Cammin (Kamień Pomorski)
Die alte Bischofsstadt Cammin (Kamień Pomorski), gegenüber der Insel Gristow am Camminer Bodden, einer Ausweitung der Dievenow, gelegen, gehört zu den bedeutendsten Siedlungsplätzen Pommerns.
Auf dem Standort der heutigen altstädtischen St. Marienkirche existierte in pomoranischer Zeit eine wehrhafte Wallburg, die laut G. Biastoch schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts vor Ort präsent war. [1] Erwähnung findet die später zur „Burgstadt“ (Burg des Landesherrn in oder am Rande einer be- oder teilbefestigten Siedlung)[2] erweiterte Veste anlässlich der 1107 ausgefochtenen Kämpfe zwischen den Pomoranen und dem Heer des polnischen Herzogs Bolesław III. Krzywousty (Schiefmund).[3] Hinter den Camminer Burgpalisaden residierte in den 1120er-Jahren Fürst Wartislaw I. (reg. von 1121 bis um 1135),[4] der als erster namhaft gemachter Pommernherzog nach dem 1120 errungenen Sieg Bolesław III. über Stettin die Oberhoheit Polens anerkennen musste. Diese war mit der Auflage der Waffenhilfe im Kriegsfalle und einer jährlich zu leistenden Tributzahlung verknüpft. Nach dem Tode Bolesław III. (wohl 1135) hatte sich die Abhängigkeit Pommerns von Polen jedoch erledigt.[5]
1124 weilte Bischof Otto von Bamberg auf seiner von Bolesław III. initiierten Missionsreise unter anderem auch in der Camminer Burg, um die heidnische Bevölkerung an der Dievenow zum Christentum zu bekehren. Inmitten der Wehranlage ließ der Bischof eine Holzkapelle errichten, doch schon 1150 wurde selbige durch die in Massivbauweise aufgeführte St. Marienkirche ersetzt.[6] Das eher bescheidene Gotteshaus musste kurz vor 1750 wegen großer Schäden bis auf einen kleinen Mauerrest abgetragen werden. In den von 1750 bis 1755 erfolgten Nachfolgebau, einem nun etwas größeren Gebäude, „wurden Teile der alten Nord- und Ostwand mit einbezogen“.[7] Insofern ist davon auszugehen, dass es sich bei den oben genannten Mauerfragmenten in der heutigen Stadtpfarrkirche St. Marien aller Wahrscheinlichkeit nach um das älteste Gemäuer in ganz Pommern handelt, das die romanischen Teile des Camminer St. Johannesdoms sowie das Turmfragment der Stolper Klosterkirche der Benediktiner bei Anklam und die ältesten Bauabschnitte der Bergener St. Marienkirche altersmäßig um ca. 26 beziehungsweise 30 Jahre übertrifft.
1176 wurde auf Veranlassung Kasimirs I. das 1140 in Wollin gegründete pommersche Bistum von Grobe/Usedom aus, wo es zwischenzeitlich untergekommen war, nach Cammin verlegt (siehe hierzu auch Beitrag „Wollin-Stadt“). Mit dem noch im selben Jahr begonnenen Dombau (Grundsteinlegung angeblich am 24. Juni, das heißt am Johannestag) zwischen der „Burgstadt“ und dem ca. 300 Meter weiter östlich gelegenen Marktflecken „entstanden auf der sogenannten Domfreiheit nach und nach die Gebäude für den Bischof und die weiteren Amtsträger des Domkapitels“, darunter die Bischofskurie, ein anfangs in Holz-Lehmbauweise aufgeführt gewesenes Fachwerkgebäude.[8]
Kurz vor der Gründung des oben genannte Bistums, nämlich 1135, plünderten die Pomoranen auf einer Beutefahrt die dänische „Stadt“ Konghelle am Götaelf. Unter dem Beutegut befand sich unter anderem der sogenannte Cordula-Schrein, „der bis 1945 das wertvollste Stück des Camminer Domschatzes bildete“ (danach verschollen, eine Nachbildung befindet sich seit 2010 im Pommerschen Landesmuseum). [9] Aber auch die Dänen waren geübte Kaperfahrer. So versuchte König Waldemar im Herbst 1170 die Camminer Burg einzunehmen, jedoch vergeblich. Dafür brandschatzte er auf der Rückfahrt das weniger geschützte Wollin, das zudem drei Jahre später erneut von den Dänen überfallen wurde. 1185 musste sich auch Cammin unter Bogislaw I. (regierte von 1155 bis 1187) den von Knut VI. angeführten Nordländern beugen. Allerdings konnten die dortigen Geistlichen durch geschickte Verhandlungen mit den Belagerern die „Burgstadt“, die Domsiedlung und den Marktflecken vor Zerstörungen bewahren. Der Preis dafür war ein Friedensdiktat, durch das das Land Bogislaws I. bis 1223 unter dänische Oberhoheit gelangte.[10]
