Berglase
Erstmals aktenkundig gemacht wird Berglase (ehemals Briglavitze geheißen, drei Kilometer nordwestlich von Garz auf Rügen gelegen) im Jahre 1314 mit 14 zu versteuernden Hakenhufen. 1577 bestand der Ort aus fünf Bauernhöfen und zwei Katen,[1] die wahrscheinlich später gelegt und zu einem Gut vereinigt wurden, das bis 1732 der Stadt Stralsund unterstand. Von dieser erwarb es im letztgenannten Jahr der auf Poppelvitz gesessene H. Normann.[2] Zu dessen Besitznachfolgern gehörten im 19. Jahrhundert: Dr. Freiherr F. E. von Langen-Plüggentin (wird 1911 genannt),[3] Franz Abrecht aus Krusenfelde (erscheint 1928 in den Quellen, Pächter von Berglase, Tolkvitz und Dumrade war Heinrich Pflug),[4] und Reinhold Rühe (tritt 1939 in Erscheinung, besaß den nach der Aufsiedlung verbliebenen Restbetrieb von 97 Hektar).[5]
Im Jahre 1911 verfügte das 488 Hektar umfassende Rittergut über folgende Nutzflächen: 357 Hektar Acker und Gärten, 50 Hektar Wiesen, zehn Hektar Weiden und 61 Hektar Holzungen. Außerdem gebot das landwirtschaftliche Großunternehmen über nachstehenden Viehbesatz: 43 Pferde, 89 Stück Rindvieh, 600 Schafe und 70 Schweine.[6]
Das auf uns überkommene Herrenhaus (9 × 4 Achsen, über hohem Souterrain Erd- und Obergeschoss) wird von mehreren gequaderten Pilastern gegliedert und besitzt an der Hof- beziehungsweise Südseite einen einachsigen Mittelrisalit, welcher dreiecksübergiebelt und in seinem Giebelfeld mit einem Rundfenster ausgestattet ist. Vor dem Risalit befindet sich eine kleine Terrasse mit Freitreppe und an der westlichen Schmalseite ist eine weitere, große, polygonale Terrasse. Zur Rechten und Linken des Risalits befinden sich auf Höhe des Satteldachs flankierende Schleppgauben. Der etwa um 1900 errichtete Bau diente nach der 1945 erfolgten Enteignung der Besitzerfamilie zahlreichen Flüchtlingen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches als Wohnunterkunft. „1988 brannte das Gebäude aus und bei der folgenden Sanierung wurden die historischen Gebäudestrukturen stark vereinfacht überbaut.“[7] Dieser Eingriff in die ursprüngliche Fassadengestaltung konnte jedoch nach dem Berliner Mauerfall durch einen Nachkommen des oben genannte Reinhold Rühe, dessen Familie das Haus und den dazugehörigen Agrarbetrieb heute (2014) besitzt, in den 1990 Jahren wieder behoben werden.
Neben dem Herrenhaus weisen auch die erhalten gebliebenen Ökonomiegebäude des vorkriegszeitlichen Gutes einen annehmbaren Erhaltungszustand auf. Da sie noch immer in Nutzung sind, wird sich daran vorerst auch kaum etwas ändern.
Der zwischen Herrenhaus und Chaussee stehende Park ist etwa 1,5 Hektar groß. In der das Dorfbild bereichernden Anlage hat der Gärtner nach 1990 wieder die Oberhand gewonnen.
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[1] Ohle, Walter; Baier, Gerd (Bearb.): Die Kunstdenkmale des Kreises Rügen, Leipzig 1963, S. 122
[2] Veer, Renate de: Steinernes Gedächtnis, Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Handbuch, Ergänzungsband 4, Bremen 2008. S. 122
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[4] Veer, Renate de: Steinernes Gedächtnis, Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Handbuch, Ergänzungsband 4, Bremen 2008, S. 122
[5] Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939
[6] Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[7] Karge, Wolf: Schlösser und Herrenhäuser in Vorpommern, Rostock 2013, S. 26
- Berglase, Herrenhaus von Südwesten, Februar 2014; Foto: D. Schnell
- Berglase, Herrenhaus, Hof- bzw. Südseite, Februar 2014; Foto: D. Schnell
- Berglase, Ökonomiegebäude von Südwesten, Februar 2014; Foto: D. Schnell
