Daber (Dobra)
Die kleine Ackerbürgerstadt Daber (Dobra) erhebt sich auf einem flachen Landsporn auf halbem Wege zwischen Naugard und Freienwalde. Frühestens erwähnt wird die Landschaft Daber im Jahre 1257 und 1295 wird erstmals von einer gleichnamigen Veste (castrum) gesprochen, die anstelle einer slawischen Burg von den Templern am Dabersee errichtet worden sein soll. Im Schutze der Burg entwickelte sich schon bald eine von deutschen Kolonisten gegründete Siedlung. Es wird angenommen, dass dem Gemeinwesen vor oder um 1331 das lübische Stadtrecht verliehen wurde.[1]
1352 belehnten die pommerschen Herzöge Wartislaw V. und Bogislaw V. das mecklenburgische Geschlecht der Dewitze, Grafen von Fürstenberg, mit dem Land Daber. Die ersten Lehnsträger waren Jacob Graf von Fürstenberg (wird 1352 genannt) und Ulrich Graf von Fürstenberg (wird 1354 namhaft gemacht).
Zu deren Besitznachfolgern gehörten unter anderem:
- „junior comes de Dewicz“ und „Gernold von Devs czur Dewir“ (werden 1389 erwähnt),
- Ulrich, Bernth, Zuls und Hans von Dedwitz (werden 1461 genannt, bestätigen ihrer Mediatstadt Daber die Privilegien),
- Achim v. Dewitz (wird 1493 erwähnt, er tauschte 1497 Meterit Herzog Bogislaw X. das halbe Schloss Daber und das halbe „Städchen“ gleichen Namens sowie die dazugehörigen Dörfer gegen den Ort und das Schloss Satzig nebst „dem Angefäll auf das Güntersbergsche Lehen Ravenstein“ ein, der Tausch verlor allerdings um 1520 seine Rechtskraft),
- die Brüder Jürgen und Henning v. D. (werden 1523 genannt, mussten bei der Musterung der Kriegsdienstpflichtigen insgesamt 14 Pferde, darunter zwei „verdeckte“, das heißt gepanzerte Hengste stellen) [2]
- und der „pommersch-wolgastische Kanzler“ Jobst von Dewitz (1491–1542, war mit Ottilie von Arnim vermählt).[3]
Auch nachfolgend ist Schloss Daber Mittelpunkt der umfangreichen Besitzungen der Herren von Dewitz geblieben, die zu Beginn des 17. Jahrhundert über eine ganze Anzahl von Afterlehnsleuten verfügten. Es waren dies: die Prechele, die Hanover, die Suringe, die Lebiner, Hinrick Schnelle, die Weigere und Henning Klemtze.
Nach der Hufenmatrikel von 1628 gehörten außer dem Schloss und der Stadt Daber zur Dewitzschen Begüterung folgende Orte: Plantekow, Bornhagen, Farbezin, Kultze (Kultzke), Radamb, Schonow, Schlossin, Maldesin, Hoickenwerk, Malchow, Salmow, Haselow, Roggo, Mesow, Brunßberg, Bredenfeld, Weitenhagen, Cramerstorff, Voigtshagen, Garchelin, Gustemin, Schmolßdorff, Schonenwalde, Großen Benz, Lütken Benz, Wussow und Margenhagen. Dazu kamen außerdem noch die Güter der oben genannte Afterlehnsleute.[4]
Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag der Besitz in den Händen der Vettern Heinrich, Georg, Georg Heinrich und Bernd von Dewitz. Aus ihren umfangreichen Ländereien wurde der Daber-Dewitzsche Kreis gebildet, der als Verwaltungseinheit bis zum Jahre 1817 Bestand hatte. Landrat war in der Regel ein Familienmitglied derer von Dewitz. Ihm unterstanden im 17. Jahrhundert die Stadt Daber sowie 42 Güter und Ortschaften.