Als weitere Aggressoren traten in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und später die Markgrafen von Brandenburg auf den Plan, deren Truppen Cammin mit Ausnahme der kirchlichen Gebäude 1273 in Schutt und Asche legten. „Diese Zerstörung durch die Brandenburger bedeutete gleichzeitig das Ende der wendischen Stadt.“ Die abgebrannten Wohnquartiere wurden jedoch mit Unterstützung deutscher Siedler bald wiederaufgebaut, sodass sich Herzog Barnim I. (reg. von 1226 bis 1278) genötigt sah, seiner neu errichteten „Burgstadt“ am 5. Januar 1274 deutsches Stadtrecht zu verleihen. In den Wiederaufbau mit einbezogen wurde freilich auch der wendische Marktflecken östlich der Domsiedlung.[11]
aum hatten sich die Camminer einigermaßen von den Brandschatzungen der Brandenburger erholt, zogen diese unter Führung der Markgrafen Waldemar und Otto 1308 erneut gegen die Stadt und machten sie dem Erdboden gleich. Mit Ausnahme der altstädtischen St. Marienkirche wurden diesmal alle Gebäude, darunter auch ein Teil des St. Johannesdoms, sowie die St. Aegidienkirche der Dominikaner auf dem sogenannten Aschenberg (östlich der Grenze Marktflecken-Domsiedlung gelegen) zerstört.[12] Angesichts der allgegenwärtigen Ruinen beabsichtigten Bischof Heinrich und die Domherren den Bischofssitz in das Kloster Belbuck bei Treptow a. R. zu verlegen. Herzog Bogislaw IV. († 1309) sowie sein Sohn und Nachfolger Wartislaw IV. (reg. von 1309 bis 1326) bewogen den Bischof jedoch, durch die Gewährung umfangreicher Finanzhilfen von der Verlegung Abstand zu nehmen.[13]
Als Herzog Bogislaw I. nach einem Jagdunfall bei Usedom 1187 gestorben war, wählte sein Nachfolger Bogislaw II. (reg. von 1187 bis 1219) Stettin als herzoglichen Hauptsitz. Fortan wurde die Camminer Burg durch Kastellane verwaltet. 1295 kam es zur Spaltung des Herzogtums Pommern in einen Stettiner und Wolgaster Teil. Dabei erhielt Herzog Otto I. (reg. von 1295 bis 1344) das Stettiner Land zugesprochen und Bogislaw IV. bekam den Wolgaster Teil, zu dem unter anderem auch die Stadt Cammin gehörte.[14]
Die anfangs erwähnten Hilfen zum Wiederaufbau Cammins wurden anscheinend ohne Verzögerung gewährt, denn „Trotz des erneuten Niedergangs nach nur 25 [35, der Verf.] Jahren, bauten die Bewohner Kammins ihre Stadt mit herzoglicher Unterstützung wieder auf, begannen aber auch gleichzeitig anstelle der alten Schutzanlage des Palisadenzaunes mit dem Bau der rings um die Stadt zu errichtenden, mit Toren und Türmen versehenen Befestigungsmauer“. [15] Desgleichen wurde die separate Domsiedlung (unterstand dem Bischof) ummauert und in Anlehnung an die Stadt (unterstand dem Herzog) mit Gräben und Wällen gesichert. Darüber hinaus begann der Wiederaufbau der zerstörten Dombereiche, und zwar in folgender Reihenfolge: der Ostgiebel und das Chorgewölbe, der Nordgiebel mit dem Gewölbe des Querschiffs, das auf romanischem Fundamenten ruhende Langhaus, der Kreuzgang sowie der um 1350 errichtete Kapitelsaal (Südkapelle).[16] Von 1388 bis 1438 nahmen die quergestellten Satteldächer mit den gotischen Ziergiebeln Gestalt an und auch der 1519 (nach Biastoch 1550) erstmals erwähnte Turm, dessen Gemäuer im Dreißigjährigen Krieg zusammenbrach, scheint noch im 14. Jahrhundert ins rechte Lot gebracht worden zu sein.[17] Über das Schicksal des Turms berichtet uns Manfred Vollak folgendes: „Im 30jährigen Krieg zusammengefallen, wurde er 1649 erneuert, aber 1803 wegen Baufälligkeit bis auf das Portalgeschoss abgebrochen, dieses erhielt ein Notdach. 1847–50 erfolgte ein Neubau (dabei ursprüngliche Nord-Südausdehnung von ca. 12 Meter beibehalten und etwa gleichlange Ost-Westausdehnung um ca. 6 Meter verkürzt, der Verf.) in gotischen, aber unproportionierten Formen, der 1936 durch ein modernes westwerkähnliches Turmmassiv dem damaligen Zeitgeist angepasst wurde.“[18] Der heute etwa 70 Meter lange Dom war in der Frühen Neuzeit also noch 5 bis 6 Meter länger.
