Baumgarten (Włodzisław)
Den Ort Baumgarten (Włodzisław) erreicht man auf der Landstraße Gülzow–Pribbernow nach sechs Kilometern Wegstrecke. Erstmals erwähnt wird das Gemeinwesen mit der Nennung eines Johannes Baumgarten auf B. im Jahre 1438. Nachfolgend fiel das Lehen an die von Flemming, die dort 1491 mit Heinrich Kurt und Joachim von Flemming in Erscheinung traten. 1599 lagen im Ort 31 Hufen unter dem Pflug. Der damalige Besitzer Ewald von Flemming legte drei Bauern, sodass deren Höfe in der Folgezeit wüst wurden.1628 war Baumgarten in drei Anteile geteilt. Gemeinsam verfügten sie über „18½ Hh, 4½ Kossäten“, einen Schäfer und einen Krug. Außerdem werden ein Jahrhundert später genannt: ein Vorwerk, acht Bauern und fünf Kossäten.[1] 1840 fiel der Ort von den Erben des Erblandmarschalls Julius Friedrich Wilhelm von Flemming auf Böck (1751–1838)[2] an den Major Julius von Flemming (hatte seinen Wohnsitz in Cammin). Dieser musste sich jedoch schon bald mit dem Konkursrichter auseinandersetzen und Baumgarten 1846 öffentlich versteigern lassen. Den Zuschlag erhielt Christian Friedrich Hasse. Zu dessen Besitznachfolgern gehörten Gottlieb Hasse (wird im Mai 1855 namhaft gemacht), Joachim Friedrich Tiedtke (von Ende 1855 bis nach 1870),[3] Paul Klütz (um 1911) und Dr. Reinhard Leistikow (wird 1939 erwähnt).
1939 wies das Gut einen Flächenumfang von 374 Hektar auf, davon waren 335 Hektar Acker und Gärten, zehn Hektar Weiden und vier Hektar Holzungen. Darüber hinaus gebot der landwirtschaftliche Großbetrieb über folgenden Viehbestand: 28 Pferde, 220 Stück Rindvieh und 100 Schweine.[4]
Im Frühjahr 1945 wurde Baumgarten von der Rote Armee besetzt. Damit fiel das Gut in den Kompetenzbereich der sowjetischen Administration, aus dem es nachfolgend in polnischen Besitz überging. Die Einwohner von Baumgarten wurden, soweit sie nicht bereits geflohen waren, nunmehr vertrieben.
Das dortige Herrenhaus ist ein stattlicher L-förmiger Gebäudekomplex. Der in Richtung Ost–West streichende Haupttrakt (Putzbau, 10 × 3 Achsen, zweigeschossig, unterkellert, neu eingedecktes Satteldach, an westlicher Giebelseite kleiner eingeschossiger Anbau) scheint um 1850 errichtet worden zu sein. An ihm schließt sich in Verlängerung der östlichen Schmalseite der Südflügel an (8 × 3 Achsen, zweigeschossig, unterkellert, ebenfalls neu eingedecktes Satteldach, etwas höher liegende Traufe, wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeführt), der an der Westseite mit einem Portikus, dem gegenwärtig einzigen „Fassadenschmuck“, aufwarten kann. Das schon seit mehreren Dezennien bewohnte Haus ist im Kern noch gut erhalten, auch wenn sein Putzbelag heute (2010) schon vereinzelt einige Schadstellen aufweist.
Von der kleinen historischen Parkanlage mit ihren straßennahen Teichen ist nur noch wenig auf uns überkommen. Im Gegensatz dazu haben zwei baufällige Ökonomiegebäude aus der Vorkriegsära die Zeiten überdauert. Da sie aber so gut wie nicht mehr genutzt werden, ist ihr Verfall vorprogrammiert.
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[1] Bronisch, Gerhard; Ohle, Walter (Bearb.): Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Kammin Land, hrsg. v. Provinzialverband v. Pommern im Auftrag d. Provinzialkonservators, Stettin 1939, S. 103
[2] Harder, Günter: Marschall Vorwärts, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 33/01, 18. August 2001, S. 16
[3] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. VI, enthaltend die Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam und Berlin 1870, S. 357f.
[4] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
- Baumgarten (Włodzisław), Herrenhaus von Süden, Mai 2010; Foto: D. Schnell
