Beßwitz (Biesowice)
Der Ort Beßwitz (Biesowice) und das Bismarck'sche Varzin im Kreis Rummelsburg verfügen über eine gemeinsame Gemarkungsgrenze. Erstmals erwähnt wird der Ort im Jahre 1480 als Lehen von Klaus Zitzewitz. Diesem folgten auf dem Anwesen abermals ein Klaus Zitzewitz (Sohn des Vorgenannten) und anschließend Tönnis und Jürgen Zitzewitz (Söhne des Vorbesitzers, wurden beide ermordet).
Laut Kirchenmatrikel von 1590 gab es in Beßwitz am Ende des 16. Jahrhunderts außer Mühle an der Wipper eine Schäferei und 27 Bauernstellen. Im Hinblick auf die relativ hohe Anzahl der bäuerlichen Betriebe ist wohl davon auszugehen, dass sie nur von bescheidener Größe waren.
Nach dem anfangs erwähnten Mord gelangte das Gemeinwesen an Klaus Zitzewitz auf Jannewitz, von dem es später an Martin Zitzewitz (Sohn des Klaus) überging. In den folgenden Jahren setzte eine Zersplitterung des Lehens ein, die jedoch von Klaus Georg von Zitzewitz durch den Ankauf aller Anteile wieder behoben wurde. Zu den weiteren Herren auf Beßwitz gehörten nachfolgend:
- Kaspar Otto von Zitzewitz (um 1700, Sohn des Klaus Georg),
- Georg Kasimir von Zitzewitz (bis 1738),
- Adam Joachim Graf von Podewils (um 1750),
- Friedrich Werner von Zitzewitz (bis 1769, Brudersohn des Georg Kasimir),
- Kaspar Friedrich von Zitzewitz (ab 1769),
- zwei Söhne des Martin Friedrich von Zitzewitz auf Techlipp (um 1780)
- und Franz Martin von Zitzewitz (bis 1808, einer der beiden oben genannten Söhne).
Im Jahre 1842 lag Beßwitz erneut in der Hand eines Franz von Zitzewitz. Unter ihm wurde das Gut allodifiziert, das heißt die Gutsfeldmark ging nun in das Eigentum ihres Besitzers über. 1884 fiel Beßwitz an den Oberst Ernst Wilhelm Bernhard von Zitzewitz (1835–1899, Sohn des Vorgenannten). Seiner Ehefrau Nelly ist es zu verdanken, dass der Ort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Kirche erhielt (neogotischer Backsteinbau).[1] Nur wenige Schritte hinter dem Chor des stattlichen Gotteshauses wurden beide Eheleute sowie Karl Eugen von Zitzewitz (1870–1941) zur letzten Ruhe bestattet. Ihre Grabmale (Kreuz auf Granitsteinsockel) sind trotz aller gesellschaftlichen Wirren in den vergangenen Dezennien bis in die Zeit nach 1990 erhalten geblieben.
Nachdem Ernst Wilhelm von Zitzewitz gestorben war, übernahm sein Sohn Ernst, der als Major aus dem aktiven Heeresdienst ausgeschieden war, den Besitz. Der Major a. D. hatte keine Söhne, daher fiel das Gut mit den Vorwerken Seehof, Johannishof und Beßwitzer Hütte (insgesamt 3328 Hektar) laut Erbvertrag von 1940 an seinen noch minderjährigen Enkel. Der Vater des Erben, Baron Albrecht von Knigge, führte den landwirtschaftlichen Großbetrieb bis Anfang 1945 treuhänderisch weiter.[2] 1945 erfolgte die Ausweisung der Beßwitzer Einwohner, deren Wohnungen nunmehr von polnischen Familien übernommen wurden.
