Battinsthal
Von Battinsthal bis nach Penkun sind es bei Fahrtrichtung Süd und dem Unterqueren der Autobahntrasse Berlin–Stettin nur wenige Kilometer Wegstrecke. Der Ort „ist in der Zeit des Übergangs vom 17. zum 18. Jahrhundert von dem Obersten Heinrich von der Osten, dem damaligen Besitzer der Penkunschen Güter, zu denen, insonderheit zur Feldmark Storkow, der Grund und Boden gehörte, als Vorwerk angelegt, und in der Folge an den gegraften Zweig der Hackes übergegangen. Dies geschah 1756" (siehe hierzu auch Beitrag Penkun).[1] Dabei ist zu bemerken, dass dem Vorwerk im Zuge seiner Veräußerung alle ritterschaftlichen Rechte übertragen wurden. Außerdem sei hier auf die bis 1818 währende Inbesitznahme des nunmehrigen Rittergutes durch die von Hacke hingewiesen. Zu deren Besitznachfolgern zählten
- der Kammerherr Carl Friedrich von Schuckmann (von 1818 bis 1831, stammte aus dem Hause Möllen im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, legte das Vorwerk Schuckmannshöhe an),
- die Witwe Dorothea Charlotte Benedicta Wilhelmine von Schuckmann geb. von Kortzfleisch (von 1831 bis 1856, stammte aus Ostpreußen, in den letzten Lebensjahren erblindet, gründete die Schuckmannsche Familienstiftung),
- die besagte Familienstiftung (von 1856 bis 1863, Verwalter war anfangs ein Herr Prager und später der Administrator Bachmann),
- der vorgenannte Administrator Bachmann (ab 1863, fungierte als Pächter von Battinsthal und Schuckmannshöhe)[2]
- und erneut die Schuckmannsche Familienstiftung (wenigstens von 1911 bis 1945).[3]
Im Jahre 1911 verfügte das 906 Hektar umfassende Gut mit dem Vorwerk Schuckmannshöhe über folgende Nutzungsflächen: 740 Hektar Acker und Gärten, 89 Hektar Wiesen, 60 Hektar Weiden, drei Hektar Holzungen und 15 Hektar Gewässer. Zudem hatte der landwirtschaftliche Großbetrieb nachstehenden Viehbesatz eingestallt: 100 Pferde, 500 Stück Rindvieh und 20 Schweine.[4]
Das auf uns überkommene Herrenhaus (Putzbau von 9 × 3 Achsen, eingeschossig, Souterrain aus gespaltenen Findlingen, Mansarddach mit Schopf, Fledermaus- und Giebelgauben) ist an seiner Nordost- beziehungsweise Hofseite am Eingangsbereich loggiaartig nach hinten eingerückt, mit zwei Säulen toskanischer Ordnung versehen und wahrscheinlich um 1850 errichtet worden. Bis in das Jahr 1996 stand es nicht nur leer, sondern es wies auch erste Verfallserscheinungen auf.
