Buggenhagen

Das ehemalige Gutsdorf Buggenhagen liegt drei Kilometer südlich der kleinen Fischer- und Ackerbürgerstadt Lassan. Fast möchte man meinen, dort sei die Welt zu Ende, denn die den Ort tangierende Chaussee (von Lassan her kommend) mündet hinter dem nachbarlichen Jamitzow in einen Wald- und Wiesenweg, den man mit dem Pkw lieber meiden sollte.

Buggenhagen war Stammsitz des ritterschaftlichen Geschlechts gleichen Namens, von dem berichtet wird, dass es sich schon 1260 im Gefolge des Pommernherzogs zu bewähren hatte.[1] Etwa seit dieser Zeit befand sich der Ort im Besitz eines Zweiges jener Familie, während die Vertreter der beiden übrigen Linien als Schlossgesessene auf Broock und Nehringen in Erscheinung traten. Zu den Buggenhäger Angehörigen der Familie gehörten unter anderem:

  • Ernst Christoph von Buggenhagen (1753–1816, war königlich schwedischer Landrat in Vorpommern, außerdem Kurator der Universität Greifswald und Mitglied der Mecklenburgischen Landwirtschaftlichen Gesellschaft),
  • Bernhard Alexander Franz Wilhelm von Buggenhagen (1815–1866, erwarb 1845 das Rittergut Vorwerk bei Lassan),
  • Berendt von Buggenhagen (wird 1901 genannt)
  • und der Rittmeister Hans Detlof von Buggenhagen (1879–1943).[2]

Hans Detlofs Sohn, Hans-Bernd von Buggenhagen (1916–1941, Träger des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse), fiel 1941 in Russland. In einem Abschiedsbrief äußerte der 25-jährige Adelsspross den Wunsch, „als pommerscher Edelmann für die Größe seines Vaterlandes zu sterben“. Außerdem bat er darum, im Falle seines Todes im Schatten des heimatlichen Waldes bestattet zu werden. Trotz aller Bemühungen der Eltern sah die Wehrmacht von einer Überführung des gefallenen Ritterkreuzträgers ab.[3] Allerdings setzten ihm die Seinen in der Großen Heide auf einer kleinen Erhebung (liegt einen Kilometer nordöstlich des Friedhofs, heute von Fichten umgeben) einen Gedenkstein, der nach 1945 allerdings „von Amts wegen“ entfernt wurde. Außerdem gestalteten die Gemeindeverantwortlichen das Mausoleum der Familie von Buggenhagen auf dem dortigen Gottesacker in eine Trauerhalle um. Dazu wurden die im Mausoleum aufgestellten Särge mit den Gebeinen der Verstorbenen von ihrem Standort entfernt und auf der kleinen Erhebung in der Heide neben dem entfernten Denkmal der Erde überlassen.[4] 1996 legte die Familie von Buggenhagen dort einen kleinen „Waldfriedhof“ an,[5] auf dem seither ein neuer Gedenkstein (Findling von 2,5 × 1,5 Meter) und ein großes Holzkreuz an das mehr Jahrhunderte währende Wirken des alten pommerschen Adelsgeschlechts auf Buggenhagen erinnern. Der Stein trägt folgende Inschrift:

"Meine Zeit steht in deinen Händen,
Psalm 31. 16.

Dem Andenken der Toten
der Familie von Buggenhagen
ansässig auf Buggenhagen
von 1260 bis zur Vertreibung 1945"

Die etwas abseits, ja, fast verborgen gelegene Ruhe- und Erinnerungsstätte wurde im Juni des 1996 mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht. Im Hinblick auf die ehemalige Besitzerfamilie sei hier noch erwähnt, dass sich die junge Witwe Ruth von Buggenhagen mit ihren beiden Töchtern Marielies und Ruth-Erika am 28. April 1945 vor der herannahenden Roten Armee in Richtung Westen in Sicherheit gebracht hatte.[6]

Das Buggenhäger Herrenhaus soll angeblich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein. Diese Datierung bezieht sich jedoch nur auf das heutige Corps de Logis, da dasselbe später – wahrscheinlich kurz vor der letzten Jahrhundertwende – erweitert wurde. Der auf uns überkommene L-förmige Gebäudekomplex besteht aus dem Haupttrakt und zwei eingeschossigen Flügeln von jeweils 5 × 2 Achsen.