Das auf uns überkommene Herrenhaus – in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem Schlawer Baumeister Piepow errichtet – weist ein durchaus stattliches Erscheinungsbild auf.[3] Um so bescheidener war dagegen sein erstes oder zweites Vorgängergebäude, über das uns eine Urkunde aus dem Jahre 1693 folgendes berichtet:
„Das Herrenhaus war einstöckig und hinten von Lehm, vorne Fachwerk und an den Seiten in beiden Bauarten aufgeführt. Das Innere des Gebäudes bestand aus einer viereckigen Stube mit vier Fenstern, welche in der Mitte durch einen schwarzen Taftvorhang in zwei gleiche Teile geschieden war. In dem einen befanden sich zwei hölzerne Tische, eine Bank, sechs Schemel sowie ein schwarzer Kachelofen; im anderen Abteil eine Bettstatt, ein Kleiderriegel, ein runder Tisch, ein Speiseschapchen; eine Klapptür führte von da gleich in den Keller hinab. Außerdem waren im Hause nur noch drei Schlafkämmerchen, eine Küche und Speisekammer vorhanden, und auf dem Boden eine zweite Speise- und andere lange Kammer.“[4]
Dieser Darstellung steht der nunmehr auf uns überkommene Nachfolgerbau gegenüber: Der Haupttrakt des Adelssitzes ist ein unterkellertes, zweigeschossiges Gebäude von elf Achsen, an dessen südlicher Schmalseite Mitte des 19. Jahrhunderts ein hausbreiter Anbau (anfangs ein-, später zweigeschossig, drei Achsen) aufgeführt wurde.[5] Darüber hinaus fügte man an die Parkfront in Ostverlängerung der nördlichen Schmalseite einen weiteren Trakt an (4 × 2 Achsen, eingeschossig, hohes Souterrain). Sowohl die östliche Erweiterung als auch der Anbau besitzen ein Flachdach und der Haupttrakt kann mit einem metallenen Walmdach neuerer Bauart aufwarten. Das Haus zeichnet sich vor allem durch seine pilastergeschmückten Längsseiten und schlanken Eckpfeiler aus.
Der Beßwitzer Park erstreckt sich bis an den weiter östlich stockenden Buchenforst auf dem hohen Wipperufer. Die ursprüngliche Wegeführung und der alte Baumbestand der Anlage haben sich zum Teil erhalten.
Zur Zeit der PGR (polnische Variante des Volkseigenen Gutes) war das Herrenhaus Verwaltungssitz eines umfangreichen staatlichen Güterkomplexes, zu dem neben Beßwitz auch mehrere Güter aus der Nachbarschaft gehörten.[6] In der Zeit nach dem Berliner Mauerfall verlor das noch leidlich erhaltene Haus jedoch seine zentrale Verwaltungsfunktion, sodass es 1997 kaum noch genutzt wurde.
Außer der neugotischen Kirche und dem alten Herrensitz erweckt ein weiteres Bauwerk im Ort unsere Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich um ein eingeschossiges Backsteingebäude, das mit seinen beiden runden Ecktürmen recht eindrucksvoll den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Das Haus steht an der zum Bahnhof führenden Ausfallstraße.
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[1] Gohrbandt, Emil: Ortsgeschichte, in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch, hrsg. v. Kreisausschuß d. Kreises Rummelsburg im Jahre 1938, neu hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg m. Förder. d. d. Landkreis Soltau-Fallingbostel, Hamburg 1979, S. 139ff.
[2] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 54
[3] Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 125; vgl.auch Borchers, Walter: Gutshäuser, in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch, hrsg. v. Kreisausschuß d. Kreises Rummelsburg im Jahre 1938, neu hrsg. v. Heimatkreisausschuß Rummelsburg, Hamburg/Lübeck 1979, S. 513
[4] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 54
[5] Sieber, Helmut: Schlösser und Herrensitze in Pommern, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1978, S. 236
[6] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 54
- Beßwitz (Biesowice), Herrenhaus, Park- bzw. Ostseite, April 1997; Foto: D. Schnell
- Beßwitz (Biesowice), Grabstätte der Familie von Zitzewitz auf dem Friedhof, April 1997; Foto: D. Schnell
- Beßwitz (Biesowice), Wohngebäude am Ortsausgang zum Bahnhof, April 1997; Foto: D. Schnell