Kurz vor 1700 gehörten zum Daberschen Güterkomplex unter anderem:
- zwei in der Stadt Daber und in deren Feldmark gelegene Ackerwerke, ein außerhalb der Stadt gelegenes Ackerwerk mit zwei Schäfereien, das später als „Daber Freiheit“ bezeichnete Gut nebst einem Anteil an der Stadt Daber;
- die Feldmark Lütkenhagen;
- ein Anteil von 200 Hektar an der Forst Harmelsdorf;
- ein Anteil an den Mühlenpachten der Daberschen Wassermühle,
- die Fischerei auf dem Daber- und Ockersee
- ein Halbbauernhof in Schönwald.
Anfang des 18. Jahrhundert zerfiel das Gut Daber in drei Anteile. Der Landrat Christian Heinrich von Dewitz erbte von seinem Vater Gustav Georg „Daber c“. 1728 konnte er durch Tausch auch „Daber a“ und „Daber b“ (letzteres durch Einlösung einer Pfandsumme) hinzuerwerben. Nach dem Tode des Landrats im Jahre 1774 gelangten alle drei Anteile an seinen Sohn Joseph Friedrich v. D.
Zu dessen Besitznachfolgern zählten:
- der Leutnant Carl Friedrich Ludwig von Dewitz (etwa von 1804 bis 1808, besaß außer Daber noch Groß Benz und Daberkow),
- ein Herr Müller und die Gebrüder Kannenberg (von 1808 bis Anfang 1821),
- der Hauptmann und Landschaftsdirektor Leopold Ludwig von Dewitz (von 1821 bis 1846),
- Carl Julius Lüpcke (von 1848 bis 1861),
- der Landrat a. D. von Diest (ab 1861),[5]
- der Generalleutnant a. D. Heinrich von Diest (wird 1911 genannt)
- und der Major der Reserve Heinrich von Diest (wird 1939 erwähnt).[6]
Infolge des Zweiten Weltkrieges fiel Daber 1945 an Polen. Daraufhin mussten die deutschen Einwohner ihr Zuhause verlassen und sich jenseits der Oder eine neue Unterkunft suchen.
Die angeblich den Templern zugeschriebene Burg Daber wurde auf einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel von ca. 55 × 50 Meter Seitenlänge (Streichrichtung Nord-Süd) und 6 Meter Höhe am Ende des 13. Jahrhundert aufgeführt.[7]Den von einer Futtermauer (teilweise noch vorhanden) eingefasst gewesenen Böschungsfuß des Hügels umspülten einst die Wasser des Dabersees (vor dessen Trockenlegung) und die eines Grabens, der die Burg von der Stadt abgrenzte. Das sich bis in die Gegenwart erhaltene Untergeschoss des Bergfrieds (10 × 10 Meter, aus Feld- und Backsteinen an der Nordwestecke der Anlage errichtet) scheint neben einigen Futtermauerresten noch aus dieser Zeit zu stammen.
Als die von Dewitz 1352 Meterit dem Land Daber belehnt wurden, nahmen sie nach allem Dafürhalten auch die dortige Burg in Besitz. Sicher gehörten zur Veste schon damals die oben genannte Baulichkeiten sowie eine Ringmauer und ein herrschaftliches Wohngebäude, das möglicherweise um 1360, eventuell aber auch erst einige Jahrzehnte später durch einen Neubau ersetzt wurde. Dieses sogenannte Alte Haus (ursprünglich: 10 Meter breit und ca. 28 Meter lang, Wandstärke 2 Meter, dreigeschossig, Vorhangbogenfenster, backsteinsichtig) hat sich bis heute in rudimentärer Form erhalten.
