Berkenbrügge (Brzeziny)
Der Ort Berkenbrügge (Brzeziny) liegt 18 Kilometer östlich von Arnswalde an der von Reetz nach Woldenberg führenden Landstraße. Das hier in Rede stehende Gemeinwesen gehörte bis 1938 zur brandenburgischen Neumark, um anschließend mit ihrem Umland in den neugegründeten Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen der Provinz Pommern eingegliedert zu werden.[1]
Im Jahre 1907 gehörte das dortige Rittergut dem Oberregierungsrat a. D. Maximilian von Voß. Das insgesamt 2475 Hektar umfassende Agrarunternehmen verfügte zu der Zeit über folgende Nutzflächen: 906 Hektar Acker und Gärten, 170 Hektar Wiesen, 1308 Hektar Holzungen und 55 Hektar Gewässer. Außerdem hatte der landwirtschaftliche Großbetrieb nachstehenden Viehbesatz eingestallt: 54 Pferde, 310 Stück Rindvieh, 600 Schafe und 200 Schweine.[2]
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Einwohner von Berkenbrügge, soweit sie nicht schon Anfang Februar 1945 vor der herannahenden Front geflohen waren, ihren Heimatort verlassen und sich westlich der Oder neu ansiedeln. Im Dorf lebten ab diesem Zeitpunkt vorrangig polnische Familien.
Das auf uns überkommene Herrenhaus (Streichrichtung Ost–West, 16 Achsen, zweigeschossig, gestuftes Mansardendach mit Gaubenbesatz) soll angeblich auf ein Vorgängergebäude aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen. An der Südseite befinden sich ein eingerückter Rechteckturm (viergeschossig, ehemals welsche Haube, deren Laterne mit Umgang und Spitzhelm nach 1945 abgängig, unterstes Turmgeschoss mit Hauptportal) und zwei Scheinrisalite, wobei Letztere mit je einem Volutengiebel ausgestattet sind. Auf der Gegenseite befinden sich die beiden Pendants sowie ein flügelartiger Fortsatz auf der Höhe des Turms. An der östlichen Schmalseite befindet sich eine massive Veranda mit Dachgarten und mit variierten Rundbogenfenstern.[3]
In Auswertung eines Fotos aus den 1930er Jahren scheint das sogenannte Schloss in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeführt worden zu sein. Zudem deutet die vorkriegszeitliche Abbildung darauf hin, dass das gegenwärtig (April 2013) als Pflegeeinrichtung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen genutzte Haus nach 1945 an der westlichen Schmalseite um zwei oder drei Achsen verlängert wurde. Heute präsentieren sich das Herrenhaus und sein unmittelbares Umfeld wieder in neuem Glanz. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch die Funktion des Hauses vor 1945 bleiben, da es unter dem Hakenkreuz als Reichsarbeitsdienstlager Nr. 9/141 in Nutzung war.[4]
–––
[1] Schley, Christoph: Das Wappen der Grenzmark Posen-Westpreußen, in: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, XL. Jg. (2002), Heft 3, S. 30
[2] Niekammers’s Landwirtchaftliches Güter-Adressbücher, Bd. 7: Brandenburg, Stettin 1907
[3] Angaben der Direktorin des Behindertenheimes Berkenbrügge (Brzeziny), zur Historie ihres Hauses, 15.4.2013
[4] o. A.: Herrenhaus Berkenbrügge, Foto aus den 1930er Jahren, Archiv des Verfassers
- Berkenbrügge (Brzeziny), Herrenhaus, Südseite, April 2013; Foto: D. Schnell
- Berkenbrügge (Brzeziny), Herrenhaus, Nordseite, April 2013; Foto: D. Schnell
