größe ist davon auszugehen, dass der nachgelagerte Raum (wohl Festsaal) alle übrigen Zimmer und Gemächer des Hauses, allerdings unter Vernachlässigung der zentral gelegenen Vorhalle, höhenmäßig überragt. Die bis in das Dachgeschoss hineinreichende Halle (mit Galerie) zeichnet sich unter anderem durch ein großes Oberlichtfenster aus.

Im Jahre 1999 beherbergte das damals noch leidlich erhaltene Haus über ein Dutzend Untermieter. Leider ist deren Anzahl heute (September 2007) auf ein Minimum geschrumpft, da das altersgrau gewordene Gebäude fast jeglichen Wohnkomfort vermissen lässt.

Der an das Haus grenzende Park ist ungepflegt und verbuscht. Außerdem weist sein Altbaumbestand schon erhebliche Lücken auf.

Die vormaligen Stallungen aus deutscher Zeit haben sich mehrheitlich erhalten. Sie werden gegenwärtig etwa zur Hälfte von einem Nachfolgebetrieb des untergegangenen polnischen Staatsgutes genutzt.

Laut Werner Schochow gehörte „Schloss Billerbeck“ zu den Auslagerungsorten der Preußischen Staatsbibliothek.[6] In welchem russischen oder polnischen Depot die wertvollen Bestände, soweit sie nicht schon vorher entwendet oder zerstört worden sind, die Regale füllen, kann hier nicht weiter thematisiert werden.

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[1] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 57

[2] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. III, enthaltend die Kreise Greifenhagen und Pyritz, Anklam und Berlin 1868, S. 636f.

[3] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 56 sowie Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939

[4] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. III, enthaltend die Kreise Greifenhagen und Pyritz, Anklam und Berlin 1868, S. 637

[5] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[6] Loeck, Gottfried: Piraterie auf hohem Niveau – mitten in Europa –, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 1/11, 8. Januar 2011, S. 16, S. 16

  1. Billerbeck (Nadarzyn), Herrenhaus, Hof.- bzw. Nordwestseite, April 1999; Foto: D. Schnell
  2. Billerneck (Nadarzyn), Herrenhaus, Park- bzw. Südwestseite, April 1999; Foto: D. Schnell