Biesendahlshof
Das relativ junge Gemeinwesen Biesendahlshof liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Casekow und Woltersdorf. Die nächsten Städte sind Gartz an der Oder und Schwedt, wobei die letztgenannte Kommune für die umliegenden Landgemeinden als städtisches Zentrum fungiert.
Ursprünglich gehörte die Biesendahlshofer Feldmark zu Woltersdorf, das erstmals im Jahre 1272 in einer Schenkungsurkunde der Markgrafen Otto und Albrecht von Brandenburg Erwähnung findet. Ein Jahrhundert später erscheint Woltersdorf „in der Confirmation der Güter der St. Marien-Kirche zu Stettin durch die Herzöge Swantibor und Bogislaw“,[1] womit das vorläufige Ende des märkischen Einflusses in diesem Raum deutlich markiert worden war.
In dem von Herzog Bogislaw X. im Jahre 1483 erstellten Lehnsbrief für die Brüder und Vettern Markus, Jochim, Simon und Eggert von Sydow steht unter den „Lehngütern Woltersdorp an der Spitze“.[2] Seither unterstand der Ort in ununterbrochener Erbfolge den Herren von Sydow, und zwar bis zum Ableben des Ludomillus von Sydow im Jahre 1863.[3]
1864 verfügte das Rittergut Woltersdorf über einen Flächenumfang von 852 Hektar. Dagegen konnte die gleichnamige Landgemeinde mit sechs Halbhöfen und elf Büdnerstellen nur 143 Hektar in Anspruch nehmen. Schon vor 1864, wahrscheinlich zur Zeit der Separation, hatte man von den vormals zehn Bauernhöfen „7 Vollhöfe, mit einem Gesamtanteil von ca. 1260 Mg (315 Hektar, der Verf.), zusammengefasst und zu einem selbständigen Gute“ vereinigt, „welches nach seinem Begründer Biesendahl den Namen Biesendahlshof“ erhielt.[4]
Bis zum Jahre 1911 war die Feldflur der Neugründung auf 549 Hektar angewachsen. Erhöht hatte sich sicher auch der Viehbesatz, der zu der Zeit 47 Pferde, 135 Rinder, 300 Schafe und 130 Schweine aufwies. Besitzer des Ganzen war der Leutnant der Reserve Werner von Dewitz.[5]
Das Biesendahlshofer Herrenhaus hat sowohl das Jahr 1945 als auch die Nachwendezeit relativ unbeschadet überdauert. Der langgestreckte Puzbau (12 × 3 Achsen, zweigeschossig, Souterrain, Mansarddach mit Gaubenbesatz, wohl um 1900 errichtet) verfügt über zwei Mittelrisalite. An das park- beziehungsweise nordwestseitige Exemplar der beiden (vier Achsen, dreigeschossig, Segmentbogengiebel) grenzt eine kleine Terrasse mit Freitreppe und das hofseitige Gegenstück, ein Pseudorisalit (drei Achsen, dreigeschossig, Frontispiz, im Giebelfeld Wappen der Familie von Dewitz) schmückt sich mit einem von vier dorischen Säulen getragenen, halbrunden Altan. An der Hoffront tritt in Nähe der Südsüdwestecke überdies ein Anbau auf stichbogenförmigen Grundriss in Erscheinung. Außerdem kann die in Richtung Nachmittagssonne weisende Schmalseite des Hauses mit einer massiven Veranda (über der Traufe ein Dachgarten) aufwarten.
Zu DDR-Zeiten wurde das in die Jahre gekommene Gebäude vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Darüber hinaus waren in seinen Mauern ein Kindergarten und der lokale Festsaal des Ortes untergebracht.[6]
Nach dem Berliner Mauerfall verließen die „Schlosseinlieger“ ihr verwohntes Domizil und suchten sich anderweitig eine neue Wohnstätte. Seither stand das schon etwas desolate, im Kern aber noch solide Gebäude leer. Heute befindet sich in dem alten Adelssitz eine Seniorenresidenz (Anmerkung F. Süss).
Der hinter dem Haus liegende Park ist von fast rechteckiger Gestalt. Sein Areal wird von einer langen und breiten Sichtachse durchzogen, die sich auf der angrenzenden Feldflur im Schatten einer Pappelallee zu verlieren scheint.
In Gegenrichtung verläuft eine Pflasterstraße mitten durch den vormaligen Wirtschaftshof. Zu ihrer Rechten und Linken haben sich bis heute (2008) je ein langgestrecktes Ökonomiegebäude und zwei Siedlerhäuser erhalten.
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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. II, enthaltend: den Randowschen Kreis und Allgemeines über die Kreise auf dem linken Oder-Ufer, Anklam und Berlin 1865, S. 1730
[2] Ebd., S. 1730f.
[3] Ebd., S. 1732
[4] Ebd., S. 1729f.
[5] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[6] Angaben von Anita Buse aus Schlemmin zur jüngeren Historie des Herrenhauses Biesendahlshof vom 9. Oktober 2008
- Herrenhaus, Park- bzw. Westseite, Juni 1995; Foto: D. Schnell
- Herrenhaus, südliche Schmalseite, Februar 2008; Foto: D. Schnell
