Bewersdorf (Bobrowniki)
Der Ort Bewersdorf (Bobrowniki), etwa 20 Kilometer nordöstlich von Stolp gelegen, wird erstmals in einem Lehnsbrief von 1485 als Zitzewitz'scher Besitz namhaft gemacht. 1563 gelangte das Gemeinwesen jedoch an die Familie von Somnitz, bei der es bis 1809 verblieb. Im letztgenannten Jahr erwarb Ernst Gustav von Mitzlaff auf Viatrow das Gut. Außerdem besaß der Viatrower noch die benachbarten Güter Dammen und Großendorf, sodass er fortan über einen recht umfangreichen Güterkomplex verfügte. 1839 übernahm Franz von Mitzlaff das väterliche Erbe. Unter ihm wurden das Vorwerk Franzhagen, die Brennerei (1841) und das große schlossartige Herrenhaus (1864/65) errichtet.[1]
Bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts hinein lag der landwirtschaftliche Großbetrieb in von Mitzlaff'scher Hand. Danach wurde er ein sogenanntes Walzengut mit folgenden Eigentümern:
- die Familie Brandenburg (1875–1885),
- der Baron von Stackelberg auf Schloss Peddast (1885–1897),
- die Landbank Berlin (1897–1898),
- Gustav Mach (1898–1900)
- und ein Herr von Böttinger (1900–1908).
Kurz vor der letzten Jahrhundertwende erfolgte eine Teilaufsiedlung des Gutes, die zwischen den beiden Weltkriegen entgegen dem damaligen Trend jedoch keine Fortsetzung fand. 1908 erwarb Karl Pudack den nicht aufgesiedelten Anteil und ab 1924 hatte ihn Wilhelm Streifensand aus Kuhnhof in Besitz. Dieser verfügte zudem über das auf der Insel Wollin gelegene Gut Tonnin, in dessen Herrenhaus sein Sohn und Erbe York Streifensand 1932 das Licht der Welt erblickte.
Als die Rote Armee Bewersdorf in der Nacht vom 8. zum 9. März besetzte, hatten es die meisten Einwohner nicht mehr rechtzeitig geschafft, zu fliehen. Zu den Daheimgebliebenen gehörte auch der Gutsinspektor Paeth, den die sowjetischen Soldaten im Zuge der Einnahme des Ortes erschossen. Insgesamt hatte die Gemeinde 14 Gefallene, 13 Ziviltote und 27 Vermisste zu beklagen.
Im Bewersdorfer Herrenhaus, dessen Interieur von den Besatzern geplündert und zum Teil in die Sowjetunion verschleppt wurde, quartierte sich ein Stab der Roten Armee ein. Die Militärs waren unter anderem für den Abtransport der im Umland requirierten Maschinen und Viehbestände zuständig. Die zurückgebliebenen deutschen Gutsarbeiter standen bis 1952 unter sowjetischem Kommando und danach im Dienst der polnischen Verwaltung. 1951 gestattete man ihnen die Einrichtung einer deutschsprachigen Schule, die ca. fünf Jahre Bestand hatte. Das Ende der Bildungsstätte und die Aussiedlung der letzten deutschen Bewohner des Ortes fallen in etwa zusammen.[2]
Das auf einem hohen Souterrain stockende Herrenhaus besitzt zweieinhalb Geschosse. An seiner elfachsigen Südfront treten zwei dreiecksübergiebelte Eckrisalite um etwa einen Meter aus der Hausflucht hervor. Die sich vormals zwischen den Gebäudevorsprüngen befindende Terrasse - ein stattliches Exemplar - fiel zur PGR-Zeit der Spitzhacke zum Opfer. Erhalten blieb dagegen der äußerst dominante Turm an der westlichen Schmalseite des Hauses. Dieser fünfgeschossige „Guckinsland″ (oktogonale Form, Aussichtsplattform mit Balustrade) zeichnet sich vor allem durch seine Größe aus.
Der am nahen Osthang des Lupowtals angelegte Landschaftspark aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeindruckt durch seinen reichen Buchenbestand, doch auch die von Trauerweiden umstandene Teichanlage an der südwestlichen Hausperipherie kann es mit ihresgleichen im Altkreis Stolp aufnehmen.
In der sozialistischen Ära Polens diente das sogenannte "Schloss" der Gemeinde als kommunales Verwaltungs- und Gemeinschaftshaus. [3] Insofern nimmt es nicht wunder, dass es vor größeren Schäden bewahrt blieb. Um 1995 gelangte der alte Adelssitz mit dem angrenzenden Parkbereich in Privathand. Daraufhin wurde das privatisierte Areal zwei Jahre später umzäunt und das Haus frisch verputzt, neu eingedeckt und gestrichen, sodass es gegenwärtig (2005) wieder recht augenfällig in Erscheinung tritt.
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[1] Pagel, Karl-Heinz: Der Landkreis Stolp in Pommern, Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit, hrsg. im Auftag des Heimatkreises Stadt Stolp und Landkreis Stolp e. V., Lübeck 1989, S. 395 sowie Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 145
[2] Pagel, Karl-Heinz: Der Landkreis Stolp in Pommern, Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit, hrsg. im Auftag des Heimatkreises Stadt Stolp und Landkreis Stolp e. V., Lübeck 1989, S. 395ff.
[3] Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 146
1. Bewersdorf (Bobrowniki), nördliche Ansicht des Herrenhauses, Foto: D. Schnell 2005.
