Benz (Benice)
In Pommern gibt es insgesamt drei Ortschaften, die den Namen Benz tragen. Das Benz (Benice), von dem hier berichtet wird, liegt zwölf Kilometer südöstlich der alten Domstadt Cammin. Der Ort wird erstmals 1365 mit der Nennung des Knappen Tideke Warnow in den Quellen fassbar. Später waren es die Brüder Dietrich und Henning Warnow, die dort als Lehnsinhaber in Erscheinung traten. 1466 verfügte der auf Böck erbgesessene Hans Flemming über einige Benzer Hufen, doch erst 1517 wurde ein Vertreter der Familie von Flemming im Ort ansässig. Kurz vor 1600 bestand Benz aus den Anteilen A (ein Herren- und ein Ackerhof) und B (ein Ackerhof, neun Bauern und drei Kossäten). Im Jahre 1628 hatte sich die Anzahl der dortigen Besitzanteile auf drei erhöht. Das umfangreichste Stück (13 Hufen) besaß Otto Flemming, über das mittlere Stück (5 ½ Hufen) gebot Caspar Flemming und der Rest (1 ½ Hufen) lag in den Händen von Hasso Adam und Ewald Jochim Flemming (Kurt Flemmings Lehnsnachfolger auf Böck). 1683 gehörte wenigstens einer der hier genannten Anteile dem Hauptmann Ernst Friedrich von Flemming, der überdies auch Erbherr auf Böck und Martentin war.[1] Später gelangten ganz Benz sowie Klaushagen und Pemplow durch einen 1740 abgeschlossenen Vergleich an den Landesdirektor Richard Heinrich von Flemming und dessen Ehefrau Eleonore Margarethe geb. von Eickstedt-Peterswald, wobei letztere nach dem Ableben ihres Mannes alleinige Besitzerin der Güter wurde. Zu ihren Nachfolgern auf Benz, Klaushagen und Pemplow zählten:
- Der Woywode von Pomerellen, Reichsgraf Georg Detlow von Flemming (von 1769 bis 1787),
- der Erblandmarschall Franz Bernd Johann Sigismund von Flemming (von 1787 bis 1801),
- Franz Wilhelm August Constantin von Flemming (von 1801 bis etwa 1828, Sohn des Vorgenannten),
- der Erblandmarschall Franz Wilhelm Carl von Flemming (etwa von 1828 bis wenigstens 1867),[2]
- Tham Hasso Graf von Flemming (geb. 1838, 1880 Erhebung in den preußischen Grafenstand, Stiftung des Fideikommisses Benz-Basenthin, dessen Auflösung noch vor dem Zweiten Weltkrieg),[3]
- Curd Graf von Flemming (wird 1911 genannt)
- und Dr. Hasso von Flemming (wird 1939 erwähnt).[4]
Der Gründer des oben genannten Feideikommisses war „Herr auf Benz mit Claushagen, Pemplow, Matzdorf, Basenthin mit Harmsdorf und Bewerdick, Bresow, Sages, Jasi mit Jaßow und Anteil von Lanke, Zebbin, Drammin, Paatzig, Ribbertow, Wiestock Forstrevier Elsenau (sämtlich seit Anfang des 14. Jahrhunderts im Besitz der Familie), ferner Zoldekow, Giskow, Gabenz, Nemitz, Cretlow, Klemmen, Leuszin in Pommern (zusammen 14 518 Hektar) sowie Riebitz A und B und Baldebuß zusammen 7420 Hektar im Kreis Cammin. Das ganze Fideikommiß gehörte damit zu den größten in Hinterpommern.“[5]
Außerdem sei hier im Nachfolgenden auf einige Angaben aus der Benzer Statistik verwiesen. Rittergut 1867: 440 Hektar, 147 Einwohner; Kirchdorf 1867: 227 Hektar, 192 Einwohner; Rittergut 1911: 526 Hektar; Gutsbezirk 1939: 1274 Hektar; Kirchdorf und Gutsbezirk 1939: 426 Einwohner.[6]
Der Treck der Bewohner des Gutes Benz im März 1945 ist außergewöhnlich detailreich dokumentiert, was mit der wertvollen Ladung auf einigen Wagen zu tun hat, die damals verloren ging: „Der Pommernschatz von Cammin war in den letzten Kriegsmonaten nach Benz bei Cammin um der größeren Sicherheit willen gebracht worden. Als die Russen in bedrohliche Nähe kamen und der Befehl zur Evakuierung ergangen war, machten sich die Benzer auch auf den Weg nach Westen. Auf einem Wagen wurde der Cordula-Schrein mit verladen. Dieser Treck endete schon wenige Kilometer von Cammin entfernt bei Parlow-Krug an der Kreuzung der Straßen Wollin–Pribbernow/Cammin–Pribbernow. Dort wurde der Treck überholt, und die Wagen mit dieser großen Kostbarkeit mußten stehenbleiben.“[7] Nach der Einnahme des Ortes durch die Rote Armee im Frühjahr 1945 verblieb das Gut anfangs unter dem Einfluss der sowjetischen Administration, später dann der polnischen Verwaltung. Alle übrigen Häuser und Höfe in Benz waren zuvor schon für polnische Familien requiriert worden.