Der zweigeschossige, unterkellerte Haupttrakt (14 x 3 Achsen) wird von einem Mansarddach mit Gaubenreihen bedeckt. Es befindet sich jeweils ein Portikus auf der Hof- bzw. Parkseite, wobei der Parkseitige geprägt ist von vier schlanken, kannellierten Säulen, die einen Dreiecksgiebel tragen. Ihm ist eine repräsentative Terrasse mit Freitreppe vorgelagert. Der hofseitige Portikus, in seinen Formen deutlich reduzierter, zeichnet sich durch flach ausgeprägte Pilaster aus, die teils verkröpft sind. Der Rundbogen auf dem dortigen Giebelfeld hatte das Wappen derer von Buggenhagen eingerahmt. Die Fenster der hofseitigen Fassade sind schmuckvoll, aber zurückhaltend verziert mit Kassetten im Erdgeschoss und Balusterspiegel im Obergeschoss. Die Erweiterung des Haupttrakts wird durch einen Turm dominiert, dessen Dachform an welsche Hauben erinnert. Die Erweiterung des Haupttrakts, aber auch die zwei hinzugefügten Flügel verändern das Erscheinungsbild des klassizistischen Hauses wesentlich. Der erste Flügel streicht in Nordwest-Verlängerung der nordöstlichen Hauptgebäude-Schmalseite und der übrige hat hinter der entgegengesetzten Schmalseite seinen Platz, wobei die parkseitigen Frontpartien von Hauptgebäude und zweitem Flügel auf einer Linie liegen. Die an die letztgenannte Hauserweiterung angefügten Zusatzbauten (hölzernes Mehrzweckgebäude und Sanitärtrakt) sind nach allem Dafürhalten jüngeren Datums.

Bereits 1995 lag das sogenannte Schloss in der Hand eines Bauunternehmers aus Ostfriesland. Diesem Herrn aus dem Nordwesten Deutschlands ist es zu verdanken, dass die vormals recht desolaten Gebäudetrakte wieder ein vertretbares Aussehen annahmen.[7] Das anfangs als Hotel genutzte Haus geriet jedoch nach einigen Jahren ins wirtschaftliche Abseits und musste seine Pforten schließen. Nach einer längeren Phase des Leerstandes und mehrfachem Eigentümerwechsel gelangten Haus und Park an den Bremer Kunstliebhaber Till Richter. Heute (2013) erstrahlt das ehemals herrschaftliche Gebäude,dass nun für viele bedeutende Künstler von Usedom bis Berlin ein Treffüunkt geworden ist, wieder in neuem Glanz.[9]
Zum Neuerwerb des Bremers gehört überdies der umliegende Park (ca. sieben Hektar) mit seiner erneuerungsbedürftigen Teichanlage. Durchschreitet der interessierte Wanderer das südlich angrenzende Erlenholz, so gelangt er nach etwa 200 Schritten an den Schlosssee, ein verschwiegenes, aber nicht ungefährliches Gewässer mitten im Bruchwald.
Am Beginn der auf das Herrenhaus zuführenden Alleenstraße hat zur rechten Hand ein um 1850 aufgeführter Pferdestall seinen Platz. Leider ist dieser rohrgedeckte Fachwerkbau zur Ruine verkommen und droht über kurz oder lang einzustürzen, sodass die Laubsägearbeiten an seiner straßenseitigen Schmalseite wohl bald für immer verloren sein werden.

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[1] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 138

[2] Jordan, Bernd; Weise, Johannes Friedrich: Beiträge zur Lassaner Heimatgeschichte 2003 – Güter um Lassan in der Zeit von 1900 bis 1945, Lassan und Berlin 2003, S. 48f.

[3] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 138

[4] Angaben von Herrn Lüttke aus Buggenhagen (ehemals Stettin-Podejuch) vom 20. März 2012 zur Historie seines Wohnortes nach 1945

[5] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 138

[6] Jordan, Bernd; Weise, Johannes Friedrich: Beiträge zur Lassaner Heimatgeschichte 2003 – Güter um Lassan in der Zeit von 1900 bis 1945, Lassan und Berlin 2003, S. 51

[7] Oberdörfer, Eckhard: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch, Bremen 2006, S. 138

[8] Angaben eines Buggenhäger Bürgers zur jüngeren Histporie des dortigen Herrenhauses vom 20 August 2007

[9] „Nordmagazin“, TV-Sendung des NDR vom 25 August 2013, hier: Angaben zur jüngsten Ortshistorie von Buggenhagen

  1. Buggenhagen, Herrenhaus, Park- bzw. Südseite, August 2008; Foto: D. Schnell
  2. Buggenhagen, Gedenkstein der Familie von Buggenhagen auf dem „Waldfriedhof“, März 2012; Foto: D. Schnell