Im Gegensatz zur relativ zügig vorangetriebenen Stadt- und Domerneuerung ließ man sich zu Beginn des 14. Jahrhundert mit der Wiederherstellung der übrigen zerstörten Gebäude auf der Domsiedlung etwas mehr Zeit. Dies trifft insbesondere für die dortige Bischofskurie (Gebäude mit Hof, etwa 60 Meter südlich des Doms gelegen) zu, neben der es noch vier weitere Kurien „der zur Residenz verpflichteten Prälaten“ und acht Häuser der übrigen Domherren gab. „Der Steinbau der Bischofskurie mit kleinerer Kapelle“ wurde als Rohbau um 1330 abgeschlossen. Wahrscheinlich hegte der damalige Bischof Friedrich von Eickstädt bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1343 wenig Interesse an der Fertigstellung des Hauses, da er noch immer von einer Umsiedlung aller Prälaten nach Belbuck überzeugt war. Erst seinem Amtsnachfolger Johann I., Herzog von Sachsen-Lauenburg, gelang es, den weiteren Ausbau der Kurie 1350 zu vollenden (zweite Bauphase). 1363, es könnte aber auch 1385 gewesen sein, verlegte der Sachsen-Lauenburger seine Residenz in die weit größere Körliner Schloss-Burg (7 Kilometer nordwestlich von Belgard an der alten Reichsstraße Nr. 2 gelegen), sodass der Camminer Bischofssitz zunächst verwaiste.[19] In der ersten Bauphase (1308 bis 1330) betrugen die Abmaße der Kurie 18,25 × 9,25 Meter. Laut G. Biastoch soll das Haus nach 1343 um 5,16 Meter verlängert worden sein.[20] Diese Erweiterung, wenn überhaupt vollzogen, kann sich aber nur auf die Breite bezogen haben, da das auf uns überkommene Gebäude die Abmaße von ca. 18 × 14 Meter aufweist. In einem der beiden Bauabschnitte wurde die Kurie durch zwei unterirdische Gänge (von ihnen haben sich bis heute einige Reste erhalten) mit dem nördlich gelegenen Dom und dem nur wenige Meter weiter westlich stehenden Haus des Präpositus (Probst), der späteren Superintendentur, verbunden.