Da dies gleichermaßen 2008 der Fall war,[5] ist es um so erstaunlicher, dass das Haus heute (2012) wieder in neuem Glanz erstrahlt. Gegenwärtig liegen sowohl der alte Adelssitz als auch das benachbarte „Schlösschen“ (Putzbau von 7 × 4 Achsen, eingeschossig, unterkellert, Satteldach, an Hofseite zweigeschossiger Mittel- und Eckrisalit, vor ersterem Terrasse mit Freitreppe, an Parkseite kleiner Anbau, erhielt 1899 seine jetzige Form) in der Hand privater Eigentümer, die der weitverzweigten Familie von Schuckmann angehören.[6]
In der ungefähr acht Hektar großen Parkanlage befindet sich der Battinsthaler Friedhof, auf dem einige herrschaftliche Grabmale die Nachwendezeit überdauert haben. Überdies ist der Park Standort der Schuckmann'schen Grabkapelle (materialsichtiger Backsteinbau mit kompaktem Baukörper, an Westseite halbrunde Apsis, an Gegenseite zweiläufige Freitreppe, auf Satteldach Dachreiter, gewölbte Apsis- und Hallendecke mit blaugetünchtem Sternenhimmel, 1845 nach dem Entwurf des Schinkel-Schülers Gustav Stier erbaut), welche „1856 mit der Beisetzung der Kammerherrin von Schuckmann eingeweiht“ wurde. [7] Im Jahre 1996 zeigte sich der Sakralbau noch sehr desolat, doch gehört dieser Negativbefund laut Hinweistafel am Gemäuer dank der von Schuckmann'schen Nachfahren, einiger Ortsbewohner und der Fördergelder des Landes und der EU seit 2007 der Vergangenheit an. Noch nicht vollendet ist die Renovierung des Kapelleninneren, sodass der oben genannte Sternenhimmel noch mehrere Lücken aufweist.
Vor dem Gotteshaus fanden 30 gefallene Soldaten der deutschen Wehrmacht ihre letzte Ruhestätte. Daran und an das Leid des Krieges erinnert ein vor 1996 gesetzter Gedenkstein mit folgender Aufschrift:
"ZUM GEDENKEN
AN ALLE OPFER
DES ZWEITEN WELTKRIEGES
30 VON IHNEN
RUHEN HIER
GEFALLEN IM APRIL 1945"
In Battinsthal gibt es einen Ortsverein, der für die Pflege des Parks und der Grabkapelle in Verantwortung steht. Wie es scheint, gehören dem Verein auch einige Künstler an, da die großflächige Anlage mit mehreren Holzskulpturen und zwei der Märchenwelt entlehnten „Baumschraten“ aufwarten kann.
Zu den nennenswerten Gebäuden des Ortes gehört überdies die funktionslos gewordene Gutsbrennerei, deren hochaufragender Schlot nicht mehr ganz die Lotrechte hält. Brennereigebäude dieser Art wurden vor allem in Hinter- und Altvorpommern errichtet, wogegen sie in Neuvorpommern kaum vorkommen.
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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. II, enthaltend: den Randowschen Kreis und Allgemeines über die Kreise auf dem linken Oder-Ufer, Anklam und Berlin 1865, S. 1554
[2] Ebd., S. 1554 ff.
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911; siehe auch o. A.: Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, Wochenkalender 2008, hrsg. v. I. Zander u. J. Matuschat, Neu Bartelshagen 2008, Juli, Woche 28
[4] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[5] o. A.: Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, Wochenkalender 2008, hrsg. v. I. Zander u. J. Matuschat, Neu Bartelshagen 2008, Juli, Woche 28
[6] Angaben einer Battinsthaler Bürgerin zur jüngsten Historie des dortigen Herrenhauses und seines Nebengebäudes, 25. November 2012; siehe auch o. A.: Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, Wochenkalender 2008, hrsg. v. I. Zander u. J. Matuschat, Neu Bartelshagen 2008, Woche 28
[7] o. A.: Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, Wochenkalender 2008, hrsg. v. I. Zander u. J. Matuschat, Neu Bartelshagen 2008, Juli, Woche 28
- Battinsthal, Herrenhaus, Hof- bzw. Ostseite, April 1996; Foto: D. Schnell
- Battinsthal, Herrenhaus, Hof- bzw. Ostseite, November 2012; Foto: D. Schnell
- Battinsthal, sog. Schlösschen von Nordosten, November 2012; Foto: D. Schnell
- Battinsthal, Schuckmann'sche Grabkapelle von Nordosten, November 2012; Foto: D. Schnell
- Battinsthal, Schuckmann'sche Grabkapelle von Nordwesten, November 2012; Foto: D. Schnell
- Battinsthal, Schuckmann'sche Grabkapelle, Deckengewölbe der Apsis, November 2012; Foto: D. Schnell