1373 schloss Kaiser Karl IV., der mit der Herzogstochter Elisabeth von Pommern vermählt war, mit dem Greifenhaus auf der Burg Daber ein Landfriedensbündnis. In Anbetracht dessen, ist wohl davon auszugehen, dass die Veste im 14. Jahrhundert in fortifikatorischer und baulicher Hinsicht zu den stattlichsten Wehrbauten Pommerns gehörte.[8]
1538 ließ Jobst von Dewitz 10 Meter südwestlich des Altbaus, und zwar parallel zu diesem, das sog Neue Haus errichten (ursprünglich: Putzbau, 32 Meter lang, etwa 20 Meter breit, dreigeschossig, diverse Rundbogen- und Vorhangbogenfenster, Eckquaderung, Fassadenputz mit Rautenmuster), von dem die gesamte Hof- beziehungsweise Nordseite auf uns überkommen ist.[9] Zu den architektonischen Highlights dieser Seite gehört eine breite, fast traufhohe Bogennische. Hinter ihrer Leibung haben zwei Treppentürme, der eine etwas mehr, der anderer etwas weniger, die Zeiten überdauert. Da die Hofseite nicht durchgehend fluchtet, sondern ein Teil derselben geringfügig nach hinten versetzt, wird der linke Kämpfer des Kolossalbogens (vom Hof aus gesehen) von einer Konsole gestützt. Daran schließt sich in Richtung Gebäudeecke ein langsam ansteigender Rundbogenfries an. Über das Hausinnere, so wie es sich dem Besucher zu Beginn des 17. Jahrhundert darbot, berichtet uns Kamila Wójcik Folgendes:
„Die Raumstruktur des Neuen Hauses wurde in eine in der Mitte gelegene Diele und zweiseitlich anliegende große Säle aufgeteilt. Wohnräume gab es auf zwei Etagen. Urkundlich sind 13 Zimmer, zwei große Säle und zwei goldene Gemächer’ erwähnt.“[10]
Am Neuen Haus war eine Inschriftenplatte (sie schmückte später das Herrenhaus in Maldewin) mit dem Erbauungsdatum 1538, den Namen des Bauherrn und seiner Gattin sowie deren Wappen angebracht. Da der umfangreiche Schlosskomplex Gesamthandbesitz derer von Dewitz war, kam es Mitte des 17. Jahrhundert seitens einiger Familienmitglieder zu Versäumnissen bei der Gebäudeinstandhaltung. Um dem Einhalt zu gebieten, richtete Matthias von Krockow 1654 eine Eingabe an das kurbrandenburgische Hofgericht in Kolberg. Die darauf erlassene Verfügung lautet unter anderem:
„Wir befehlen euch hiermit ernstlich, dass ihr diesen Sommer die unfehlbare Beschaffung thuet, damit das Haus im baulichen Wesen erhalten und Supplicanten (Bittsteller) durch eure Nachlässigkeit kein Schaden zugezogen werde.“[11]
Trotz der mahnenden Worte aus Kolberg schritt der Verfall des Neuen Hauses weiter voran, sodass es in der Folgezeit mehr und mehr zur Ruine verkam. Nach einer Zeichnung aus dem Jahre 1770 hatte der renaissancezeitliche Bau nicht nur das Dach eingebüßt, sondern in seiner südöstlichen Schmalseite klaffte auch eine firsthohe Lücke und von den Zwischendecken schienen nur noch einige Restbestände die Waage zu halten. Außerdem war das Alte Haus zum Teil abgängig. Unter der oben genannten Zeichnung steht folgender, in lateinischer Sprache verfasster Reimspruch:
„Mag dieser stolze Bau, wie es der Zeiten Recht, / Einst edler Ahnherrn Sitz, in Trümmern jetzt vergehn – / So lang der Väter Wert im Dewitzschen Geschlecht / sich unverkürzt erneut, wird blühend es bestehn!“[12]
Um 1810 ließen die damaligen Besitzer von Daber Freiheit einen Teil der Ruine abtragen beziehungsweise sprengen, was den Unwillen der Provinzialregierung und einiger Gutsherrn aus der Nachbarschaft hervorrief. Knapp 50 Jahre später bat C. J. Lüpcke Berlin um finanzielle Unterstützung bei der Sicherung der nun ihm gehörenden Ruine. Daraufhin veranlasste der preußische Prinzregent mittels Erlasses von 1859 die Bewilligung von 425 Thlr. Da sich auch die Herren von Dewitz, der Protagonist Lüpcke und der Landrat von Bismark finanziell an den Sicherungsmaßnahmen beteiligten, konnten diese schon bald zum Abschluss gebracht werden.[13]
Die ersten Jahrzehnte nach 1945 diente das alte Gemäuer den jetzt polnischen Jugendlichen von Daber als Abenteuerspielplatz, auf dem sie kokelten und Räuber und Gendarm spielten. Heute (2007) wird der Burgberg mit seiner wieder instandgesetzten Ruinenbebauung vor allem touristisch vermarktet. Dafür sorgen mehrere Hinweisschilder und Informationstafeln, die die Stadtverwaltung am Böschungsfuß der Anlage aufstellen ließ.