Nach der Einführung der Reformation in Pommern (1534) vollzogen sich in Cammin einige Veränderungen in der Besetzung des Domkapitels (Kollegium der Domherren). Darüber berichtet uns G. Biastoch folgendes: „Der letzte katholische Bischof, Erasmus von Manteuffel, konnte sein Amt noch bis 1544 ausüben. Ihm folgten nun im evangelischen Domkapitel die Bischöfe Bartholomäus Suave (1544–1549) und Martin Weyher (1549–1556), die beide noch, so kann man wohl annehmen, ihren Sitz in der baulich nicht mehr intakten Bischofskurie gehabt haben.“[21]
1557 fiel der Bischofsstuhl an das pommersche Herzogshaus. Sein erster Inhaber aus dem Greifengeschlecht war Herzog Johann Friedrich (regierte von 1557 bis 1574). Dieser verlegte als nunmehriger Titularbischof seinen „Amtssitz“ nach Stettin. „In Cammin setzte er den Kantor und Weihbischof Heinrich Normann (1552–1572) als seinen Statthalter im Domkapitel ein.“ Dem Statthalter des sich nach Stettin zurückgezogenen Fürsten wurde es gestattet, die verfallene Bischofskurie nach einer gründlichen Instandsetzung als Wohn- und Konventshaus zu nutzen. Die damit verbundenen Baumaßnahmen hatten nachstehenden Umfang: „Abriss der gotischen Giebel an der Nord- und Südseite, umfangreiche Neuausführung der Fensteröffnungen an der Ostseite, Auswechslung der Blenden des gotischen Portals in der Fassade, Neuherstellung des Eingangs in der Ostfassade, Aufbau der neuen Giebel im stilistischen Übergang von der Gotik zur Renaissance, Anbau des Erkers und Umbauten im Inneren des Hauses’.“[22]
Nachdem H. Normann 1572 verstarb, gelangte das Konventshaus an Otto Glasenapp auf Gramenz. Der Gramenzer veräußerte seinen Neuerwerb 1584 an den Gülzower Burghauptmann Andreas Budde, dessen Familie dort bis 1631 besitzrechtlich vertreten war, sodass das Gebäude in Anknüpfung an seine letzten Inhaber fortan den Namen „Buddenhaus“ führte. Im oben genannten Jahr erwarb Heinrich von Drewitz das 1630 durch einen in der Stadt wütenden Großbrand (war von den Kaiserlichen ausgelöst worden) zu Schaden gekommene Haus für 1000 Gulden. Heinrichs Nachfolger auf dem Anwesen wurde von 1633 bis 1754 das Domkapitel. Unter den Domherren diente das wieder instandgesetzte Gebäude ab 1634 dem Scholastikus Dubislaw Christoph von Eickstedt und seinem Erben Markus v. E. als Schule. Zudem waren in den ehemals bischöflichen Mauern seit 1661 einige Beamte des Kapitels untergebracht. 1754 wurde das Haus Eigentum des Syndikus Jacob Lietzmann. Der Obengenannte beseitigte die bis dahin aufgetretenen Gebäudeschäden und führte „eine Modernisierung nach der Architektur des Barocks durch“, die 1755 ihren Abschluss fand. Darüber informiert uns der hier schon mehrfach zu Wort gekommene G. Biastoch wie folgt: „Es erfolgte die Einbringung des Portals in der Achsmitte der Ostseite und es verschwanden die gotischen Fenster, die Portalblende an der Domplatzseite sowie das Renaissanceportal in der Ostwand. Die Strukturen des Inneren wurden baulich verändert und in der Mitte des Hauses die Diele mit dem dreigängigen Treppenhaus (nach wie vor vorhanden, der Verf.) geschaffen.“[23]
Im Jahre 1778 ging das Buddenhaus an Lietzmanns Schwiegersohn, den Kapitelssyndikus Kirchmann, über. Zu dessen Besitznachfolgern gehörten:
- der letzte Syndikus des Domkapitels, Kreich (wird 1811 genannt, fungierte als Administrator für die 1811 erfolgte Auflösung des Kapitels),
- der Sohn des Vorbesitzers (bis 1879),
- der praktische Arzt Dr. Wegner (von 1879 bis 1899),
- der Sanitätsrat Dr. Gerke (von 1899 bis 1938)
- und der Kreis Cammin (von 1938 bis 1945).
Während der Kreiszugehörigkeit musste der alte Bischofssitz an den weiblichen Arbeitsdienst vermietet werden. Außerdem waren in seinen vier Wänden nach der Verlegung des Arbeitsdienstes ab Januar 1945 die Hauptbefehlsstelle des Stützpunktes Cammin, der Stabszug und mehrere Offiziersquartiere untergebracht.
Etwa 40 Meter südöstlich des Domchores steht das sogenannte Kleisthaus über das uns Brigitte Klesczewski wie folgt informiert: „In der Nähe des Doms steht das Haus des Domherrn Ewald Jürgen von Kleist. Seine Liebhaberei war die Physik. 1745 erfand er hier die elektrische Kondensatorflasche, die jetzt seinen Namen trägt. Ein Gedenkstein vor seinem Haus, leider nur auf Polnisch, erinnert an ihn und sein Lebenswerk. Bekannter ist die Leidener Flasche von Cunnaeus.“[24]
Das Kleisthaus ist ein neunachsiger, eingeschossiger Putzbau mit zweigeschossigem Mittelrisalit und vorgelagerter Freitreppe auf der Westseite. Das nach aller Wahrscheinlichkeit aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts stammende Gebäude ist vor allem am Dach reparaturbedürftig und stand zumindest zum Zeitpunkt des Besuches durch den Verfasser […] nicht in Nutzung.
