Behrenhoff (†) (K)

Behrenhoff, ehemals Busdorf, liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Greifswald und Gützkow. Bereits zur Zeit seiner Ersterwähnung im 13. Jahrhundert unterstand der Ort der Familie Behr.[1] 1877 wurde Carl Felix Woldemar von Behr (1835–1906, Landrat des Kreises Greifswald) der preußische Grafentitel verliehen. Die für einen Adligen nicht unbedeutende Standeserhöhung war an das von Carl Felix Georg von Behr (1804–1838) gegründete Fideikommiss Behrenhoff gebunden, zu dem damals noch die Nachbargüter Müssow und Kammin gehörten. Neben der gräflichen Linie von Behr auf Behrenhoff gab es in Vorpommern am Ende des 19. Jahrhunderts noch zwei weitere gräfliche Linien des hier in Rede stehenden Geschlechts. Dazu zählten die Familien von Behr aus dem Hause Bandelin und von Behr-Negendank aus dem Hause Semlow.

Nach dem Tode des oben genannten Felix Woldemar übernahm sein Sohn Carl (Charly) Friedrich Felix Graf von Behr (ebenfalls Landrat des Kreises Greifswald und Mitglied des preußischen Herrenhauses) den Besitz. Als Graf „Charly“ 1933 das Zeitliche gesegnet hatte, fiel das Fideikommiss an seinen Neffen und Adoptivsohn Detloff von Heyden auf Kartlow, allerdings war laut testamentarischer Verfügung bestimmt worden, dass die Witwe des Verstorbenen, Mechthild Gräfin von Behr, geb. von Heyden (1880–1955, zweite Frau des Grafen, bei ihrer Vorgängerin Esther von Behr handelte es sich um die Nichte des deutschen Reichskanzlers Georg Leo von Caprivi), den lebenslänglichen Nießbrauch an dem 800 Hektar umfassenden Gut innehaben sollte.[2]

Das dortige Herrenhaus beziehungsweise das sogenannte Schloss (spätklassizistischer Putzbau, zweigeschossig, 17 Achsen, ca. 50 × 15 Meter, an Hof- und Parkseite je ein dreiecksübergiebelter Mittelrisalit und zwei Eckrisalite, Letztere mit Rundbogenfenstern, hofseitiger Altan) wurde unter Federführung des Berliner Architekten Friedrich Hitzig (1811–1881) von C. F. G. von Behr in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Gemäß oben genannter Verfügung gebot Gräfin Mechthild von 1933 bis 1945 über das „Schloss“, in dem die Bekennende Kirche um Dietrich Bonhoeffer (1945 hingerichtet) von 1936 bis 1937 illegale Predigerseminare abhielt,[3] die später in hinterpommerschen Guts- und Pfarrhäusern wie Finkenwalde, Tychow-Sigurdshof, Groß Schlönwitz, Klein Krössin und Kieckow eine Fortsetzung fanden.

Im Juli 1940 wurde Gräfin Mechthild aufgrund ihres Eintretens für die Anhänger Bonhoeffers und anderer regimekritischer Äußerungen in „Schutzhaft“ genommen.[4] Nichtsdestotrotz musste die ausgewiesene Gegnerin des Nationalsozialismus im Frühjahr 1945 den heimatlichen Herd verlassen. Zum Glück fand sie bei der befreundeten Familie des damaligen Stadtkommandanten von Greifswald, Rudolf Petershagen (übergab die Stadt am 30. April 1945 kampflos an die Rote Arme), einen ersten Unterschlupf.[5] Von dort aus floh sie später über die sogenannte Grüne Grenze in eine der westlichen Besatzungszonen. Ihr Leben vollendete sich schließlich in Bayern, wo sie im Jahre 1955 für immer die Augen schloss.[6]
Über das Ende des von Behr’schen Adelssitzes berichtet Eckhard Oberdörfer Folgendes: „Hier brannte am Mittag des 8. Mai 1945 das prachtvolle, wahrscheinlich 1838 fertiggestellte Behrenhoffer Schloss ab. An jenem Tag feierten die sowjetischen Soldaten hier und ließen das Feuer einen ganzen Tag lang wüten. Die Ruine wurde dann nach und nach für Neusiedlergebäude abgetragen.“[7] Von dem einst prächtigen Gebäude hat sich im nördlichen Parkbereich lediglich ein mit Gesträuch überwucherter Schuttberg erhalten, sodass der Standort des untergegangenen Hauses auch heute (2007) noch allgegenwärtig ist.

Der Behrenhoffer Park, dessen Planentwurf angeblich auf den bekannten Potsdamer Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné (1789–1866) zurückgeht, verfügt in etwa über einen Flächenumfang von 14 Hektar. Zu den nennenswerten Gestaltungselementen der Anlage gehören: der Schwanenteich, das straßenseitige Bärentor, mehrere Gehölzgruppen sowie einige Exoten. Genannt werden unter anderem: Magnolie, Rhododendron, Tulpenbaum und Stechpalme. Seit 1936 zierte den Park das bronzene Reiterdenkmal des Grafen „Charly“. Zum Leidwesen der meisten Dorfbewohner wurde das Denkmal aber 1947 demontiert und bis auf den Sockel „versilbert“.[8] Da Behrenhoff schon seit den 1980er-Jahren über ein Parkaktiv verfügt, nimmt es nicht wunder, dass der langgestreckte Garten in pflegerischer Hinsicht nur wenige Abstriche in Kauf nehmen musste.[9]

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[1] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 164

[2] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 30f. sowie Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 163

[3] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S. 31 sowie Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 164

[4] Neuschäffer, Hubertus: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993, S 31

[5] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 164, sowie Petershagen, Angelika: Entscheidung für Greifswald, Berlin 1981, S. 142f.

[6] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 163

[7] Ebd., S. 162

[8] Ebd., S. 162f., sowie Hamer, Detlef: Kleinnode der Landschaft, in: Norddeutscher Leuchtturm, Wochenendbeilage der Norddeutschen Zeitung, Nr. 1780 vom 29. Mai 1987, S. 1

[9] Hamer, Detlef: Kleinnode der Landschaft, in: Norddeutscher Leuchtturm, Wochenendbeilage der NdZ, Nr. 1780 vom 29. Mai 1987

 

Abkürzungen:
(†) Untergegangenes Haus
(K) Kurzbeschreibung

  1. Behrenhoff, straßenseitiges Parktor von Südwesten, März 2006; Foto D. Schnell

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