Buchwald (Trzebiechowo)
So schön der Name des Ortes – Buchwald (Trzebiechowo) – auch klingt, so wenig gibt es über seine Historie zu berichten. Sicher ist dies der Tatsache geschuldet, dass das kleine dörfliche Gemeinwesen, im Norden des Kreises Neustettin gelegen, bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen Wrukenhütten als Vorwerk von Gut Wurchow nur wenig in Erscheinung trat. Dies änderte sich erst nach der 1851 erfolgten Eheschließung des Wurchower Gutsherrn von Glasenapp und der damit einhergehenden Verlegung seines Wohnsitzes nach Wrukenhütten, welches nun unter dem Namen Buchwald eine bedeutende Aufwertung erfuhr. Um die Glasenapp'schen Finanzen war es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber schlecht bestellt, daher fiel Buchwald 1869 an den Berliner Bankier Wilhelm von Krause.[1] Dass der Berliner den etwas abseits gelegenen Ort erstand und sich nicht von der nur mittelmäßigen Bonität seiner Feldmark abschrecken ließ, lag sicher an der reizvollen Umgebung im Neustettiner Seengebiet. Dem damaligen Zeitgeist folgend, schuf sich Wilhelm von Krause in der idyllischen Buchwalder Natur sein eigenes kleines Reich. So entstanden auf dem alten Hofgelände und im näheren Umfeld mehrere neue Stall- und Wohngebäude, eine neogotische Kirche und ein repräsentatives „Schloss“ (z. T. auf alten Fundamenten errichtet), dessen wuchtiger Turm in Pommern nur von wenigen Exemplaren dieser Art übertroffen wird.[2]
Wenigstens bis 1905 war Wilhelm von Krause Eigentümer des damals 1617 Hektar großen Rittergutes.[3] Danach gelangte der Besitz an die Familie von der Planitz und von dieser vor 1939 an einen Herrn von Wedemeyer. Zu der Zeit gehörten zum Gutsbezirk Buchwald (nun 1763 Hektar) folgende Ortsteile und Wohnplätze: Breitenriege (Ziegelei), Diekberg (Vorwerk), Grammhof (Forsthaus), Grammhof (Vorwerk), Jungfernhof, Lorkenheide und Luisenhof. Darin lebten einschließlich des Hauptortes kurz vor dem Zweiten Weltkrieg 282 Einwohner.[4]
Das Buchwalder „Schloss“ wurde von Wilhelm von Krause in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeführt. Der langgestreckte Putzbau mit einer stattlichen Dimension von 52 x 16 Metern verfügt über zwei Vollgeschosse, die auf einem recht hohen Souterrain ruhen, das durch gequaderte Findlinge in großflächiger Anwendung auffällt. Auf dem Walmdach mit seiner relativ neuen Kupferplatteneindeckung befinden sich zwerchhausartige Gauben und unter der Traufe verläuft ein Zinnenfries. Markant erscheinen für dieses Bauwerk die Stufengiebel, derer es an den Schmalseiten je einen, an der Süd- bzw. Parkseite zwei und an der Nord- bzw. Hofseite insgesamt drei gibt. Darüber hinaus ragt aus dem Zentrum des Gebäudes ein sechsgeschossiger, eckiger Turm auf quadratischem Grundriss hervor, der, ebenso wie die Staffelgiebel, mit schlanken Ecktürmchen und Fenstergruppen versehen ist. Während der Bau insgesamt axialsymmetrisch aufgeführt ist, sind die Nord- und die Südseite unterschiedlich gestaltet. Auf der Süd- bzw. Gartenseite treten die beiden Stufengiebel, jeweils mit Standerkern versehen, mit einem dazwischenliegenden, dreigeschossigen Gebäudeteil insgesamt risalitartig hervor (um ca. 3,5 Meter, Länge ca. 22 Meter). Der von den Stufengiebeln eingerahmte Gebäudeteil verfügt eine vom Park herführende, repräsentative Freitreppe, die zu eine r Terrasse und einem geschosshohen, rundbogigen Fenster bzw. Portal führt, in Gestalt eines römischen Thermenfensters. Flankiert wird Letzteres von zwei ebenfalls geschosshohen Fenstern. Das darüberliegende Obergeschoss ist gestaltet durch ein reich geziertes, gallerieartiges, siebenteiliges Fensterband mit darüberliegender Zinnenattika. In zentraler Position ist darüber weithin der Wappenstein am Turm sichtbar.
Dieser zentral gelegene Gebäudeteil der Südseite findet an der Nord- beziehungsweise Kirchenfront kein direktes Pendant. Während zwei der drei nordseitigen Staffelgiebel an den Eckseiten beinahe mit der Gebäudeflucht verlaufen, tritt an mittiger Position der Dritte – größer und mit mehr Stufen versehen – flankiert von zwei turmartigen Standerkern wiederum als Risalit hervor. Über eine repräsentative Auffahrt bzw. Treppe wird das an dieser Stelle befindliche, rundbogige Hauptportal erreicht, das von je zwei korinthischen, gekuppelten Halbsäulen eingerahmt wird.
Nennenswert ist außerdem der säulengestützte Altan an der zum Lütersee weisenden Schmalseite.