Anfang März 1945 wurde Cammin von der Roten Armee eingenommen. Diese übergab die Stadt nachfolgend an die Polen. Soweit die deutschen Einwohner nicht schon vorher geflohen waren, mussten sie Cammin verlassen.
Unter der polnischen Stadtverwaltung fungierte die vormalige Kurie zunächst als Magazin, um nach der Beseitigung der restlichen Kriegsschäden im Jahre 1947 in die Verfügungsgewalt der Kreis- und Stadtbibliothek überzugehen. 1957 nahmen die Handwerker erneut vom Haus Besitz. Diesmal standen sie aber unter der Ägide der Denkmalpfleger und Konservatoren, die sich hinsichtlich der Bewahrung der überkommenen Stilformen zu einem Kompromiss entschieden hatten. Über das Resultat der Entscheidung unterrichtet uns abermals G. Biastoch: „Die Fassade mit dem verzierten Giebel der Nordseite wurde gemäß dem Stand vor dem Umbau des Jahres 1755 rekonstruiert, die östliche Fassade zeigt sich aus der Zeit nach diesem Umbau, unter Kennzeichnung des freigelegten älteren Renaissance-Portals dieser Wand, das sich in der bekannten Asymmetrie der einst gestalteten Öffnung abhebt. Am wenigsten verändert wurden die aus dem 14. Jahrhundert stammenden Blenden und Fenster des Obergeschosses neben dem Erker […]“[25]
Nach dem politischen Umbruch in Polen gelangte das Palais, das bis Mitte 1998 noch als Kreis- und Stadtbücherei in Funktion war, wieder in die Hand der Kirche. Durch die neue Eigentümerin erhielten die bis dahin unsachgemäß gelagert gewesenen Bestände der alten Dom- und Synodalbibliothek ein modernes, ihrer kulturhistorischen Bedeutung angemessenes Depot im Obergeschoss.[26] Damit wurde der symbolische Grundstein für das im Haus untergebrachte „Katholische Kulturzentrum Johannes Paul II.“ gelegt. Heute (2010) teilen sich unter dem Schirm der kulturellen Einrichtung ein Kindergarten, eine Musikschule und ein Fotozirkel das begrenzte Raumangebot (Grundriss ca. 18 x 14 Meter).
Das teilrekonstruierte Gebäude ist ein zweigeschossiger Putzbau mit aufwändig gestaltetem Nordgiebel in renaissancezeitlichem Stil und mit Putzmaßwerk. Der Südgiebel ist in einfacheren Formen aufgeführt, aber dennoch gestaltet durch Lisenen und bekrönende Türmchen, welche die fünf Achsen der Fassade betonen. An der westlichen Längsseite befindet sich ein Erker am Obergeschoss, der durch sein abgetrepptes Gesims auffällt. Das Hauptportal auf der Ostseite wird eingerahmt von adäquaten Putzquadern.
Am Ende dieser Ausführung soll hier erneut der bereits anfangs erwähnte St. Johannesdom zu Ehren kommen, da sich in ihm eine der schönsten Orgeln Pommerns befindet (1669 von Michael Birgel gefertigt, am Prospekt Vergoldungen und Malereien, darunter Porträt und Wappen des Orgelstifters Ernst Bogislaw von Croy, Konterfei und Hoheitszeichen von Johann Schmidt aus Stargard angefertigt). Außerdem verfügt der Dom über den einzigen geschlossenen Kreuzgang zwischen Damgarten und Leba.[27] Im Obergeschoss seines Ostflügels - die übrigen Flügeltrakte sind ohne Obergeschoss -ist nach wie vor das Dommuseum untergebracht, dessen „Schatzkammer“ auch gegenwärtig noch mit einigen interessanten Kostbarkeiten aus der Historie des mehrhundertjährigen Bistums aufwarten können.
