Albrechtsdorf

Albrechtsdorf (Karszno) tangiert mit seiner Feldflur das Ostufer des Neuwarper Sees, der zur Zeit der nachwendezeitlichen Butterfahrten ein stark frequentiertes Grenzgewässer zwischen dem deutschen Alt- und dem nun polnischen Neuwarp war. Ursprünglich hieß das abseits der großen Heerstraßen gelegene Gemeinwesen Aluerstorpe, Aluerstorff, Aluerstorp beziehungsweise Voget Albersdorp.

Im späten Mittelalter gehörte der Ort dem ritterschaftlichen Geschlecht de Palude, dessen Name sich im Laufe der Jahrhunderte wie folgt änderte: de Palude, van dem Broke, Broeke, Bruke, Broker und letztendlich von Broeker (von dem Bruche). Erstmals wird das Geschlecht, dessen „Besitztitel von Albrechtsdorf“ auf Engste mit den Gütern Rieth und Vogelsang verbunden war, im Jahre 1284 erwähnt, und zwar anlässlich der durch Herzog Bogislaw IV. vorgenommenen Bestätigung des Zolls der Stadt Tanglim (Anklam), den diese von Hermann de Palude käuflich erworben hatte. 40 Jahre später verlieh Herzog Otto I. „dem Timmo Mukerwitsch und den Gebrüdern Nicolaus, Bernhard und Timmo de Palude oder Broeker die Fischerei im Haff vor Warsin“.[1] Ein weiterer Vertreter dieser auf Albrechtsdorf gesessenen Familie war der Ritter Curd Brucker (erscheint 1368 und 1374 in den Annalen). 1412 wurde der Ort von Herzog Swantibor III. dem Kloster Jasenitz übereignet. Wahrscheinlich währte die Zugehörigkeit zu Jasenitz bis zur Säkularisation der Klöster im Jahre 1534. Am Ende des 16. Jahrhunderts hatte die alteingesessene Familie von Broeker jedoch wieder die Lehnsrechte an Albrechtsdorf inne (wurde dort besitzrechtlich von Jürgen B. vertreten). Zu den weiteren Inhabern des Ortes gehörten später: Hans Jürgen Broeker (wird 1632 erwähnt, Sohn des Vorgenannten), die Broeker (werden 1681 namhaft gemacht), der Major Jürgen Lorenz von Kleist (von 1728 bis 1738), der Obergerichtsrat Gustav Friedrich von Broeker (ab 1738), der Cornet Ludwig Gustav von Broeker (bis 1756, einziger Sohn des Vorgenannten, fiel im Siebenjährigen Krieg auf „dem Felde der Ehre“), der nachmalige Generalleutnant und Staatsminister Carl Heinrich von Wedell (von 1756 bis 1766, Ehegatte der Schwester des oben genannte Cornets), Gotthilf Christian von Enckevort (von 1766 bis 1790, jüngster Sohn des Bernd Friedrich von Enckevort auf Vogelsang), der Kriegs- und Domänenrat Georg Wilhelm von Hill (von 1790 bis 1800), Carl Friedrich von Enckevort (ab 1800, Neffe des Gotthilf von Enckevort), der Kreisdeputierte Eduard Friedrich von Enckevort (wird 1865 erwähnt, Sohn des Vorbesitzers)[2] und Frau Klara von Enckevort geb. Förster (wird 1911 genannt).[3]

1911 verfügte Gut Albrechtsdorf über einen Flächenumfang von 799 Hektar, davon waren 148 Hektar Acker und Gärten, 149 Hektar Grünland und 492 Hektar Holzungen. Außerdem gebot der land- und forstwirtschaftliche Großbetrieb über folgenden Viehbesatz: 20 Pferde, 67 Rinder, 119 Schafe und 122 Schweine.[4]

Nach der Anfang März 1945 erfolgten Einnahme von Albrechtsdorf durch die Rote Armee wurden alle dortigen Deutschen, soweit sie nicht schon geflohen beziehungsweise nach der Flucht wieder zurückgekehrt waren, aus dem Ort gewiesen. Polnische Familien siedelten sich in den folgenden Monaten im Dorf an.

Das auf uns überkommene Herrenhaus (Streichrichtung Südwest–Nordost, backsteinsichtig, u-förmiger Grundriss, zweigeschossig, hohes Souterrain, Eckquaderung, unter Traufe Konsolreihe, an der Hoffront neun Achsen, an der Seeseite 13 Achsen, die um ca. fünf Meter vorspringenden flügelartigen Eckrisalite an der letztgenannten Seite mit polygonalem Schluss, dieser jeweils von drei Achsen durchbrochen, zwischen den Risaliten auf Arkaden ruhende Terrasse) wurde 1898 errichtet.[5] Zudem weist das Haus zwei Mittelrisalite auf (das nordwestseitige Exemplar: drei Achsen, Rundbogenfenster, oberer Abschluss durch schmales Zwerchhaus mit Volutengiebel, vorgelagerte Terrasse; das südostseitige Gegenstück: ebenfalls drei Achsen und Rundbogenfenster, Obergeschoss mit Pilastergliederung, unter dem Traufgesims Wappenstein derer von Enckevort, darüber gleichermaßen schmales Zwerchhaus mit Volutengiebel, vor dem Portal überdachte Terrasse mit Freitreppe). Dominiert wird der alte Adelssitz an seiner nordöstlichen Schmalseite von einem dreigeschossigen Rechteckturm, dessen flache Haube kaum über den Dachfirst hinausreicht.

Aufgrund seiner grenznahen und abseitigen Lage am Neuwarper See wurde und wird das sogenannte Schloss als Leitstelle des polnischen Grenzschutzes genutzt. Um den für derartige Objekte erforderlichen Sicherheitsstandard zu erfüllen, friedete man das Hausumfeld mit einem übermannhohen Drahtzaun ein.

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[1] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. I, enthaltend: die Kreise Demmin, Anklam, Usedom-Wollin und Ueckermünde, Anklam und Berlin 1865, S. 1072

[2] Ebd., S. 1072ff.

[3] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911

[4] Ebd.

[5] Hantke, Max: Der Kreis Ückermünde. Ein Beitrag zur Heimat- und Jugendpflege, Pasewalk 1914, S. 162 sowie Google Earth: Albrechtsdorf (Karczno), Luftbild/Bilder 2000/2009, eingesehen am 22.01.2014

1. Albrechtsdorf (Karczno), Herrenhaus, Südostseite, Februar 2008; Foto: D. Schnell

2. Albrechtsdorf (Karczno), Herrenhaus, Eingangsbereich an der Südostseite, Mai 2002; Foto: D. Schnell

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