Das noch gut erhaltene Herrenhaus wurde im Jahre 1867 an Stelle eines älteren Vorgängergebäudes errichtet.[8] Von diesem abgebrochenen Gebäude existiert ein Wappenstein aus dem Jahre 1683, der heute das südlich von Gülzow gelegene Böcker „Schlösschen“ ziert (siehe hierzu auch Beitrag „Böck“). Das sogenannte Benzer Schloss (insgesamt 14 × 3 Achsen, unterkellert, zweigeschossig, flaches Walmdach) enthält an der Straßen- beziehungsweise Nordwestseite zwei Seitenrisalite (je Exemplar zwei Achsen) und einen Mittelrisalit (zweinhalbgeschossig, Rundbogenfenster, oberer Abschluß durch Attika mit aufgesetztem Allianzwappen, drei Achsen), dem ein pfeilergestützter Altan (Oberteil verglast) und eine Freitreppe vorgelagert sind. An der Südostseite des Hauses nehmen in Höhe des Obergeschosses drei hohe Rundbogenfenster den zentralen Frontbereich ein. Außerdem treten zur Rechten und Linken der Fenster zwei einachsige Seitenrisalite in Erscheinung. Darüber hinaus kann die nordöstliche Schmalseite mit einem zweigeschossigen Erweiterungsbau (1 × 3 Achsen, nach hinten versetzte Frontseiten) aufwarten, über dem ein niedriges polygonales Turmgemäuer steht. Allerdings wurde der nicht sonderlich hohe Turmhelm aus der Vorkriegszeit vor Jahren entfernt und durch ein flaches Pappdach ersetzt, sodass der Aufbau heute jedwede Attraktivität vermissen lässt.
Über die Rolle das Benzer Herrenhauses in den ersten Jahren nach 1945 liegen dem Verfassers leider keine Informationen vor.
Im Schatten der südöstlichen Gebäudeseite trennt eine langgezogene Böschung das hausnahe Parkumfeld von einer vorgelagerten Betonfläche ab, die dort schon seit mehreren Dezennien den Schülern der im Haus untergebrachten Fachschule (fungiert heute (2007) unter dem Namen „Zespól Szkół w Benicach“) als Sport- und Spielstätte dient.
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[1] Bronisch, Gerhard; Ohle, Walter (Bearb.): Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Kammin Land, hrsg. v. Provinzialverband von Pommern im Auftrag des Provinzialkonservators, Stettin 1939, S. 107
[2] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. VI, enthaltend die Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam und Berlin 1870. S. 359f.
[3] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 48 u. 50f.
[4] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
[5] Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern, Leer 1994, S. 48
[6] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. VI, enthaltend die Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam und Berlin 1870, S. 358 sowie Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
[7] Bericht von Dr. Hasso Graf von Flemming-Benz anlässlich einer Zusammenkunft des Konventes evangelischer Gemeinden aus Pommern vom 3. bis zum 5. Juni 1955 in Heersum bei Hildesheim als Patron der Kirche Benz, hier zitiert nach: Holtz, Adalbert: Ist der "Cordula"-Schrein aus dem Domschatz Cammin verloren? Bericht und Dokumentation, in: Baltische Studien, N.F. 52/1966, S. 133
[8] Harder, Günter: Schlösser und Herrenhäuser im Kreis Cammin, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 19/03, 10. Mai 2003, S. 10
- Benz (Benice), Herrenhaus, Nordwestseite, Juni 1955; Foto: D. Schnell
- Benz (Benice), Herrenhaus, Südostseite, März 2007; Foto: D. Schnell
- Benz (Benice), Herrenhaus, Allianzwappen über nordwestseitiger Traufe, Mai 1997; Foto: D. Schnell
- Benz (Benice), gutszeitliches Stallgebäude mit Eckturm, Juni 1995; Foto: D. Schnell