Cammin ist zudem Geburtsstadt des bekannten deutschen Nachkriegsschrifstellers Uwe Johnson (* 1934, † 1984 in Sheernees-on-Sea/Kent, Träger des Fontanepreises der Stadt Berlin und des Internationalen Verlegerpreises). Zu seinen bedeutendsten Werken gehören unter anderem: „Mutmaßungen über Jakob“ (1959), „Das Dritte Buch über Achim“ (1965), „Zwei Ansichten“ (1965) und „Jahrestage, Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ (vier Bände, 1970), in denen er vor allem deutsch-deutsche Themen gestaltete.[28]
–––
[1] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 22
[2] Lucht, Dietmar: Pommern. Historische Landeskunde, deutsche Geschichte im Osten Band 3, hrsg. v. d. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Köln 1996, S. 19
[3] Hinz, Johannes: Pommern-Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Mannheim 1988, S. 70; vgl. auch Lucht, Dietmar: Pommern. Historische Landeskunde, deutsche Geschichte im Osten Band 3, hrsg. v. d. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Köln 1996, S. 20
[4] Diedrich, Waldemar: Frag mich nach Pommern, Leer 1988, S. 91
[5] Lucht, Dietmar: Pommern. Historische Landeskunde, deutsche Geschichte im Osten Band 3, hrsg. v. d. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Köln 1996, S. 20 u. 24
[6] Ebd., S. 23
[7] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 13f.
[8] Ebd., S. 13, 23 u. 27
[9] Lucht, Dietmar: Pommern. Historische Landeskunde, deutsche Geschichte im Osten Band 3, hrsg. v. d. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Köln 1996, S. 24
[10] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003. S. 13 u. 23 sowie Buske, Norbert: Pommern – Territorialstaat und Landesteil von Preußen, Schwerin 1997, S. 90
[11] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 13 u. 24 sowie Buske, Norbert: Pommern – Territorialstaat und Landesteil von Preußen, Schwerin 1997, S. 90
[12] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003. S. 24
[13] Ebd., S. 14 sowie Buske, Norbert: Pommern – Territorialstaat und Landesteil von Preußen, Schwerin 1997. S. 99
[14] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 13 sowie Buske, Norbert: Pommern – Territorialstaat und Landesteil von Preußen, Schwerin 1997, S. 90
[15] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 24
[16] Ebd., S. 25
[17] Hinz, Johannes: Pommern-Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Mannheim 1988, S. 71 sowie Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 26
[18] Vollack, Manfred: Stettin und Mittelpommern in Farbe, Land an Oder und Ostsee, Mannheim 1985, S. 34f.; vgl. auch Diedrich, Waldemar: Frag mich nach Pommern, Leer 1988, S 46 obere Abb.
[19] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 25 u. 27; nach ebd. S. 27 erfolgte die Beendigung der zweiten Bauphase um 1360, außerdem wird auf der letztgenannten Seite die Verlegung der Bischofssitzes nach Körlin auf das Jahr 1385, dem Todesjahr Johann I., datiert
[20] Ebd., S. 27
[21] Ebd., S. 27
[22] Ebd., S. 27
[23] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 28
[24] Klesczewski, Brigitte: Einmal weit ums Große Haff, in: Die Pommersche Zeitung, Folge 46/11, 19. November 2011, S. 14
[25] Biastoch, Gerhard: Aus der Geschichte der alten Bischofsstadt Cammin in Pommern, Berlin 2003, S. 28
[26] Ebd. 2003, S. 28
[27] Hinz, Johannes: Pommern-Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Mannheim 1988, S. 71
[28] Hinz, Johannes: Pommern-Lexikon für alle, die Pommern lieben, Würzburg 1994, S. 162
- Cammin (Kamień), Bischofs- bzw. Buddenhaus, östliche Schmalseite, April 2003; Foto: D. Schnell
- Cammin (Kamień), Bischofs- bzw. Buddenhaus, westliche Schmalseite von Südwesten, Februar 2011; Foto: D. Schnell
- Cammin (Kamień), Bischofs- bzw. Buddenhaus, Nordseite mit Erker von Nordwesten, Mai 2010; Foto: D. Schnell
- Cammin, (Kamień), Cordula-Schrein (Kopie) aus dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, Original von vor 1135 ehemals im Camminer Domschatz, 1945 verschollen, Juli 2010; Foto: D. Schnell
