Bassin
Etwa auf halbem Wege zwischen Grimmen und Tribsees liegt in Nähe des südlichen Talhangs der Trebelniederung der Ort Bassin. Im Jahre 1666 gehörte das gleichnamige Gut der Familie von Schwerin. 1728 fiel der Besitz jedoch an einen Herrn von Schmalensee, der überdies auch über die Güter Leyerhof und Dönnie verfügte. Knapp 50 Jahre später gelangten Bassin und Leyerhof an die von Tigerström. Kaum bekannt ist, dass „Wilhelmine Tigerström, die am 5. Juni 1795 in Bassin geboren wurde und am 13. Mai 1875 in Greifswald starb, die Großmutter des Flugpioniers Otto Lilienthal war“.[1] Im Jahre 1870 schied Leyerhof aus dem Besitz der oben genannte Familie aus, die immerhin bis ins 20. Jahrhundert hinein auf dem Gut Bassin gesessen war. Ihr letzter Vertreter vor Ort war Ernst Wilhelm von Tigerström (wenigstens von 1911 bis 1928). Da sein fast 500 Hektar großes Gut auf Grund der komplizierten wirtschaftlichen Lage auf dem Agrarmarkt nicht mehr konkurrenzfähig war, wurde es 1931 zwangsversteigert. Den Zuschlag auf der Auktion erhielt der Landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsverein Grimmen (gehörte zu den größten seiner Art in Deutschland). Dessen Besitznachfolger wurde der Direktor des Vereins, Paul Krüger, der seit 1932 aufgrund seiner Verdienste um das Genossenschaftswesen Ehrensenator der Alma Mater Gryphiswaldensis - der Universität Greifswald - war. Von diesem fiel das landwirtschaftliche Unternehmen 1938 an Ernst Günter Krüger (Sohn des Vorgenannten). Da der neue Inhaber „während des Krieges auf dem Gut beschäftigte sowjetische Kriegsgefangene erschlug, wurde er 1945 von Soldaten der Roten Armee hingerichtet“.[2]
Im Jahre 1911 verfügte der 478 Hektar umfassende Agrarbetrieb über folgende Nutzflächen: 354 Hektar Acker und Gärten, 42 Hektar Wiesen, 9,5 Hektar Weiden und 81,5 Hektar Holzungen. Außerdem gebot das Gut über nachstehenden Viehbesatz: 28 Pferde, 80 Stück Rindvieh, 425 Schafe und 70 Schweine.[3]
Das bis heute (Anfang 2014) erhaltene Herrenhaus (bei elf Achsen ca. 31 × 15 Meter, Streichrichtung Ost–West, zweigeschossig, eingewölbtes Souterrain, dessen Außenmauern aus gespaltenen Findlingen) wurde 1895 errichtet. An seiner Nord- beziehungsweise Hofseite sind zwei Eckrisalite und ein Mittelrisalit; alle drei Exemplare werden von Pilastern flankiert (und sind äußerst dezent ausgeprägt, Anmerkung F. Süss). Auf der Gartenseite befinden sich Pendants der beiden zurückhaltenden Eckrisalite. Vor dem Mittelrisalit befindet sich eine Auffahrtsrampe.
Der Neubau war insofern notwendig geworden, da das ehemals etwas weiter nördlich stockende Vorgängergebäude 1875 nach einem Brand abgetragen werden musste.
Das hier vorgestellte Herrenhaus hatte wenigstens bis 1928 ein anderes Aussehen: Alle vier zweigeschossigen Eckrisalite verfügten über je einen Dreiecksgiebel, außerdem wurden sie von schlanken, mit Zinnenkronen bestückten Türmchen begrenzt; ihre Satteldächer verliefen quer zur Hauslängsachse; der zwischen den Risaliten liegende Gebäudeabschnitt war nur eingeschossig, jedoch mit einem Drempel versehen und die Achsen des Erdgeschosses besaßen Kragplattenverdachungen. So wie oben beschrieben, sah das Herrenhaus dem Jarchower Adelssitz bei Kolberg vor 1945 sehr ähnlich.
Wie es scheint, wurde das ehemals herrschaftliche Gebäude in Bassin zu DDR-Zeiten nicht nur aufgestockt und mit einem durchgehenden einheitlichen Dach versehen, sondern auch seine Fensterverdachungen und Türmchen mussten dem damaligen Zeitgeist weichen.
„Nach 1945 erfolgte im Gutshaus die Unterbringung von Flüchtlingen. Einige Jahre später wurden in dem Gebäude eine Verkaufsstelle und der Kindergarten des Ortes untergebracht. 1968 begann der Bau des KIM (Kombinat Industrielle Mast). In dem Geflügelaufzuchtbetrieb waren bis zu 220 Menschen beschäftigt. 1991 wurde die Anlage privatisiert.“[4]
Anfang Januar 2014 stand das Herrenhaus leer, doch deuteten in seinem unmittelbaren Umfeld einige Gebrauchsgegenstände wie Grillstand, Plastikstühle und Windschutzschirm darauf hin, dass das Haus und der sich anschließende Garten in der wärmeren Jahreszeit noch in Nutzung sind. Nach Aussage eines in der Nähe wohnenden Einwohners von Bassin soll das ehemals herrschaftliche Anwesen nun einem neuen Eigentümer aus Bayern gehören.
–––
[1] Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, Leyerhof 2008, S. 11
[2] Ebd., S. 11 sowie Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911
[4] Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, Leyerhof 2008, S. 11
- Bassin, Herrenhaus, Hof- bzw. Nordseite, Januar 2014; Foto: D. Schnell
- Bassin, Herrenhaus, Südseite, Januar 2014; Foto: D. Schnell
- Bassin, ruinöser Stall, Ostseite, Januar 2014; Foto: D. Schnell