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[1] Hinz, Johannes: Pommern-Lexikon für alle, die Pommern lieben, Würzburg 1994, S. 78
[2] Lemcke, Hugo (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Stettin, hrsg. i. Auftr. d. Ges. f. Pom. Gesch. u. Altertumskunde, Heft IX: Der Kreis Naugard, Stettin 1910, S. 326
[3] Hinz, Johannes: Pommern-Lexikon für alle, die Pommern lieben, Würzburg 1994, S. 78 sowie Bock, Sabine: Das Schloss Daber, Faltblatt f. d. Exkursion d. AG f. pom. Kirchengesch., 2002
[4] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. V, Abth. 1, enthaltend die Eigenthumsortschaften der Stadt Stargard und vom Naugarder Kreise die erste Hälfte, Berlin und Wriezen a/O./Stargard an der Ihna 1872, S. 327
[5] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. V, Abth. 1, enthaltend die Eigenthumsortschaften der Stadt Stargard und vom Naugarder Kreise die erste Hälfte, Berlin und Wriezen a/O./Stargard an der Ihna 1872, S. 328f.
[6] Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Bd. 3, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1911 u. 1939
[7] Bock, Sabine: Das Schloss Daber, Faltblatt f. d. Exkursion d. AG f. pom. Kirchengesch., 2002 ; nach Zamki i rezydencje na pomorzu, Schlösser und Herrenhäuser in Pommern, Wydawca: Zamek Książt Pomorskich w Szczecinie, 2006, S. 57ff. wurde die Burg in der 2. H. des 13. Jahrhundert von Pribislaw aus Parchim errichtet
[8] Hinz, Johannes: Pommern-Lexikon für alle, die Pommern lieben, Würzburg 1994, S. 78
[9] Lemcke, Hugo (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Stettin, hrsg. i. Auftr. d. Ges. f. Pom. Gesch. u. Altertumskunde, Heft IX: Der Kreis Naugard, Stettin 1910, S. 166f.
[10] Zamki i rezydencje na pomorzu, Schlösser und Herrenhäuser in Pommern, Wydawca: Zamek Książt Pomorskich w Szczecinie, 2006, S. 59
[11] Bock, Sabine: Das Schloss Daber, Faltblatt f. d. Exkursion d. AG f. pom. Kirchengesch., 2002
[12] Ebd.
[13] Berghaus, Heinrich: Landbuch des Herzogthums Pommern, II. Th., Bd. V, Abth. 1, enthaltend die Eigenthumsortschaften der Stadt Stargard und vom Naugarder Kreise die erste Hälfte, Berlin und Wriezen a/O./Stargard an der Ihna 1872, S. 329f.
- Daber (Dobra), Schloßruine von Südwesten, März 1995; Foto: D. Schnell
- Daber (Dobra), Ruine des Neuen Schlosses, Nordostseite, Oktober 2007; Foto: D. Schnell
- Daber (Dobra), Schloss- und Burganlage von Südwesten, Oktober 2007; Foto: D. Schnell