Der zum Grundbesitz gehörende Park erstreckt sich zwischen dem Wirtschaftshof und der westlichen Uferzone des Lütersees. Das langgezogene Gewässer schließt sich mit seinen waldreichen Buchten fast nahtlos an die umfangreiche Gartenanlage an. Ursprünglich gab es dort „nach Kussow hin“ ein „Bellevue“ (Bauwerk mit schöner Aussicht), von dem allerdings nichts mehr auf uns überkommen ist.[5] Das heutige „Bellevue“ ist ein direkt am Seeufer stehender Pavillon neuerer Bauart.
Der Name Buchwald kommt freilich nicht von ungefähr, denn die kuppierte Feldmark rund um den Ort weist prächtige Buchenbestände auf, die durch den Raubbau nach 1945 zwar sehr gelitten haben, doch allmählich wieder an Höhe und Dichte gewinnen. Neben der Buche ist rund um den Ort aber auch die Eiche zu finden. Eines ihrer stärksten Exemplare von über sechs Metern Umfang steht vor den ehemaligen Arbeiterhäusern im Dorfzentrum. Außerdem stockt ein weiterer Vertreter dieser Gattung, nun aber von 8,5 Metern Umfang, zwischen „Schloss“ und Pavillon. Soll man dem 1930 erschienenen Heimatkalender von Regenwalde Glauben schenken, dann gab es im Ort Moldawin (zwischen Naugard und Regenwalde gelegen) die sogenannte Schulzeneiche, deren Stamm acht erwachsene Personen nicht vollständig umfassen konnten. Danach verfügte der Baum (1929 durch Blitzschlag zerstört) über einen Umfang von etwa 14 Metern, womit er die meisten Vertreter dieser Baumart in Mitteleuropa übertroffen hätte.[6] Als Vergleichsbeispiele seien hier genannt: Kaiser Lothar-Linde in Königslutter im Kreis Helmstedt (Stammumfang 1989: 12,00 Meter), tausendjährige Eiche im Ivenacker Tiergarten (Stammumfang 1990: 12,40 Meter), Kirchhofslinde in Alt Polchow bei Güstrow (Stammumfang 1990: 13,95 Meter) und Riesenlinde in Heede im Kreis Emsland (Stammumfang 1992: 16,15 Meter).[7]
Nach der im Frühjahr 1945 erfolgten Einnahme Buchwalds durch die Rote Armee fiel das „Schloss" in die Hände der sowjetischen Siegermacht, die es später in zeitlicher Nähe zur Vertreibung der letzten deutschen Einwohner des Dorfes an die polnische Verwaltung übergab. Das Herrenhaus wurde schließlich für administrative Zwecke und als Schule genutzt. Zum Nachlass der damaligen Einlieger gehört eine vor zwei Jahrzehnten noch gut befahrbare, heute (2008) aber schon sehr desolaten Platten- und Asphaltstraße durch den nördlichen Parkbereich.
Spätestens seit 1995 befindet sich der alte Landsitz in Privathand. In jenem Jahr wies die Hausfassade einen frischen Farbanstrich auf und im Gebäudeinneren fanden anfängliche Sanierungsarbeiten statt. Nach sieben Jahren hatte die Fassade allerdings einen Teil ihrer vormaligen Frische eingebüßt, ansonsten aber zeigte sich das Haus nach wie vor in seiner ganzen Stattlichkeit. Anfang April 2008 waren an alledem kaum einschneidende Veränderungen auszumachen. Dafür waren aber zwei nahe Hofgebäude abgängig. Das eine der beiden, ein Wohnhaus, lag ca. 20 Meter vor dem Parkeingangstor zur linken Hand der Zufahrtsstraße (vom Hof aus gesehen) und das andere, ein Stall, nahm den Platz an der Gegenseite ein.
–––
[1] Alvensleben, Udo von: Als es sie noch gab, Adelssitze zwischen Altmark und Masuren, zusammengestellt und hrsg. von Harald von Koenigswald, Berlin 1996, S. 73
[2] Ebd., S. 73
[3] Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher, Bd. 2, Pommern, Stettin 1905
[4] Stelter, Franz; Rogge, Heinrich (Bearb.): Der Kreis Neustettin. Ein pommersches Heimatbuch, Würzburg 1972, S. 480 sowie Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Bd. 9, Reihe 1: Pommern, Leipzig 1939
[5] KohIhoff, Karl Friedrich: Wanderungen im Nordteil des Kreises Neustettin, in: Unser Pommerland, Monatsschrift für das Kulturleben der Heimat, hrsg. von der Heimatvereinigung „Unser Pommerland“, 12. Jg. (1927), Heft 9/10, S. 410
[6] Heimatkalender 1930 für den Kreis Regenwalde, hrsg. v. Landbund u. v. Wohlfahrtsamt d. Kreises Regenwalde, Labes 1930
[7] Kühn, Stefan; Ulrich, Bernd; Kühn, Uwe: Deutschlands alte Bäume, 2. Aufl., München 2003, S. 38, 46, 54 u. S. 27
- Buchwald (Trzebiechowo), Schloss, Detail der Südseite, Juli 1995; Foto: D. Schnell
- Buchwald (Trzebiechowo), Schloss, Südseite, April 2002; Foto: D. Schnell
- Buchwald (Trzebiechowo), Schloss von Südosten, Juni 1995; Foto: D. Schnell
- Buchwald (Trzebiechowo), Ökonomiegebäude von Osten, April 2002; Foto: D. Schnell
- Buchwald (Trzebiechowo), Pavillon im Park am Lütersee, April 2002; Foto: D. Schnell
