Berthke

Das kleine Gemeinwesen Berthke liegt 3,5 Kilometer nordöstlich von Richtenberg in Nähe der nach Steinhagen führenden Landstraße Nr. 192. Die im 13. Jahrhundert gerodete Feldflur des Ortes war anfangs Bestandteil eines 300 Hufen umfassenden Waldgebietes, welches das Kloster Neuenkamp anlässlich seiner 1231 erfolgten Gründung von Wizlaw I. (Fürst von Rügen, 1180–1250) erhalten hatte.[1] Damit blieb Berthke bis zur Auflösung der pommerschen Klöster im Jahre 1535 im Besitz von Neuenkamp, um nachfolgend dem Amt Franzburg zugeordnet zu werden. Dort war es im Jahre 1654 Dienstort von Zandershagen. Später fiel das relativ kleine Dorf an den Amtshauptmann Gustav von Lilienström, doch um 1685 wurde es im Zuge der Reduktion von der schwedischen Krone wieder dem Amt Franzburg unterstellt. Im Jahre 1696 verfügte Berthke über folgende Hofbesitzer mit den dazugehörigen Dienstleuten:

„1. Andreas Kluut, B. Unt., gibt 28½ Rthl Dienstgeld. – 2. Claus Burgmeister, B., Unt., dasselbe Dienstgeld wie Nr. 1. – 3. Jacob Arent, zahlt 15 Rthl Dienstgeld. – 4. Kuhhhirt. – zwei (nicht mit Namen genannte) Einlieger. Nr. 1 und 2 haben 2 Bauernhöfe, Nr. 3 hat einen Hof. Dienstvolk: Jeder Bauer: 1 Knecht, 1 Magd, 1 Junge. Nr. 1 und 2 mieten nach Bedarf Tagelöhner.“[2]

Im Jahre 1911 gehörte die Königliche Domäne Berthke dem Pächter Hermann Rykena. Unter ihm verfügte der insgesamt 328 Hektar umfassende Landwirtschaftsbetrieb über nachstehende Nutzflächen: 274 Hektar Acker und Gärten, 40 Hektar Wiesen und fünf Hektar Weiden. Außerdem standen in seinen Ställen 37 Pferde, 124 Stück Rindvieh und 60 Schweine.[3]

Wird 1928 noch Hermann Rykena als Pächter namhaft gemacht,[4] so war es 1939 Albrecht Genenz,[5] und zwar bis 1945. Unter ihm besaß die Domäne nur noch einen Flächenumfang von 210 Hektar,[6] sodass davon auszugehen ist, dass das Agrarunternehmen in den 1930er Jahren teilaufgesiedelt worden war.

Das dortige Herrenhaus besteht aus dem Altbau (verputztes Backsteingebäude, Streichrichtung Südwest–Nordost, 7 × 3 Achsen, zweigeschossig, flaches Satteldach, an der Nordwestseite einachsiger Mittelrisalit, südwestliche Schmalseite mit kleinem Anbau, wohl um 1850 errichtet) und dem hausbreiten Erweiterungstrakt (in Fachwerk, dreigeschossig, 2 × 3 Achsen, ebenfalls flaches Satteldach) an der nordöstlichen Schmalseite, der in Auswertung des Messtischblattes Nr. 1743 Richtenberg von 1885 wohl in den 1890er Jahren in die Lotrechte gebracht worden ist.

Während der Besetzung Berthkes durch Soldaten der Roten Armee Mitte 1945 verlor der letzte Domänenpächter Albrecht Genenz sein Leben (er beging Selbstmord, Anmerkung F. Süss). Seither diente das Herrenhaus bis nach dem Berliner Mauerfall vielen Flüchtlingsfamilien und deren Nachkommen als Wohndomizil. Anfang der 1990er Jahre wurde der Altbau der Richtenberger Wohnungsbaugenossenschaft zugesprochen. Von dieser fiel das Haus an einen Bürger aus den alten Bundesländern, der dafür sorgte, dass alle Einlieger ausziehen mussten. Die von ihm angekündigte Sanierung des einstigen Domänenpächterhauses unterblieb jedoch, sodass das bis heute (2016) leerstehende Gebäude einer ungewissen Zukunft entgegengeht.

Im Zuge der 1945 in der SBZ durchgeführten Bodenreform wurde die 210 Hektar große Domäne aufgesiedelt, doch mussten die alten und neuen Einzelhofbesitzer der dortigen LPG beitreten, die ihren Sitz in Grün Kordshagen, dem Hauptort der Gemeinde, hatte.[7]

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[1] Curschmann, Fritz: Matrikelkarten von Vorpommern, 1692–1698, I. Teil, Rostock 1948, S. 546

[2] Ebd., S. S. 547

[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[4] Veer, Renate de: Steinernes Gedächtnis, Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Handbuch, Band 2, Schwerin 2006 S. 35

[5] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939

[6] Ebd.

[7] Angaben von Günter Schult aus Grün Kordshagen zur Historie des Berthker Herrenhauses, 6.10.2016

  1. Berthke, Herrenhaus von Nordwesten, Oktober 2016; Foto: D. Schnell